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Italiener und das Coronavirus: "Alles wird gut" | BR24

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In Italien verbreitet sich der Hashtag #andratuttobene (Alles wird gut) in den sozialen Netzwerken. Mit einer Mischung aus Trotz und Optimismus gehen die Menschen so mit der Corona-Ausgangssperre um.

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Italiener und das Coronavirus: "Alles wird gut"

In Italien verbreitet sich der Hashtag #andratuttobene (Alles wird gut) in den sozialen Netzwerken. Mit einer Mischung aus Trotz und Optimismus gehen die Menschen so mit der Corona-Ausgangssperre um.

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In Benevento in der Nähe von Neapel steht ein Mann mit seiner Tochter auf dem Balkon seiner Wohnung. Er mit einer Handtrommel, sie mit einem Tamburin. In der Straße gehen andere Balkontüren auf, Nachbarn holen ebenfalls Schlaginstrumente raus und beginnen mitzusingen, so ist es auf einem Video zu sehen, das zurzeit im Netz kursiert. Am Ende bejubeln sie sich alle gegenseitig ("Grandissimi!") für ihr spontanes Balkonkonzert gegen häusliche Einsamkeit in Zeiten des Coronavirus.

Ausgangssperre mit Humor und Musik bekämpfen

Es ist eines von vielen Beispielen, wie die Italiener versuchen, der derzeitigen Ausgangssperre mit Humor und Kreativität zu trotzen. Und mit kleinen Gesten der Hilfsbereitschaft, wie die der Schneiderin Arianna Alaimo, die seit dieser Woche einen Nähkurs auf Facebook anbietet. Für alle Italiener, die jetzt zu Hause vor Problemen stehen, die sie plötzlich alleine lösen müssen. Lektion eins: Wie nähe ich einen Knopf an: "Ganz wichtig: Versucht den Faden so durch das Nadelöhr zu ziehen, dass ihr zwei Fadenenden habt. Und dann macht ihr einen Knoten."

Der Hashtag #andratuttobene (Alles wird gut) verbreitet sich in Italien in den sozialen Netzwerken und transportiert eine trotzig-optimistische Grundstimmung im Land. Das Motto lautet: Wir lassen uns unsere Zuversicht nicht nehmen, auch wenn das Coronavirus unser Leben umgekrempelt hat und wir zu Hause bleiben müssen.

"Alles wird gut"-Plakate und Livestreams von Konzerten

"Alles wird gut" ist auch als Slogan auf Zetteln an Wohnungstüren zu sehen und auf von Kindern bunt bemalten Bettlaken, die über Balkongittern hängen.

Sara Asquini aus Rom versucht, ihren Landsleuten zu helfen, indem sie Videos von Yogalektionen gegen Rückenschmerzen ins Internet stellt - nicht nur, weil sie sich wegen der derzeitigen Bewegungsarmut der Italiener sorgt: Dieser Unterricht soll auch ein Moment des Zusammenseins, des gegenseitigen Unterstützens sein. Damit sich alle zu Hause nicht isoliert, sondern trotz allem gegenseitig nahe fühlen."

Auch Künstler versuchen, ihren Beitrag zu leisten, um die Stimmung im Land hochzuhalten. Rockstar Gianna Nannini spielte live per Internet von zu Hause aus, DJ Vitowar versuchte mit einer virtuellen Dancehallparty auf Facebook, die Italiener in ihren Wohnzimmern zum Tanzen zu bringen.

Vor Anfang April keine Entwarnung

In Corona-Zeiten alleine zuhause, aber nicht einsam: Der Journalist Luca Zorloni hat deswegen mit Freunden das gemeinsame Abendessen via Skype erfunden.

"Wir haben uns abends um halb acht, zur Abendessenszeit, verabredet, jeder mit seinem Teller vor dem Bildschirm. Und dann haben wir ausführlich zwei Stunden miteinander geplaudert, als säßen wir alle zusammen, obwohl jeder bei sich zu Hause war. Auf diese Weise haben wir ein bisschen die jetzt übliche Langeweile durchbrochen."

Silvio Brusaferro ruft seinen Landsleuten zu: Haltet durch. Frühestens Anfang April, sagt der Chef des nationalen Instituts für Gesundheit, könne absehbar sein, ob Italien die Krise überwunden hat. Noch rund drei Wochen also müssen die Italiener versuchen, sich in ihren eigenen vier Wänden so gut wie möglich bei Laune zu halten.

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Millionen Italiener müssen wegen des Coronavirus zuhause bleiben - aber Musizieren dürfen sie noch. In Turin und anderen Orten stellten sich Menschen mit ihren Instrumenten auf die Balkone, um gegen die Langeweile anzuspielen.