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Italien leer trotz Grenzöffnung: Touristen haben Angst | BR24

© picture alliance / NurPhoto

Das Kolosseum in Rom hat wieder für Besucher geöffnet - der Andrang ist jedoch bescheiden

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    Italien leer trotz Grenzöffnung: Touristen haben Angst

    Italien hat seine Grenzen bereits am 3. Juni geöffnet. Das Land hoffte auf einen Push für die notleidende Tourismusbranche, die rund 13 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Die Bilanz nach zwei Wochen: Kaum ein Tourist traut sich zu kommen.

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    Früher reichte es im Zentrum in Rom, einen Fuß vor die Tür zu setzen und schon liefen einem Touristen in die Arme. Jetzt muss man sie suchen. Teilweise lange. In der Nähe des Trevi-Brunnens sitzt einer - Theo aus Zürich. Und er strahlt, als hätte er im Lotto gewonnen. "Rom muss man besuchen, jetzt!", sagt er. Weil es jetzt wenig Touristen gebe und man fast alles für sich habe.

    Italien hat seine Grenzen bereits Anfang des Monats geöffnet. Aber bislang kommt kaum jemand. Die Zeit nach Pfingsten ist sonst gerade bei Deutschen beliebt für einen Kurzurlaub in Italien. Jetzt schlendert Philipp aus Nürnberg mit Frau und Kind fast allein über den Petersplatz und sagt: "Es ist sehr leer momentan. Es sind viele Italiener unterwegs und wenig Touristen."

    Campingplätze in Italien fast leer

    Das sei, erzählt seine Partnerin Linda, auch auf dem Campingplatz am Rande Roms zu spüren. Phillip und Linda sind mit einem Camper unterwegs. Auf ihrem Campingplatz stehen drei andere Mobile. Sie haben fast den ganzen Campingplatz für sich allein.

    Urlaub in der Touristenhochburg Italien wird zum exklusiven Erlebnis. Schön für die wenigen, die sich als erste wieder ins Land trauen und die Sehenswürdigkeiten weitgehend für sich haben. Bitter für diejenigen, die vom Tourismus leben, wie Massimo Quarta, Besitzer des Hotels Regno auf der zentralen Via del Corso in Rom.

    Viele Unterkünfte weiterhin geschlossen: Geschäft lohnt sich nicht

    "Es haben fast alle abgesagt", sagt er. Nur ganz langsam kämen wieder Buchungen rein. Insgesamt haben auf 100 Buchungen 95 abgesagt. "Also, wir fangen quasi von Null an." Quarta hält sein Hotel trotzdem offen. Über 80 Prozent der anderen Unterkünfte sind in Rom nach wie vor geschlossen, weil sich das Geschäft wegen fehlender Gäste auch knapp zwei Wochen nach Öffnung der italienischen Grenzen noch nicht lohnt.

    Licia Bonsignore vermittelt und vermietet Ferienwohnungen. Auch sie hat bislang ganz wenige Buchungen und ganz viele Absagen. Obwohl der Ausnahmezustand beendet ist, scheint es so, als sei für den durchschnittlichen Touristen, der nach Italien kommen sollte, die Angst nicht vorbei.

    Negative Schlagzeilen haben sich in den Köpfen festgesetzt

    Die negativen Schlagzeilen aus Italien während der Covid-19-Krise haben sich in den Köpfen potenzieller Touristen offensichtlich festgesetzt. Auch für Sardinien, einer der in Europa am wenigsten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Gegenden, erhalte sie immer noch reihenweise Absagen, erzählt Licia Bonsignore.

    Die Begründungen reichen von fehlendem Versicherungsschutz, falls in Italien etwas passieren sollte, bis zur schlichten Angst zu reisen, also Verkehrsmittel wie Flugzeug oder Fähren zu benutzen. Angst, nicht zu wissen, welche Situation man wirklich vorfindet.

    Italien mittlerweile sicherer als viele Regionen in Deutschland

    Die Daten des Nationalen Gesundheitsinstituts sagen seit Wochen: Bis auf die Lombardei sei Italien in Sachen Coronavirus mittlerweile sicherer als viele Regionen in Deutschland. Den Touristen, die sich trauen, wird der Hof gemacht. Der Römer Quarta, der auch Präsidiumsmitglied im Hotelierverband ist, sagt: Vor einigen Tagen seien endlich die ersten beiden deutschen Gäste gekommen. "Wir haben normalerweise sehr viele hier, gerade in diesen Tagen. Als wir die beiden jetzt gesehen haben, war es für uns ein Festtag."

    Für eine Führung in den Vatikanischen Museen müssen Touristen Mitte Juni normalerweise Wochen im Voraus buchen. Jetzt gibt es viele Plätze noch am selben Tag. Quartas Einladung, nach Rom zu kommen, hat etwas von einem händeringenden Appell: "Wenn ihr uns besuchen kommen wollt, freuen wir uns sehr."

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