Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Istanbul: Es sieht nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus | BR24

© BR

Gespanntes Warten auf das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Istanbul

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Istanbul: Es sieht nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus

Nach der Bürgermeisterwahl in Istanbul hat die Auszählung begonnen. Ex-Ministerpräsident Yildirim von Präsident Erdogans AKP und CHP-Spitzenkandidat Imamoglu liefern sich ein enges Rennen.

1
Per Mail sharen
Teilen

An mangelnder Wahlbeteiligung dürfte die Wiederholung der Oberbürgermeisterwahl in Istanbul nicht scheitern. Schon früh am Morgen strömten die Menschen in die Wahllokale. Trotz Ferienzeit. Weil es keine Briefwahl gibt, haben viele Istanbuler sogar ihren Urlaub unterbrochen und sind in die Stadt zurückkehrt.

Turkish Airlines hat Sonderflüge eingesetzt und trotzdem hat nicht jeder ein Ticket bekommen, so wie die 70-jährige Mukkades Inal: "Ich bin extra aus Antalya gekommen, um mein Wahlrecht wahrzunehmen. Beim letzten Mal wurde es uns genommen. Ich möchte neue Gesichter in der Politik sehen. Dafür habe ich meinen Urlaub unterbrochen. Gestern Abend um halb sieben in den Bus und heute Morgen um sechs war ich da, gleich geht es zurück."

Istanbul - eine neue Türkei

Das Zünglein an der Waage dürften bei dieser Wahl die Kurden sein. Sie machen etwa 15 Prozent der 10,5 Millionen Wahlberechtigten aus. Einer von ihnen ist Lehrer Bilal. Er ist zwar kürzlich in seine alte Heimat Mardin gezogen. Da er bei der ersten Wahl Ende März noch in Istanbul lebte, ist er auch dieses Mal wahlberechtigt und hat nicht gescheut weit mehr als 100 Euro für den Flug auszugeben: "In der Geschichte der Türkei ist es stets so gewesen, dass eine Regierung, die Istanbul verlor, bald auch die ganze Türkei verlor. Daher ist Istanbul eigentlich eine kleine Türkei. Wo immer im Land du lebst: Die Wahl in Istanbul hat Einfluss auf dich."

So wie viele Kurden unterstützt auch Bilal Ekrem Imamoglu, auch wenn er mit dessen Partei, der CHP hadert. Die beiden Kandidaten gaben ihre Stimmen in Begleitung ihrer Ehegattinnen am Mittag ab.

Unrechtmäßigkeiten reparieren

Der 49-jährige Imamoglu wählte ganz im Westen von Istanbul, im Stadtteil Belikdüzü, wo er bisher Stadtteilbürgermeister war: "Bei dieser Wahl geht es um die Demokratie und es geht auch darum, die Unrechtmäßigkeiten der Vergangenheit zu reparieren. Am Ende des Tages wird alles sehr gut!"

Am ganz anderen Ende der Stadt, in Tuzla, gab der 63-jährige AKP-Kandidat Binali Yildirim seine Stimme ab. Er klang weniger siegessicher: "Für wen auch immer sich die Bürger Istanbuls entscheiden, das akzeptieren wir. Sollte ich während des Wahlkampf meine Gegenkandidaten oder Bürger gekränkt oder mich ihnen gegenüber falsch verhalten haben, so möge man mir bitte verzeihen!"

Gespanntes Warten aufs Ergebnis

Wer von beiden gewinnt, werden die Istanbuler mit Spannung verfolgen. So auch der 22-jährige Student Lokman und die 48-jährige Angestellte Ayser: "Wir werden im Teehaus alle zusammen auf das Ergebnis warten. Klar bin ich aufgeregt, es geht schließlich um die Zukunft des Landes", so Lokman. Und Ayser ergänzt: "Ich schaue es bei Fox-TV. Natürlich hoffe ich, dass meine Partei wieder gewinnt. Allerdings bin ich auch misstrauisch, ob nicht doch wieder manipuliert wird. Aber das ist hoffentlich unberechtigt."

Genau darauf passen Tausende Freiwillige in den Wahllokalen auf, aber auch Mitglieder des Europarats, so wie die schwäbische Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp. Sie zeigte sich bis zum Mittag zufrieden. Mit ersten Ergebnissen aus den Stadtbezirken wird ab 19 Uhr Ortszeit gerechnet. Das endgültige Ergebnis wird vermutlich am späten Abend vorliegen.