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Ausgetrocknetes Feld bei Milano

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Italiens Regierung beschließt Dürre-Notstand

Italiens Regierung beschließt Dürre-Notstand

Italien hat wegen der anhaltenden Dürre in fünf Regionen den Notstand ausgerufen. Damit reagiert Rom auf die Probleme besonders für die Landwirtschaft in Norditalien. Sie kann nun Hilfsgelder erhalten, Wasser-Rationierungen können ausgeweitet werden.

Italiens Regierung hat wegen der Dürre in fünf Regionen des Landes den Notstand ausgerufen. Damit reagiert Rom auf die seit Monaten anhaltende Trockenheit und die Probleme, von denen die Landwirtschaft vor allem in Norditalien betroffen ist.

Notstand gibt Behörden mehr Handlungsspielraum

Durch den von der Regierung beschlossenen Notstand bekommen die Behörden mehr Handlungsmöglichkeiten im Kampf gegen die Trockenheit. So können sie schneller Maßnahmen beschließen, um beispielsweise Trinkwasser zu rationieren.

Der Notstand gilt laut Regierungsbeschluss für die norditalienischen Regionen Lombardei, Piemont, Emilia-Romagna, Venetien und das Friaul. Damit sind auch beliebte Touristengegenden von möglichen Notstandsmaßnahmen betroffen wie der Gardasee, die Adriaküste um Rimini oder Venedig.

Hilfsgelder für den Obstgarten des Landes

Die Entscheidung der Regierung bedeutet auch, dass Hilfsgelder für die betroffenen Regionen freigegeben werden. Unter anderem aus diesem Grund haben vor allem Bauernverbände seit Wochen darauf gedrängt, dass in Norditalien formell der Notstand ausgerufen wird.

Die fünf Regionen erhalten nun Dürre-Unterstützung von insgesamt 36,5 Millionen Euro. Die größte Summe geht in die Emilia-Romagna, die Region, die als Getreide- und Obstgarten Italiens gilt und auch größter Fleischproduzent ist. Weltbekannte Produkte wie der Parma-Schinken oder der Parmesan-Käse kommen aus dieser Gegend.

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Entwicklung der Temperatur in Italien

Trinkwasser kann noch schärfer rationiert werden

Bereits in den vergangenen Wochen haben einige italienische Städte und Regionen selbst Notmaßnahmen beschlossen. Unter anderem in Mailand, Verona und Pisa wurde den Menschen verboten, tagsüber Autos zu waschen, private Schwimmbäder zu befüllen oder Gärten zu bewässern. Trinkwasser soll nur noch zum Kochen, Trinken und Waschen verwendet werden.

Mit dem jetzt von der Regierung beschlossenen Notstand kann Trinkwasser noch umfassender rationiert und die Verteilung des Wassers in der Landwirtschaft besser durchgesetzt werden. Laut Medienberichten überlegt Regierungschef Draghi, einen Sonderkommissar gegen die Dürre einzusetzen, ähnlich wie es Italien im Kampf gegen die Covid-Pandemie gemacht hat.

Po mit niedrigstem Pegel seit 70 Jahren

Wichtigster Wasserlieferant für ganz Norditalien, aber insbesondere für die Emilia-Romagna, ist üblicherweise der Fluss Po. Er ist durch die anhaltende Trockenheit auf den niedrigsten Pegelstand seit 70 Jahren gesunken. Dies erschwert vielen Landwirtschaftsbetrieben die Bewässerung. Auch Wasserkraftwerke mussten wegen des niedrigen Pegelstands ihre Stromproduktion reduzieren.

Spanien und Portugal seit tausend Jahren noch nie so trocken

Auch Teile Spaniens und Portugals sind so trocken wie seit mehr als tausend Jahren nicht mehr. Grund dafür ist eine durch den Klimawandel ausgelöste Veränderung des Azoren-Hochdruckgebiets, wie es in einer am Montag in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" veröffentlichten Studie heißt, die vor schwerwiegenden Folgen für die Wein- und Olivenproduktion warnt.

Das Azorenhoch, ein Hochdruckgebiet im Atlantik, hat großen Einfluss auf das Wetter und langfristige Klimatrends in Westeuropa. Im Sommer schickt das Azorenhoch heiße, trockene Luft nach Portugal, Spanien und Frankreich. Im Winter sorgt es für Feuchtigkeit und Niederschläge. Die winterlichen Niederschläge sind laut den Autoren der Studie "lebenswichtig" für die ökologische und ökonomische Gesundheit der Iberischen Halbinsel.

Anhand von Klima-Modellierungen der vergangenen 1.200 Jahre haben US-Forscher nun herausgefunden, dass sich das Hochdrucksystem im vergangenen Jahrhundert "dramatisch verändert hat" und "dass diese Veränderungen des nordatlantischen Klimas innerhalb des letzten Jahrtausends beispiellos sind".

In der Nähe von Valencia ist ein Waldbrand ausgebrochen.
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In der Nähe von Valencia ist ein Waldbrand ausgebrochen.

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