BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa / dpa / Italian Firemen handout

Suche nach Unglücksursache nach Seilbahn-Absturz in Italien

21
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Suche nach Unglücksursache nach Seilbahn-Absturz in Italien

Nach dem Absturz einer Seilbahn in Norditalien mit 14 Toten suchen Experten nach der Unglücksursache. Ersten Ermittlungen zufolge könnte ein Seil gerissen sein. Der Unfall sorgt international für Bestürzung. Unter den Opfern sind fünf Israelis.

21
Per Mail sharen
Von
  • Claudia Steiner

Nach dem Absturz einer Seilbahn in Norditalien geht die Suche nach der Unglücksursache weiter. Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Verbania in der Region Piemont übernahm die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Die Gondel mit den Ausflüglern war am Sonntag beim Ort Stresa westlich des Lago Maggiore bei der Fahrt auf den 1.491 Meter hohen Monte Montarrone aus zunächst ungeklärter Ursache in die Tiefe gestürzt. 13 Menschen verloren dabei noch am Unglücksort ihr Leben.

Kind stirbt in Klinik

Nach dem Unfall waren zwei schwer verletzte Kinder noch per Hubschrauber in eine Klinik in Turin geflogen worden, wo eines von ihnen noch am Abend starb und sich so die Zahl der Toten auf 14 erhöhte.

Das israelische Außenministerium bestätigte unterdessen den Tod von fünf Staatsbürgern. Es handele sich um Mitglieder einer Familie, teilte das Ministerium mit. Getötet wurden bei dem Unglück demnach ein Ehepaar und ihr zweijähriger Sohn, die in Italien lebten und arbeiteten. Ein fünfjähriger Sohn des Paares sei schwer verletzt worden und werde in einem Krankenhaus behandelt. Gestorben seien bei dem Absturz zudem die Großeltern der Frau, die zu Besuch in Italien waren. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes lagen keine Erkenntnisse zu deutschen Opfern vor.

Regierung verspricht Aufklärung

Italiens Infrastrukturminister und der Leiter der Zivilschutzbehörde trafen inzwischen am Unglücksort Stresa ein. Die Regierung wolle die Ursachen und das, was geschehen ist, verstehen, sagte Minister Enrico Giovannini vor Medien in dem Ort im norditalienischen Piemont. Die Gründe für den Absturz der Gondel, die zwischen Stresa und dem Monte Mottarone fuhr, würden aufgeklärt. Eine Kommission unterstütze die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Mögliche Ursache: Stahlseil löste sich

Die Seilbahn war zwischen dem Ort Stresa am Westufer des Sees und dem Monte Montarrone unterwegs als sie plötzlich abstürzte. Ein Ermittler der Carabinieri sagte, ein Stahlseil habe sich gelöst.

Das Südtiroler Unternehmen Leitner, das für die Wartungen der Seilbahn zuständig ist, gab an, dass bei der letzten magnetinduktiven Seilprüfung im November 2020 "keine Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden seien. Die Prüfung erfolge jährlich. Auch nach der Generalüberholung der Bahn im Jahr 2016 sei die Anlage genau kontrolliert worden.

Trauer in Italien

"Mit großer Trauer habe ich von dem tragischen Unfall der Stresa- Mottarone-Seilbahn erfahren", teilte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi mit. Er spreche den Familien der Opfer sein Beileid aus. Staatspräsident Sergio Mattarella sprach von einem "tiefen Schmerz".

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer per Twitter "Europas tiefes Mitgefühl" aus. EU-Ratspräsident Charles Michel und der EU-Parlamentspräsident David Sassoli drückten ebenfalls ihre Anteilnahme aus.

Seilbahnbetrieb erst seit Samstag

Erst seit Samstag dürfen in Italien die Seilbahnen wieder nach Monaten der Schließung wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb für Ausflügler aufnehmen. Wegen Wartungsarbeiten war die Seilbahn zwischen 2014 und 2016 geschlossen. Mit dem Slogan "In zwanzig Minuten vom See zum Berg" wirbt die Seilbahn Funivia Stresa-Alpino-Mottarone auf ihrer Webseite. Das Panorama auf dem Gipfel gehört zu den der schönsten der Region. Im Winter kommen Ski-Sportler in die Gegend, im Sommer sind viele Wanderer dort unterwegs.

In Europa hat es immer mal wieder schwere Unglücke mit Seilbahnen gegeben. Zuletzt waren im September 2005 neun deutsche Skifahrer im österreichischen Sölden ums Leben gekommen, als ein Lastenhubschrauber einen Betonklotz verloren hatte, der auf eine Seilbahn stürzte.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!