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Iraner bleiben Wahl fern: "So ein Jahr gab es noch nie" | BR24

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Die iranische Führung braucht eine hohe Wahlbeteiligung, weil sie der Welt zeigen möchte, dass sie das Volk hinter sich hat. Doch viele Iraner blieben der Parlamentswahl fern.

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Iraner bleiben Wahl fern: "So ein Jahr gab es noch nie"

Die iranische Führung braucht eine hohe Wahlbeteiligung, weil sie der Welt zeigen möchte, dass sie das Volk hinter sich hat. Doch viele Iraner blieben der Parlamentswahl fern.

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Forouzan kommt praktisch auf den letzten Drücker ins Wahllokal in Teheran - zumindest dachte die 25-Jährige, dass die Öffnungszeiten nur bis 20 Uhr verlängert wurden. "Was soll ich sagen? Ich war beschäftigt und hab' es jetzt gerade noch so geschafft", erzählt sie atemlos.

Auch Gholmareza schafft es noch rechtzeitig zur Moschee im Zentrum von Teheran, in der das Wahllokal untergebracht ist: "Ich war noch beschäftigt. Darum musste ich bis zum letzten Moment warten. Als ich erfahren habe, dass hier länger auf ist, bin ich ganz schnell gekommen." Beide hätten tatsächlich auch noch Stunden später kommen können. Die Öffnungszeiten wurden gleich ein paar Mal verlängert.

Gholmareza ist groß und trägt einen Geschäftsanzug. Als er sich umschaut, ist er überrascht: "So ein Jahr gab es noch nie, dass so wenige wählen gegangen sind. Vielleicht irre ich mich ja, aber normalerweise waren da wirklich richtig viele Leute, und es gab lange Schlangen. Aber wenn ich das hier sehe, ärgere ich mich schon."

Viele Iraner sind enttäuscht

Viele Iraner trauen weder den Kandidaten aus dem Lager der Reformer noch denen aus dem Lager der Konservativen zu, das Land aus der wirtschaftlichen Krise zu führen. Hinzu kommt, dass der mächtige Wächterrat Tausende vor allem gemäßigte Kandidaten nicht zugelassen hat. Gründe, warum manch einer entschieden hat, zuhause zu bleiben.

Die Wahlbeteiligung spielt eine große Rolle bei diesen Parlamentswahlen. Der Wächterrat gab an, mit einer Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent zu rechnen. Forouzan kann nicht verstehen, warum manche Leute ihr Recht zu wählen nicht wahrnehmen: "Das ist unsere Pflicht, weil wir unser Land unterstützen müssen, vor allem jetzt, wo unsere Feinde genau auf uns schauen und warten, dass wir enttäuscht werden."

Führung braucht hohe Wahlbeteiligung

Die US-Regierung hatte die Wahlen ein politisches Theater genannt. Für die iranische Führung wäre eine hohe Wahlbeteiligung ein Beweis, dass sie das Volk hinter sich hat. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass sie niedrig ausfällt.

Forouzan, die junge selbstbewusste Frau trägt einen Tschador, das schwarze Kopftuch eng um das Gesicht gebunden. Sie sieht durchaus Teherans Politik kritisch und fordert mit Blick auf die nächste Legislaturperiode von den neu gewählten Parlamentsabgeordneten: "Gerade jetzt in den schwierigen Zeiten in unserem Land müssen sie sich auf die Innenpolitik konzentrieren, um da weiter zu kommen."

Kriege in Syrien und Jemen kosten viel Geld

Der Iran engagiert sich in der Region beispielsweise in den Kriegen in Syrien und Jemen. Das kostet Geld, das viele lieber im Inland investiert sehen wollen. Auch Gholamreza, der Geschäftsmann, will die künftigen Parlamentarier in die Verantwortung nehmen: "Ich erwarte von ihnen, dass sie die Versprechen halten, die sie jetzt gemacht haben. Sie sollten die Leute in den nächsten vier Jahren nicht vergessen. Sie müssen sie und ihre wirtschaftlichen Probleme verstehen und ihnen beistehen."

Er und Forouzan waren bei weitem nicht die letzten, die ihre Stimme am Wahlabend abgaben. Die letzten Wahllokale im Iran schlossen um Mitternacht.

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