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Ischinger will Europäischen Sonderbeauftragten für Krisenherde | BR24

© Rolf Büllmann/BR

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, fordert angesichts der Krisen im Nahen und Mittleren Osten mehr Engagement der EU. Einen Tag vor Beginn des Treffens sprach er sich im BR-Interview für einen Sonderbeauftragten aus.

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Ischinger will Europäischen Sonderbeauftragten für Krisenherde

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, fordert angesichts der Krisen im Nahen und Mittleren Osten mehr Engagement der EU. Einen Tag vor Beginn des Treffens sprach er sich im BR-Interview für einen Sonderbeauftragten aus.

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Mehr als 500 internationale Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft werden von Freitag bis Sonntag zur 56. Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Deren Leiter Wolfgang Ischinger rief vor Beginn des Expertentreffens die Europäische Union dazu auf, mehr Verantwortung in den Krisenherden dieser Welt zu übernehmen. In Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 betonte er: So wie einzelne Nationen Sonderbeauftragte hätten, brauche auch die EU eine respektierte Persönlichkeit, "die der Welt und in der Region zeigen kann: Europa wird hier mitreden wollen, und zwar mit einer Stimme".

Ischinger: Europa muss sich einbringen

Ischinger stellt sich einen von allen Seiten anerkannten früheren Staats- und Regierungschef für diese Aufgabe vor. Ein solcher Sonderbeauftragte müsse jeden Tag "von Saudi-Arabien nach Iran, in die Türkei, nach Libyen, nach Syrien reisen". Das könne weder EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) noch der neue EU-Außenbeauftragte Josep Borrell leisten, "weil der so viele andere Themen hat", betonte der Leiter der Sicherheitskonferenz.

In Anbetracht von weltweit 70 Millionen Flüchtlingen müsse sich Europa stärker einbringen, sagte Ischinger. "Wir können doch nicht Jahr für Jahr sagen: Wir sind die Guten, wir sind diejenigen, die an Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte glauben, während auf Lesbos die Leute im Dreck verrecken", betonte der SiKo-Chef und fügte hinzu: "Es geht auch um die moralische Glaubwürdigkeit Europas."

40 Staats- und Regierungschefs

Rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 100 Minister werden in diesem Jahr bei der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet, die am Freitag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet wird. Das mittlerweile wichtigste Expertentreffen zur Sicherheitspolitik weltweit findet bereits zum 56. Mal statt. Ein zentrales Thema soll der Zerfall des Westens sein.