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IS-Kämpfer im Niemandsland gestrandet | BR24

© BR/Karin Senz

Die Türkei schiebt IS-Kämpfer ab - aber das klappt nicht immer: Einer von ihnen ist im Grenzgebiet zu Griechenland gestrandet. Das Problem: Weder Ankara noch Athen wollen ihn aufnehmen.

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IS-Kämpfer im Niemandsland gestrandet

Die Türkei schiebt IS-Kämpfer ab - aber das klappt nicht immer: Einer von ihnen ist im Grenzgebiet zu Griechenland gestrandet. Das Problem: Weder Ankara noch Athen wollen ihn aufnehmen.

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Ankara ist dabei, eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" abzuschieben. In mindestens einem Fall läuft das aber nicht ganz rund. Und die türkischen Medien sind praktisch live dabei. Die Polizei soll den Mann gestern Vormittag zum türkisch-griechischen Grenzübergang bei Edirne im Nordwesten gebracht haben. Griechenland wollte ihn aber nicht ins Land lassen, die Türkei ihn nicht mehr zurücknehmen. Jetzt sitzt er fest.

In den türkischen Fernsehnachrichten ist es die Top-Meldung. Ein Reporter berichtet direkt vom Grenzzaun. Dann sieht man einen Mann mit dunklen, kurzen Haaren und in dunkler Kleidung hinter dem hohen Zaun. Er winkt dem Reporter, ruft ihm auf Türkisch zu: "Komm! Komm!"

Angeblich US-Amerikaner mit arabischen Wurzeln

Wer ihm etwas zu Essen bringt - die türkischen Grenzsoldaten oder die griechischen oder gar niemand - und ob ihm eine von beiden Seiten letzte Nacht ein Bett zur Verfügung gestellt hat? Darüber wird nichts berichtet.

Angeblich handelt es sich um einen US-Amerikaner mit arabischen Wurzeln. Offiziell bestätigt das Innenministerium in Ankara allerdings nur, dass gestern drei Terrorkämpfer ausgewiesen werden sollten, darunter einer mit US-Staatsangehörigkeit.

Laut griechischer Polizei hatten türkische Kollegen den Mann bei Edirne über die Grenze gebracht und erklärt, seine Aufenthaltsgenehmigung sei abgelaufen. Er müsse die Türkei jetzt verlassen. Auf griechischer Seite habe gegen ihn nichts vorgelegen, hieß es von dort. Allerdings habe sich der Mann geweigert einzureisen. Die türkische Polizei habe ihn dann wieder mitgenommen.

Kurz darauf sei er aber wieder auf der griechischen Seite aufgetaucht - diesmal angeblich einreisewillig. Jetzt wollten ihn aber die griechischen Grenzbehörden nicht mehr. Er habe einen Stempel in seinen Pass bekommen, dass er nicht ins Land darf, hieß es. Danach sei er wieder Richtung Türkei gelaufen. Nur: auch da wollte man ihn nicht mehr.

Aus den USA gibt es bis jetzt nur eine sehr knappe Stellungnahme. Man kenne Berichte über einen US-Bürger, den türkische Behörden festhalten würden, hieß es.

Erdogan zeigt sich nicht zuständig

Der kuriose Fall hat es inzwischen bis zu Präsident Recep Tayyip Erdogan geschafft. Der sagte kurz vor seinem Abflug in die USA dazu: "Ob der jetzt an der Grenze festhängt oder nicht, das geht uns nichts an. Wir werden sie weiter ausweisen, ob sie sie aufnehmen oder nicht, das interessiert uns nicht!"

Den Europäern macht Erdogan mächtig Druck, damit die ihre IS-Anhänger zurücknehmen. Warum er den gestrandeten mutmaßlichen Kämpfer nicht direkt in die USA geschickt hat, bleibt offen. Und es sieht auch nicht so aus, als würde er ihn zu seinem Besuch in Washington mitbringen. Denn der Mann spaziert nach letzten Meldungen immer noch im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland hin und her.