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Iran feuert Raketen auf US-Truppen im Irak | BR24

© dpa-Bildfunk

Archiv: US-Soldaten sind auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad im Irak

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Iran feuert Raketen auf US-Truppen im Irak

Der Iran hat zwei irakische Militärstützpunkte mit Raketen angegriffen. In beiden sind US-Truppen untergebracht. Das Pentagon bestätigte die Angriffe, die laut dem Iran Vergeltung sind. Berichte über Opfer gibt es bislang nicht.

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Die iranischen Revolutionsgarden haben sich zu dem Raketenangriff auf einen Luftwaffenstützpunkt im Irak bekannt, auf dem auch US-Soldaten stationiert sind. Sie hätten den Stützpunkt als Vergeltung für die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch das US-Militär mit Raketen beschossen, hieß es in einer Erklärung im iranischen Staatsfernsehen. Sie forderten die USA auf, ihre Truppen aus der Region abzuziehen.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte, US-Präsident Trump sei über den Angriff informiert worden und berate mit seinem Nationalen Sicherheitsstab. Auch Außenminister Pompeo und Verteidigungsminister Esper waren zwischenzeitlich im Weißen Haus zu Beratungen. Eine Rede an die Nation, die laut US-Medienberichten kurzzeitig geplant wurde, wird es jedoch nicht geben. Stattdessen werde er am Mittwochmorgen (Ortszeit) ein Statement abgeben, schrieb Trump auf Twitter.

Trump: "Alles ist gut!"

"Alles ist gut!", schrieb er und erklärte, Raketen seien vom Iran aus auf zwei Militärstützpunkte im Irak abgefeuert worden. Derzeit würden mögliche Opfer und Schäden bewertet. "So weit so gut!", fügte Trump hinzu. "Wir haben das stärkste und am besten ausgestattete Militär überall auf der Welt, bei weitem!"

Pentagon bestätigt Angriff

Das Pentagon in Washington bestätigte den Angriff auf die Stützpunkte und teilte mit, die Raketen seien "eindeutig" aus dem Iran abgefeuert worden. Es seien "mehr als ein Dutzend" Raketen in zwei von den USA genutzten Stützpunkten eingeschlagen, in der sich US-Truppen befunden hätten, so das Pentagon. Auch eine Militärbasis in Erbil sei von Iran mit Raketen angegriffen worden. Die USA würden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre Soldaten, Partner und Verbündeten in der Region zu schützen und zu verteidigen.

Ein Regierungsvertreter erklärte, die Angriffe seien glimpflich ausgegangen. Es habe, wenn überhaupt, nur sehr wenige Opfer gegeben. Allerdings würden die Stützpunkte noch nach möglichen Toten oder Verletzten durchsucht. Laut der Gewährsperson feuerte der Iran insgesamt 15 Raketen ab. Zehn hätten den Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad in der Provinz Anbar im Westen des Landes getroffen. Eine Rakete sei in einer Basis in Erbil in der halbautonomen kurdischen Region im Norden Iraks eingeschlagen. Vier Geschosse hätten ihre Ziele verfehlt.

Iran: Angriff ein "voller Erfolg"

Der Angriff auf die "von den Amerikanern besetzte" Basis sei "in jeder Hinsicht ein voller Erfolg', teilten die Revolutionsgarden in der Nacht mit. Die Raketenangriffe auf Ziele im Irak seien nur der erste Schritt gewesen, sagte ein Kommandeur der Revolutionsgarden im iranischen Fernsehen. Der Iran werde die Amerikaner nicht verschonen.

Auch die iranische Regierung hat die Raketenangriffe als "verhältnismäßigen" und rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung" bezeichnet. "Wir streben nicht nach einer Eskalation oder Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen", schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in der ersten offiziellen Regierungsstellungnahme nach den Angriffen auf Twitter.

Stützpunkte waren in Alarmbereitschaft

"Diese Stützpunkte sind wegen Hinweisen auf geplante Angriffe des iranischen Regimes auf unsere Truppen und Interessen in der Region in hoher Alarmbereitschaft gewesen", hieß es aus Washington. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag vor den Angriffen gesagt: "Falls der Iran irgendetwas macht, was er nicht tun sollte, werden sie die Konsequenzen erleben. Und das sehr stark."

