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Ist E-Biken in den Bergen umweltschädlich? | BR24

© picture alliance / Wolfram Steinberg

E-Biker auf einem Radweg durch die Berge

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Ist E-Biken in den Bergen umweltschädlich?

Fast ohne eigene Kraft mit 25 km/h den Berg hinauf – ist das noch ein Fahrrad? Ja, sagt die Straßenverkehrszulassungsordnung. Die Festlegung ist wichtig, denn das Naturschutzgesetz verbietet Fahrzeuge mit Motor. Doch der neue Trend wirft Fragen auf.

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Fahrrad oder Motorrad?

Laut Straßenverkehrszulassungsordnung werden die E-Bikes als Fahrräder behandelt, sofern sie bei einer Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h abgeregelt werden. Nur jene etwa fünf Prozent der E-Bikes, die Geschwindigkeiten bis 45 km/h erreichen können, brauchen das Kennzeichen eines Kraftfahrzeugs. Man fragt sich aber durchaus, warum die vieldiskutierten E-Scooter als Kraftfahrzeuge gelten, die E-Bikes hingegen nicht. Unklar ist die Dunkelziffer jener Bikes, die frisiert sind und den eigentlichen gesetzlichen Normen nicht mehr entsprechen. Kritiker schätzen die Anzahl als hoch ein.

Mit Strom auf den Gipfel

Die heute gängige Leistung von 500 Wattstunden bei einem Drehmoment von rund 75 Newtonmeter reicht aus, dass man auf dem E-Bike praktisch ohne eigene Kraftanstrengung eine Steigung um die 20 Prozent mit 25 km/h hinauffahren kann. Derzeit kostet das Ganze noch ziemlich viel Akkuleistung, aber die nächste Generation der Motoren und Akkus, die vermutlich im September auf den Markt kommen, wird auch hier wieder ein ganzes Stück weiter sein. Der Motor wird rund ein Drittel kleiner und leichter, die Leistung noch einmal höher, so dass dann auch der Akku länger mitmacht.

Freies Betretungsrecht und Naturschutzgesetz

Bayern verfügt über eine der freizügigsten Regelungen für die Nutzung der Natur. Zum Beispiel gelten E-Bikes als Fahrräder, die auf geeigneten Wegen fahren dürfen. Laut Naturschutzgesetz gilt aber ein Verbot für Fahrzeuge mit Motor in Naturschutzgebieten. Trotz der inzwischen ausgesprochen leistungsstarken Massen an E-Mountainbikes gab es bisher keine Ansätze, die geltenden Vorschriften zu neu zu bewerten.

Modetrend mit Nebenwirkungen

Also "grünes Licht" fürs ökologische Gewissen der E-Mountainbiker? Eher Nein. Denn während E-Bikes im Alltag zum Klimaschutz beitragen können, wenn durch ihren Einsatz Fahrten mit dem Auto ersetzt werden, schaut es am Berg anders aus. Hier wird letztendlich zusätzlich Energie verbraucht und das ausschließlich zum Freizeitvergnügen. Und das gerade dort, wo Ressourcen wie Strom besonders kostbar sind.

Dazu verursacht der wachsende "Bergverkehr" - neben der steigenden Unfallgefahr mit schwierigen Haftungsfragen, die die Grundstücksbesitzer in die Bredouille bringen können - auch jene Schäden, die die Reifen bei rücksichtsloser Fahrweise in sensiblem Gelände hinterlassen.

Was Alpinisten und Umweltschützer sagen

Der Deutsche Alpenverein hat sich in der Frage bisher nicht klar positioniert. Immerhin sind rund 600.000 DAV-Mitglieder auf Mountainbikes unterwegs. Die Sektion München des DAV sieht die E-Mountainbikes jedoch kritisch und bietet keine Ladestationen auf den Hütten und keine Tourenangebote für E-Bikes an. Weitere Sektionen haben angekündigt, dem Beispiel zu folgen.

Umweltschützer fürchten nicht zuletzt den Reiz, mit Motorkraft in Regionen vorzustoßen, die eigentlich tabu sind.

"Damit steigt die Reichweite und ich komme in Bereiche, die sich früher selbst geschützt haben, mühelos hinein. Der Raum für die Tiere wird wieder mal ein Stück kleiner." Ulf Dworschak, Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

Wie die Politik reagiert

Der Allgäuer CSU-Abgeordnete Eric Beißwenger kennt die Probleme aus eigener Anschauung und fordert bessere "Besucherlenkungskonzepte". Ein Antrag, den auch Grüne und Freie Wähler unterstützen, fordert die Staatsregierung auf, Sperrzonen einzurichten, die Mountainbiker mit Hinweisschildern auf geeignete Wege zu lenken und gegebenenfalls spezielle Mountainbike-Strecken anzubieten.

"Der Bogen ist in vielen Bereichen überspannt. Wenn die Schäden in der Natur massiv sind, dann geht's ja nicht nur um finanziellen Ausgleich. Denn die Wege müssen ja auch wieder instand gesetzt werden. Die Grasnabe ist teilweise so stark verletzt, dass es bis zu metertiefe Erosionsspuren gibt." Eric Beißwenger, CSU

Für die Grünen fordert Christian Magerl, die Debatte nicht nur auf den Alpenraum zu begrenzen.

"Ich kenne das bei uns von der Isar auch: Dass die Leute mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Das ist beispielsweise die Familie mit Kindern, die sehr langsam auf solchen Wegen unterwegs ist. Und ich selbst bin E-Bike-Fahrer. (...) Wir müssen dazu kommen, dass wir ein sinnvolles Nebeneinander der Erholungssuchenden haben in der freien Natur." Christian Magerl (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses Magerl
© BR/Bergauf-Bergab

Mit Elektromotor durch die Berge radeln? Anhänger und Gegner führen erbitterte Diskussionen, Politiker und DAV ringen um eine Haltung für MTBs (mit und ohne Motor). In der Schweiz gibt es schon Beispiele für ein gutes Miteinander.