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Bildrechte: REUTERS/Ronen Zvulun

Bei einer Massenpanik während eines religiösen Festes sind in Nordisrael mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 150 wurden verletzt.

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Massenpanik in Israel: "Eine schreckliche Katastrophe"

Mindestens 45 Tote, viele Verletzte: das grausamen Ende einer religiösen Großveranstaltung in Israel wirft Fragen nach Ursachen und Verantwortlichen auf. Augenzeugenberichte ergeben ein immer deutlicheres Bild der Ereignisse.

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Von
  • Tim Aßmann
  • BR24 Redaktion

Zehntausende Menschen, aber nur ein Ausgang. Immer dichter wird das Gedränge - Panik bricht aus. Voller Verzweiflung wird an Wellblechwänden rechts und links einer abschüssigen Rampe gerissen. Für viele gibt es keine Fluchtmöglichkeit. Was ein fröhliches religiöses Fest sein sollte, ist nun, am Tag danach, eine der schlimmsten zivilen Katastrophen in der israelischen Geschichte.

Was Augenzeugen berichten

Bis zum Abend meldeten die Behörden 45 Tote. Darunter sind nach Medienberichten auch Kinder. Rund 150 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Auf einer schmalen Rampe mit rutschigem Metallboden am Eingangsbereich eines Konzertes entstand eine Panik, die schnell um sich griff, wie dieser Augenzeuge dem israelischen Fernsehsender KAN sagte:

"Wir sahen wie sich Leute zunächst übereinander schoben und es dann dazu kam, dass auf die unten Liegenden eingetrampelt wurde. Als ich das sah, beschloss ich zu fliehen. Später wurde dann evakuiert und versucht, Menschen wieder zu beleben." Augenzeugenbericht

Menschen wurden erdrückt und zum Teil zu Tode getrampelt. Dieser Mann überlebte und berichtete im Krankenhaus von der Panik: "Durch ein Wunder bin ich nahezu unverletzt davongekommen. Ich weiß nicht wieso. Es lagen so viele Menschen auf mir drauf. Und es kamen immer mehr dazu. Bis die Polizei entschied, die Absperrungen von den Seiten wegzunehmen und die Menschen zu retten. Es hat lange gedauert. In der Zwischenzeit lag ich da. Ich erinnere mich, dass ich auf jemandem lag – er atmete nicht."

Schockierende Szenen - auch für Sanitäter

Rettungskräfte schilderten Verletzungsbilder, wie sie sie von Terroranschlägen kennen. Ein befragter Rettungssanitäter rang während des Interviews um Fassung und sagte, sowas habe er in zehn Dienstjahren noch nicht erlebt: "Es wurden mehrere Verletzte gemeldet. Wir dachten an Schwächeanfälle und Patienten, die wir nur rausbringen müssten. Als wir eintrafen, war die Situation aber völlig anders. Wir hatten einen Massenanfall von Verletzten. Dutzende lagen am Boden. Leute liefen blutend durch die Gegend. Auch Kinder sind verletzt und Erwachsene. Es sind sehr harte Bilder."

Das Lag Baomer Fest im Norden Israels ist eine der größten religiösen Feiern weltweit. Einmal im Jahr kommen vor allem strengreligiöse Juden zum Berg Meron und erinnern an einen Rabbiner, der am Fuße des Berges begraben wurde. Feuer werden angezündet. Die Gläubigen springen und singen. So war es auch gestern Abend in einer Konzertarena des Wallfahrtsortes.

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Ausgelassen haben Tausende orthodoxe Juden auf dem Berg Meron im Norden Israels Lag Baomer gefeiert. Als im Gedränge Panik ausbrach, kam es zur Katastrophe: Mehr als 40 Menschen sterben, weit über hundert werden verletzt, zum Teil lebensbedrohlich.

10.000 durften kommen - 100.000 kamen

Wegen der Corona-Pandemie sollten nur 10.000 Menschen Zugang zum Veranstaltungsort haben. Es kamen nach unterschiedlichen Schätzungen aber wohl rund 100.000 Gläubige zum Berg Meron, wo 5000 Polizisten eingesetzt waren. Den Sicherheitskräften gelang es offenbar nicht die Besuchermassen in den Griff zu bekommen. Dieser Augenzeuge erhob in einem Interview schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

„Es gab überhaupt keine Kommunikation. Die Polizei stellte Absperrungen auf, ohne aber die Möglichkeit zu bieten, herauszugehen. Es gab nur diesen einen Eingang. Normalerweise gibt es auch mehrere Feuer. Dieses Mal erlaubte die Polizei aber nur ein Feuer. Also kam es dazu, dass beim Anzünden dieses Feuers so viele Menschen kamen und nur einen Eingang und keinen Ausgang hatten. Deswegen mussten die Menschen auf diese Weise sterben.“ Augenzeugenbericht

Die Ermittlungen zur genauen Unglücksursache beginnen erst. Der zuständige Polizeichef übernahm schon jetzt die Verantwortung für das Unglück. Israels Regierungschef Netanjahu sprach von einer "schrecklichen Katastrophe".

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Für Israels Premier ist das Unglück mit mindestens 45 Toten "eine der schlimmsten Katastrophen" in seinenm Land. Dabei wächst die Kritik, dass die Veranstaltung überhaupt zugelassen wurde, berichtet ARD-Korrespondentin Susanne Glas.

Kondolenzen aus aller Welt

US-Präsident Biden hat in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Namen des amerikanischen Volkes sein "tiefes Beileid" bekundet. Biden sprach dabei einer Mitteilung zufolge von einer "schrecklichen Tragödie".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprachen den Angehörigen der Todesopfer ihre Anteilnahme aus. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter, die Gedanken seien bei den Opfern und Angehörigen. Für die Europäische Union sprach der Außenbeauftragte Borell den Familien und Freunden der Opfer und dem israelischen Volk tiefstes Beileid aus. EU-Ratspräsident Charles Michel wünschte den Israelis "Stärke und Mut" angesichts des Unglücks.

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Interview: ARD-Korrespondent Benjamin Hammer zu den Vorgängen rund um das Baomer-Fest.