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Kommunalwahl Türkei: Opposition in Istanbul knapp in Führung | BR24

© dpa-Bildfunk/Burhan Ozbilici

Anhänger der Mitte-Links-Partei CHP schwenken türkische Fahnen.

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Kommunalwahl Türkei: Opposition in Istanbul knapp in Führung

Präsident Erdogans Regierungspartei AKP droht auch in Istanbul eine Wahlschlappe. Ihr Kandidat, der Ex-Ministerpräsident Yildirim, liegt mit fast 28.000 Stimmen hinter dem Oppositionskandidaten. Beide Parteien wollen offenbar Beschwerde einlegen.

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Nach einer dramatischen Wahlnacht sieht auch die türkische Wahlbehörde YSK die Opposition im Rennen um das Bürgermeisteramt in der wichtigen Wirtschaftsmetropole Istanbul um Haaresbreite vorne. Demnach führte der Kandidat der Mitte-Links-Partei CHP, Ekrem Imamoglu, am Montagmorgen mit 27.889 Stimmen vor dem Kandidaten der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, Ex-Ministerpräsident Binali Yildirim.

Denkzettel für Präsident Erdogan

Istanbul war lange AKP-regiert. Das Ergebnis kommt einem Denkzettel für die AKP und ihren Parteichef gleich, den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Offenbar wollen beiden Parteien gegen das Ergebnis Beschwerde einlegen. Dafür sind drei Tage Zeit, sagte YSK-Chef Sadi Güven in einem TV-Interview. Es seien außerdem noch nicht alle Ergebnisse "ins System eingetragen". Die Resultate von 84 Urnen fehlten noch.

In Ankara zeichnet sich Sieg der Opposition ab

Auch in der türkischen Hauptstadt Ankara zeichnet sich eine Niederlage für die AKP ab: Nach 25 Jahren Regierung durch die islamisch-konservative AKP und ihrer Vorgängerpartei holte der Kandidat der CHP, Mansur Yavas, dort rund 51 Prozent der Stimmen, wie der staatliche Fernsehsender TRT nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mitteilte. "In Ankara wurde Geschichte geschrieben", sagte Vize-CHP-Chef Haluk Koc vor Tausenden jubelnden Anhängern in der Hauptstadt.

In der drittgrößten Stadt Izmir steht die Mitte-Links-Oppositionspartei ebenfalls vor einem klaren Sieg. Eng ist das Rennen noch in Antalya.

Türkei steckt in schwerer Wirtschaftskrise

Für Präsident Recep Tayyip Erdogan war die Kommunwalwahl ein Stimmungstest. Unter seiner Führung steckt das Land derzeit in einer Wirtschaftskrise mit zweistelliger Inflation und stark gestiegenen Lebensmittelpreisen.

Der Präsident zeigte sich in einer spätnächtlichen Ansprache vor Tausenden jubelnden Anhängern. Seinen Angaben zufolge gewann die AKP die Bürgermeisterämter in 16 Großstädten. Welche das sind, sagte er nicht. Bei den Kommunalwahlen 2014 hatte sie noch 18 Großstädte gewonnen. Erdogan vermied es, eine Niederlage der AKP in Ankara einzugestehen. Auch zum Wahlausgang in Istanbul äußerte er sich nicht. Stattdessen versprach er, nun mögliche "Schwächen" seiner Partei zu identifizieren und zu korrigieren.

57 Millionen Türken zur Wahl aufgerufen

Mehr als 57 Millionen Menschen waren in der Türkei aufgerufen, in 200.000 Wahllokalen die Bürgermeister von 30 Großstädten, 51 Provinzhauptstädten und 922 Bezirken sowie Repräsentanten auf kommunaler Ebene zu wählen.