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Italien: Corona-App kann Risiko-Kontakte nachvollziehen | BR24

© BR/Lisa Weiß

Wenn bei einem Menschen das Coronavirus festgestellt wird, ist es wichtig, seine letzten Kontakte zu eruieren. Eine neue App aus Italien macht das möglich. Dazu müssen sich alle Teilnehmer aber freiwillig orten lassen.

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Italien: Corona-App kann Risiko-Kontakte nachvollziehen

Wenn bei einem Menschen das Coronavirus festgestellt wird, ist es wichtig, seine letzten Kontakte zu eruieren. Eine neue App aus Italien macht das möglich. Dazu müssen sich alle Teilnehmer aber freiwillig orten lassen.

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Jeder Mensch hat jeden Tag viele Wege und Standorte und kann sich am Ende des Tages unmöglich lückenlos erinnern, wen er alles getroffen hat. Genau das wäre aber wichtig, um Kontaktpersonen zu isolieren und so die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Deshalb hat Emanuele Piasini, der Chef der norditalienischen Firma Webtec, mit seinen Mitarbeitern die App "Stop Covid19" entwickelt.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

App zeichnet alle Telefonnummern mit der App in der Nähe auf

Die Gratis-App fürs Smartphone überträgt GPS-Daten vom Handy an einen Server. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz können dann Kontaktprofile erstellt werden, so Piasini. Wenn also zum Beispiel eine Person positiv auf Corona getestet wird, lassen sich mit dieser App alle Kontaktpersonen feststellen, die ebenfalls diese App installiert haben. Der Betreffende muss dann nur den Behörden seine Telefonnummer mitteilen, die die Behörde dann bei der App eingibt und alle Telefonnummern der letzten Kontakte erhält.

Überwachung? Missbrauch möglich?

Die Behörden können die neun Personen dann kontaktieren – und die können zu Hause in Quarantäne gehen und stecken weniger Menschen an. Klingt einfach, aber auch nach Überwachung, wie in China oder Südkorea. Um Überwachung gehe es nicht, sagt Piasini. Erstens sei die Teilnahme freiwillig, und: "Wir speichern nur die unbedingt notwendigen Daten. Wir können ohne die Behörden nicht herausfinden, wer die Personen sind."

Keine Bewegungsprofile, sondern nur Kontaktprofile

Piasini verspricht auch: Es werden keine Bewegungsprofile erstellt, sondern nur Kontaktprofile. Darüber hinaus kann der Nutzer jederzeit all seine Daten löschen, indem er in der App sein Profil löscht. All seine Daten werden dann sofort gelöscht und verschwinden auch aus der App.

Und auch sonst soll es Löschroutinen geben – in Abstimmung mit den Behörden. Viele Italiener halten den Datenschutz ohnehin für nicht allzu wichtig - damit die App wirklich die Ausbreitung des Virus stoppen kann, müssten aber wohl etwa rund 70 Prozent der Bevölkerung die App installieren. Denn um die Verbreitung zu stoppen, muss man nach Ansicht von italienischen Virologen 70 Prozent der Kontakte einer Person herausfinden und isolieren.

Entwickler wollen kein Geld verdienen

Seitdem die ersten Corona-Fälle aufgetreten sind, tüfteln Emanuele Piasini und sein Team an der App: "Wir haben diese App für das Gemeinwohl entwickelt. Wir wollen nichts daran verdienen. Wenn eine offizielle Anfrage von Behörden kommt, stellen wir ihnen die App zur Verfügung."

Mit den italienischen Behörden ist Emanuele Piasini gerade in Kontakt, um herauszufinden, ob und wie man die App landesweit einsetzen kann. Und auch in Deutschland stößt sie auf Interesse.

TU-München-Professor von der App begeistert

Physik-Professor Stefan Schönert von der TU München arbeitet eigentlich gerade an einer ähnlichen App, sagt aber über "Stop Covid19", dass sie "genau die Funktionalitäten (hat), die wir uns vorstellen". Laut Schönert trägt sie auch dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung Rechnung. Er schlägt vor, keine eigene App zu entwickeln, sondern "Stop Covid19" zu nutzen. Damit "könnten wir wirklich wertvolle Zeit gewinnen".

Dann müssten allerdings noch genügend Menschen dazu bereit sein, die App zu installieren – trotz möglicher Datenschutzbedenken.