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Umgestürzter Baum hat ein Auto unter sich begraben und zerquetscht
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Autoren

BR24 Redaktion
Lisa Weiß
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Umgestürzter Baum hat ein Auto unter sich begraben und zerquetscht

Ein Marathonläufer kämpft sich durch die Fluten, das Wasser geht ihm fast bis zu den Knien. Der berühmte Venedig-Marathon ist eigentlich kein Wasser-Marathon, doch an einem Tag wie diesem ist in Italien wenig normal: Schwere Unwetter ziehen über fast ganz Italien, in Südtirol rutscht die Erde ab, in Mailand oder Rom fallen Bäume auf Autos, auf Sardinien hagelt es. Und Venedig kämpft mit einem Rekordhochwasser. Die Vaporetti, die Wassertaxis haben den Betrieb eingestellt. Der Markusplatz war zeitweise überschwemmt und musste evakuiert werden. Auch in Civitavecchia, einem Küstenort in der Nähe von Rom schlagen die Wellen gegen die Kaimauern, der Wind ist dort so stark, dass man sich teilweise kaum auf den Beinen halten kann.

Bereits mehrere Tote

Schon am Wochenende waren fünf Menschen wegen ihnen gestorben. In Kalabrien gilt ein Segler als vermisst, die Aussichten, ihn noch lebend zu finden, sind schlecht. Zwei Menschen sind in der Nähe von Rom gestorben, als ein Baum auf ein Auto fiel, es gab in ganz Italien mehrere Verletzte durch herabstürzende Äste. Ein Mensch wurde bei einem Murenabgang auf der Brennerautobahn leicht verletzt, mehrere Autos steckten in den Erdmassen fest. Die Autobahn wurde wegen Unwetterschäden mehrmals für einige Stunden gesperrt.

In vielen Regionen vor allem im Nordosten Italiens herrscht Alarmstufe Rot, die höchste Unwetterwarnstufe. Gefährdet durch Hochwasser, Sturm und Sturzfluten ist auch die ligurische Küste, in Genua und Umgebung mussten mehrere Menschen ihre Häuser aus Sicherheitsgründen verlassen. Bürgermeister Marco Bucci ist bisher vorsichtig optimistisch: "Die Stadt hat die höchste Warnstufe bisher gut überstanden, jetzt warten wir darauf, wie’s weitergeht. Es wird viel Wind geben und hohen Wellengang, morgen müssen wir unbedingt aus der Warnstufe Rot rauskommen."

In vielen Gebieten Ausnahmezustand ausgerufen

In vielen Teilen Italiens blieben die Schulen und Kindergärten geschlossen, auch in der Hauptstadt Rom. Betriebe schickten ihre Mitarbeiter nach Hause. Der italienische Zivilschutz empfiehlt Menschen in den am schlimmsten betroffenen Regionen, möglichst zuhause zu bleiben. In Rom störten Bäume auf den Gleisen den Nahverkehr. Auch die Fährverbindungen zwischen Festland und vielen Inseln sind unterbrochen. In weiten Teilen Italiens herrscht Ausnahmezustand.

Es wurde falsch gebaut - und zu viel

Aber der starke Regen, die Stürme und das Hochwasser seien eigentlich nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit, sagt Fausto Guzetti vom Nationalen Forschungsrat, einer öffentlichen Forschungseinrichtung in Italien. Für Guzetti liegt das Problem woanders.

"Was uns sehr beunruhigen sollte, ist, dass es immer noch Schäden gibt – und leider manchmal auch Opfer, das haben wir in diesem Sommer gesehen. Besonders seit dem zweiten Weltkrieg, haben wir viel gebaut und zwar auch an den falschen Stellen und jetzt müssen wir die Konsequenzen tragen." Fausto Guzetti, Nationaler Forschungsrat

Häuser seien nicht nur an den falschen Stellen, sondern auch unsachgemäß gebaut worden, sagt Guzetti. Und fügt hinzu: In Italiens Städten und auch am Meer sei zu viel Fläche zubetoniert worden – wenn es mehr Grünflächen geben würde, wären auch die Überschwemmungen nicht mehr zu schlimm. Mehr Grünflächen dürften einer Stadt wie Venedig nicht wirklich beim Problem mit den jährlichen Überschwemmungen helfen. Doch die Lagunenstadt, in der Marathonläufer schon jetzt nasse Füße bekommen haben, muss dringend nach einer Lösung suchen. Damit der nächste Venedig-Marathon nicht doch zum Schwimmwettbewerb wird.

Im Mittelmeerraum wüten zur Zeit heftige Unwetter.

Im Mittelmeerraum wüten zur Zeit heftige Unwetter.