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Iran gibt Abschuss des ukrainischen Flugzeugs zu

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Iran gibt Abschuss des ukrainischen Flugzeugs zu

Jetzt also doch: Nach mehreren entschiedenen Dementis hat der Iran eingeräumt, dass sein Militär für den Absturz der ukrainischen Passagiermaschine Mitte der Woche mit 176 Toten verantwortlich ist. Die Ukraine pocht jetzt auf Entschädigung.

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Der Druck aus dem Ausland ist wohl zu groß geworden: Jetzt hat die iranische Führung zugegeben, dass die bei Teheran abgestürzte Boeing 737 abgeschossen wurde - allerdings unabsichtlich, es handele sich um einen menschlichen Fehler. Präsident Hassan Ruhani schrieb auf Twitter: "Die Islamische Republik des Iran bedauert diesen katastrophalen Fehler zutiefst."

Auch der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif entschuldigte sich für den folgenschweren Vorfall Mitte der Woche.

"Abenteurertum der USA"

Allerdings gab Sarif den USA eine Mitschuld für den Absturz, bei dem alle 176 Insassen ums Leben gekommen waren, unter ihnen 57 Kanadier. Der Fehler sei in einer Krise passiert, die durch das "Abenteurertum der USA" verursacht worden sei, so Sarif. Deshalb sei es zum "Desaster" gekommen.

In einer Mitteilung des iranischen Militärs heißt es, nach der gezielten Tötung von General Ghassem Soleimani durch die USA und nach den eigenen Vergeltungsangriffen habe man "in höchster Bereitschaft" gestanden. Die Passagiermaschine sei versehentlich für ein "feindliches Ziel" gehalten worden, weil es Kurs in Richtung eines iranischen Militärstützpunktes genommen habe.

Kiew verlangt Entschädigung

Die Ukraine hat bereits auf das iranische Schuldeingeständnis reagiert. Präsident Wolodymyr Selenskyi schrieb auf Facebook: "Der Morgen heute war nicht gut, aber zumindest brachte er die Wahrheit ans Licht." Selenskyi betonte, der Iran müsse die Schuldigen zur Verantwortung ziehen und den Hinterbliebenen der Opfer Entschädigung zahlen. Außerdem müssten die Körper der Toten in ihre Heimatländer überstellt werden, so der ukrainische Präsident.

"Psychologische Kriegsführung"

Die Passagiermaschine der ukrainischen Fluggesellschaft UIA war am Mittwochmorgen in der Nähe von Teheran abgestürzt, nur wenige Minuten nach dem Start. Kurz davor hatte der Iran mehrere Raketenangriffe geflogen - auf zwei von den US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak.

Die USA, Kanada und Großbritannien hatten schnell die Vermutung geäußert, der Absturz gehe nicht auf einen technischen Defekt zurück, sondern auf Raketen des iranischen Militärs. Sie beriefen sich dabei auch auf Informationen verschiedener Geheimdienste. Der Iran hatte diese Darstellung bis zuletzt zurückgewiesen und von psychologischer Kriegsführung gesprochen.

Seit Freitag: Auswertung der Flugschreiber

Auf internationalen Druck hin hatte die iranische Führung mehrere ausländische Expertenteams nach Teheran eingeladen, auch eins von Boeing, um die beschädigten Flugschreiber der Maschine auszuwerten. Die Ermittlungen hatten am Freitag begonnen. Mehrere Fluggesellschaften haben ihre Flüge nach Teheran vorübergehend eingestellt, unter anderen die Lufthansa und die Austrain Airlines.

USA hatten weiteren Kommandeur im Visier

Aus Washington heißt es derweil, außer Soleimani habe man noch einen anderen iranischen Kommandeur gezielt töten wollen, und zwar im Jemen. Die Aktion sei aber fehlgeschlagen. Es geht um den Iraner Abdul Reza Shahlai, der Soleimani unterstellt war.

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