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Italiens Coronavirus-Schutzzone: "Es ist die einzige Lösung" | BR24

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Ganz Italien ist eine Sperrzone, um 18 Uhr tritt abends die Coronavirus-Sperrstunde in Kraft. Das öffentliche Leben ist größtenteils zum Stillstand gekommen. Das sei nötig, sagen viele.

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Italiens Coronavirus-Schutzzone: "Es ist die einzige Lösung"

Ganz Italien ist eine Sperrzone, um 18 Uhr tritt abends die Coronavirus-Sperrstunde in Kraft. Das öffentliche Leben ist größtenteils zum Stillstand gekommen. Das sei nötig, sagen viele.

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Um 18 Uhr ist Schluss. Stefania schließt die Rollläden vor ihrer "Pink Bar" im Zentrum von Rom - pünktlich zur Coronavirus-Sperrstunde, die die Regierung für die Gastronomie im ganzen Land verhängt hat. "Uns kleine Geschäftsleute drücken sie mit dieser Maßnahme auf den Boden", klagt sie:

"Es ist alles sehr kritisch. Auch tagsüber haben die Leute wegen des Virus Angst, in öffentliche Lokale zu gehen. Das Lokal ist leer, wir können nicht mehr arbeiten." Stefania, Barbesitzerin in Rom

Stefania ist verärgert. Als Barbesitzerin leidet sie unter den beschlossenen Maßnahmen. Die Aufforderung von Ministerpräsident Guiseppe Conte, zu Hause zu bleiben, nehmen ihre Landsleute ernst, hat sie festgestellt. Tag eins der landesweiten Coronavirus-Schutzmaßnahmen bedeutete für sie erheblich weniger Einnahmen: "Wenigstens die Hälfte weniger im Laufe des Tages. Trotz der Stammkunden, die ich habe. Wir haben nichts mehr zu arbeiten."

Alle Restaurants und Bars geschlossen

Einen Kilometer entfernt, kurz nach 18 Uhr. Der Campo de‘ Fiori ist um diese Zeit Haupttreffpunkt in der italienischen Hauptstadt - der Ort, an dem die abendliche "movida" der einheimischen Jugendlichen und Touristen beginnt. Normalerweise. Jetzt aber sind alle Restaurants und Bars geschlossen. Ein paar Polizisten kontrollieren, ob sich alle Gastronomen an die Regeln halten.

Touristen gibt es fast keine, nur ein französisches Paar aus Paris schlendert über den Platz. Der 28 Jahre alte Edouard erzählt, mit ihrer Reiseplanung hätten sie Pech gehabt:

"Wir sind hierher gereist, weil die Stadt Rom außerhalb des Sperrgebiets lag. Als wir Montag angekommen sind, haben wir abends gehört, dass jetzt ganz Italien Sperrgebiet ist. Wir versuchen, noch ein bisschen Tourismus zu machen, aber auch hier ist heute Abend alles zu. Das ist ein bisschen traurig." Edouard, Tourist aus Paris

Ihren Rückflug, sagt Edouard, wollen sie so schnell wie möglich vorverlegen. Immer mehr Fluggesellschaften streichen ihre Verbindungen nach Italien.

"Was wir machen können, das machen wir"

Die wenigen noch in Rom verbliebenen Touristen sind frustriert, die Einheimischen bleiben weitgehend zu Hause. Auch der 26 Jahre alte Stefano hat kein gutes Timing erwischt. Aus Apulien ist er am Wochenende nach Rom gefahren, um sein Studium an der Uni fortzusetzen. Jetzt verbringt er den Abend alleine in seiner Studentenbude. "Ja, das ist keine schöne Perspektive", sagt er: "Zurückzukommen und dann auf dem Zimmer zu sitzen, ist überhaupt nicht angenehm. Aber was wir machen können, das machen wir."

Etwas machen gegen die Ausbreitung des Coronavirus - trotz der für ihn damit verbundenen Einschränkungen, sei in Ordnung, sagt Stefano zur Entscheidung der Regierung: "Ich finde, das ist eine richtige Maßnahme. Mehr noch: Ich denke, dass es die einzige Lösung ist."

Alle sollen ihren Beitrag leisten

Die einzige Lösung, um das Coronavirus-Problem in den Griff zu bekommen. Das ist in Rom am Tag eins der Schutzzone überraschend häufig zu hören. Es scheint, als sei es in den Köpfen vieler Italiener angekommen, dass die rasant steigende Zahl an Infektionen nur gebremst werden kann, wenn alle versuchen, ihren Beitrag zu leisten.

Die 53 Jahre alte Roberta hat gerade sicherheitshalber noch ein paar abendliche Einkäufe im Supermarkt gemacht. Sie gibt einen kleinen Einblick, wie das italienische Familienleben aussieht, in Zeiten des Coronavirus:

"Mein Mann und ich schlafen seit einer Woche nicht mehr gemeinsam. Wir geben uns auch keinen Kuss mehr. Wir nutzen unterschiedliche Räume, sodass - wenn einer sich infiziert - es dem anderen gut geht. Ausgehen tun wir nicht." Roberta aus Rom

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