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat den Iran zur Einstellung aller Gewalt aufgefordert. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wiederum solle ihre "unnötigen Provokationen" beenden, forderte die Frontfrau der Demokraten. "Amerika und die Welt können sich keinen Krieg leisten", schrieb sie auf Twitter.

Der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham hat den Angriff des Irans aufs Schärfste verurteilt. "Das war ein kriegerischer Akt", sagte Graham dem TV-Sender Fox News. US-Präsident Donald Trump habe alle Befugnisse, darauf zu antworten, sagte der Trump-Verbündete. Er habe volles Vertrauen in den Präsidenten und dessen Regierung.

Rund 5.000 US-Soldaten im Irak

Im Irak sind rund 5000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anführen. Die US-Stützpunkte im Irak sind zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen von örtlichen schiitischen Milizen, die vom Iran unterstützt werden, angegriffen worden. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte als Reaktion auf die Angriffe für US-Fluggesellschaften vorübergehend den Luftraum über dem Irak, dem Iran, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Bundeswehr-Soldaten wohlauf

Die Luftwaffenbasis Ain Assad befindet sich in der westirakischen Provinz Anbar. Sie wurde erstmals von den US-Streitkräften nach der Invasion 2003 genutzt, bei der damals der Diktator Saddam Hussein gestürzt wurde. Später wurden dort US-Truppen für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat stationiert.

Die im nordirakischen Erbil stationierten Soldaten der Bundeswehr sind nach den iranischen Raketenangriffen wohlbehalten. "Wir stehen in Kontakt mit den Soldaten. Den Soldaten geht es gut", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos.

In dem nordirakischen Kurdengebiet sind noch mehr als 100 deutsche Soldaten im Einsatz. Sie haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Die Bundeswehr ist im Irak als Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Insgesamt sind etwa 400 Soldaten im Einsatz, die meisten davon auf der jordanischen Luftwaffenbasis Al-Asrak. Von dort wird auch das deutsche Kontingent geführt.

Die Ausbildung von irakischen Sicherheitskräften wurde nach der Tötung des iranischen Generals ausgesetzt. Von Jordanien aus ist die Luftwaffe auch mit Tornado-Aufklärern und Tankflugzeugen am Einsatz gegen die Terrormiliz IS beteiligt - darunter mit Flügen über Syrien und dem Irak. Dies war in den vergangenen Tagen fortgesetzt worden.

Iran warnt den "großen Satan" USA vor Gegenangriffen

Die iranischen Revolutionsgarden haben derweil den "großen Satan" USA vor Gegenangriffen gewarnt. Jede US-Reaktion werde mit einer härteren Reaktion erwidert, schrieben die iranischen Revolutionsgarden in einer Presseerklärung. Außerdem sollten die Verbündeten der USA wissen, dass auch ihre den Amerikanern zur Verfügung gestellten Stützpunkte Ziel iranischer Angriffe werden könnten, falls von dort aus Angriffe auf den Iran erfolgen sollten, hieß es in der Erklärung weiter. Die USA sollten ihre Truppen abziehen, damit deren Leben nicht gefährdet würden.

EU-Botschafter im Irak warnt vor Stellvertreterkrieg

Der EU-Botschafter im Irak hat nach den iranischen Raketenangriffen vor einem Stellvertreterkrieg gewarnt. "Der Irak verdient es nicht, Opfer eines Stellvertreterkrieges zu werden!", twitterte der Deutsche Martin Huth. Mit den Angriffen verletze der Iran die Souveränität des Irak. Zuvor habe der Irak bereits einen Bruch seiner Souveränität beklagt, als die USA den iranischen Top-General Ghassem Soleimani bei einem Luftangriff in Bagdad töteten.

Am heutigen Mittwoch sollten die EU-Kommissare zu einer Sondersitzung wegen der eskalierenden Krise im Irak und im Iran zusammenkommen. Am Freitag ist zudem ein Krisentreffen der EU-Außenminister geplant. Zuvor hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell in dem Konflikt vor einer "Spirale der Gewalt" gewarnt und zur Zurückhaltung aufgerufen.

© BR

Fünf Tage nach dem tödlichen US-Drohnenangriff am Bagdader Flughafen ist der iranische General Soleimani in seiner Heimatstadt Kerman beigesetzt worden.