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Islamkonferenz: Deutsche Imame für deutsche Muslime | BR24

© onw-images / Marius Bulling

Dach einer Moschee in Deutschland

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    Islamkonferenz: Deutsche Imame für deutsche Muslime

    Unabhängiger werden von ausländischem Einfluss, Imame in Deutschland ausbilden – das ist das große Thema der Deutschen Islamkonferenz bei ihrem heutigen Treffen. Angesichts der jüngsten Terroranschläge von Islamisten ist die Stimmung angespannt.

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    Von
    • Sophie von der Tann

    Eines ist mittlerweile klar für die Bundesregierung: Der Islam gehört zu Deutschland. Das steht auch für den innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, außer Frage. Aber es müsse eben auch Imame geben, die sich mit Deutschland identifizieren, sich hier zu Hause fühlen, die deutsch sprechen, und die Werte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit teilen, sagt Middelberg.

    Islamkolleg starte Imam-Ausbildung im April

    Ein in Deutschland beheimateter Islam, der von in Deutschland ausgebildeten Imamen vermittelt wird, das steht im Fokus der Islamkonferenz. Im April startet der erste Lehrgang für Imame, Gemeindepädagogen und Seelsorger am Islamkolleg in Osnabrück – auch für Frauen und ausschließlich in deutscher Sprache. Gefördert wird das Programm von Bundesinnenministerium und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium.

    Unabhängig von staatlichem Einfluss und Islamverbänden

    Ähnlich wie in Priesterseminaren, Vikariaten oder Rabbinerseminaren sollen Theologen dort praktisch ausgebildet werden. Und zwar unabhängig von staatlichem Einfluss oder muslimischen Verbänden. Denn häufig kommen Imame aus dem Ausland, predigen auf der Sprache ihres Herkunftslandes und über Themen, die nicht in die hiesige Lebenswelt vor allem junger Muslime passen, erklärt Bülent Ucar, wissenschaftlicher Direktor des Islamkollegs. „Ein Imam, der sich auch mal selbst kritisieren kann, wird Jugendliche in Deutschland besser erreichen als ein stockkonservativer Imam, der einfach nur aus dem Buch lehrt, was er auswendig gelernt hat“, sagt Ucar.

    Deutsche Imame unterstützen Integration

    Eine Imam-Ausbildung in Deutschland könne auch dazu beitragen, dass die junge Generation anders an Religion und Glauben herangeht, denkt Esnaf Begic, Vorsitzender des Islamkollegs. Besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge von islamistischen Extremisten. Man sehe sich zwar nicht in aller erster Linie als Sicherheits- oder Integrationseinrichtung, aber Begic ist überzeugt, dass mehr Integration auch ein Begleiteffekt des Islamkollegs sein kann.

    Angesichts der Anschläge erwartet Filiz Polat, migrationspolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, eine gemeinsame Erklärung von den Teilnehmern der Islamkonferenz zusammen mit Innenminister Seehofer. Man müsse ein Zeichen gegen Terrorismus, Gewalt und für eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft setzen, so Polat.

    Dachverbände wie Ditib machen nicht mit

    Dass große Verbände wie Ditib ihre Imame nicht am Islamkolleg ausbilden wollen, sieht sie kritisch. Der Verband, der etwa die Hälfte der türkisch-stämmigen Muslime in Deutschland vertritt, untersteht der staatlichen türkischen Religionsbehörde. Wegen der Nähe zum türkischen Staat stand Ditib immer wieder in der Kritik. Seit diesem Jahr bildet der Verband auch in Deutschland Imame aus. Das Islamkolleg könnte dennoch eine Vorbildwirkung haben denkt Polat. Wenn die Zusammenarbeit zwischen Staat und Religion hier funktioniere – auf Augenhöhe, mit Vertrauen und Dialog – dann müsse Ditib sich bekennen. Ditib habe in Deutschland nur eine Zukunft, wenn man sich politisch unabhängig von der Türkei mache, sagt Polat.

    Ein Problem wird das Islamkolleg aber nicht selbst lösen können: Imame, die nicht aus dem Ausland bezahlt werden, verdienen vergleichsweise schlecht. Die Leiter des Islamkollegs appellieren deshalb an muslimische Gemeinden, sich besser finanziell aufzustellen. Aber auch der Staat müsse mehr Unterstützung bieten.

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