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Ischgl und die Folgen: Erste Muster-Klagen zeichnen sich ab | BR24

© pa / dpa

Überdimensionale Skibrille in Ischgl

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    Ischgl und die Folgen: Erste Muster-Klagen zeichnen sich ab

    Vor österreichischen Gerichten könnten bald die ersten Muster-Prozesse zur Rolle des Touristenorts Ischgl bei der Verbreitung des Coronavirus stattfinden. Auch Deutsche haben Klagen auf Schadenersatz und Anerkennung von Folgeschäden eingereicht.

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    Er werde Ende September erste Klagen beim Landgericht Wien einbringen, kündigte der österreichische Jurist und Verbraucherschützer Peter Kolba an. Darunter seien auch Fälle von Deutschen, die entweder durch die Erkrankung gestorben seien oder wie im Fall eines Mannes aus dem Rheinland nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation mit Folgeschäden zu kämpfen hätten. "In einzelnen Fällen geht es um 100.000 Euro", sagte Kolba der Deutschen Presse-Agentur.

    Sammelklage von Tirol-Urlaubern in Vorbereitung

    Mehr als 6.000 Tirol-Urlauber haben sich inzwischen nach Kolbas Angaben als Geschädigte gemeldet. Rund 1.000 von ihnen haben sich demnach bereits entschieden, sich als Privatbeteiligte einer von Kolba initiierten Strafanzeige anzuschließen, in der er den Behörden vorwirft, zu langsam Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus ergriffen zu haben und so zur Verbreitung des Virus in 45 Staaten der Welt beigetragen zu haben.

    "Wir unterstellen, dass das aus kommerziellen Überlegungen so war", sagte der Jurist und ehemalige Nationalrats-Abgeordnete dazu in einem Interview. Auf die ersten Corona-Fälle habe man zu zögerlich reagiert und etwa behauptet, die Touristen hätten sich auf der Anreise infiziert. Da in Tirol "ein besonderer Filz" herrsche, will Kolba das Verfahren in Wien führen lassen.

    Als Indiz dafür, dass es für eine Ansteckung ausreichte, sich mit Geschäftspartnern in Ischgl auf ein Essen zu treffen, wertet Kolba den Fall eines in München lebenden Italieners, der den Ort am 12. März nur für eine berufliche Stipp-Visite besucht hatte. Erst am 13. März wurde das Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür unter Quarantäne gestellt. Auch die teils chaotischen Umstände der Abreise der Touristen würden Teil des Verfahrens, so Kolba.

    Ischgl verzichtet auf Après-Ski

    Unterdessen trifft Ischgl Maßnahmen gegen eine abermalige Virus-Verbreitung in der Wintersaison. So sollen alle Tourismus-Mitarbeiter mit einem negativen Corona-Test anreisen oder vor Ort getestet werden. Während der Saison würden den Mitarbeitern dann laufend Testmöglichkeiten angeboten.

    Auch den Gästen wird empfohlen, bereits beim Check-In in den Hotels ein negatives Testergebnis vorzuweisen. Ansonsten könnten sie sich vor Ort testen lassen. Darüber hinaus soll das Abwasser auf der Suche nach dem Virus analysiert werden.

    Die Seilbahnkabinen sollen laufend mittels Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert werden. Dieselbe Methode wird auch in den Skibussen sowie in Sportshops, Skidepots, WC-Anlagen, Aufzugskabinen und den Ersten-Hilfe-Stationen täglich angewendet. Après-Ski soll es in der bisherigen Form nicht mehr geben.

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