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Entsetzen in Frankreich: Die Juristin Camille Kouchner macht in einem Buch sexuelle Übergriffe in ihrer berühmten Familie öffentlich. Zig-tausend Menschen berichten daraufhin unter dem Hashtag #metooinceste ihre Geschichten von Missbrauch und Inzest.

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Inzest-Schock in Frankreich: Sexuelle Gewalt in eigener Familie

Entsetzen in Frankreich: Die Juristin Camille Kouchner macht in einem Buch sexuelle Übergriffe in ihrer berühmten Familie öffentlich. Zig-tausend Menschen berichten daraufhin unter dem Hashtag #metooinceste ihre Geschichten von Missbrauch und Inzest.

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Von
  • Weltspiegel Digital
  • Veronika Beer

Nach Enthüllungen der Juristin Camille Kouchner über mutmaßlichen sexuellen Missbrauch, ist in Frankreich eine Debatte über sexualisierte Gewalt in Familien entbrannt. Zahlreiche Menschen teilen unter dem Hashtag #metooinceste ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen innerhalb der Familie.

Hintergrund: MeToo und #metooinceste

Der Hashtag #metooinceste ist angelehnt an das Schlagwort MeToo. Es steht seit einigen Jahren stellvertretend für den Kampf gegen Alltagssexismus, Missbrauch und Nötigung in der ganzen Welt.

Erschütternde Zeugnisse von sexuellem Missbrauch

"Ich war 13, er war 26. Er war mein Onkel. Offizier in der Marine", schrieb eine Nutzerin bei Twitter. "Er war mein Großvater, ich war 11, 12, 13 Jahre alt und hatte keine Ahnung, was das Wort 'Zustimmung' bedeutet", schrieb eine andere. Viele erschütternde Zeugnisse wie diese finden sich unter dem Hashtag #metooinceste. "Dies ist die größte Welle von Zeugenaussagen über sexuellen Kindesmissbrauch in unserem Land", schrieb das Bündnis 'Nous Toutes'.

Bekannte Pariser Intellektuellen-Familie Kouchner-Duhamel

Auslöser für den Skandal war das Buch "La familia grande", übersetzt "Die große Familie", von Camille Kouchner. Darin thematisiert sie den mutmaßlichen Missbrauch in ihrer bekannten Pariser Intellektuellen-Familie.

Die Autorin wirft ihrem Stiefvater Olivier Duhamel vor, vor mehr als drei Jahrzehnten gegenüber ihrem damals minderjährigen Zwillingsbruder sexuell übergriffig geworden zu sein. Der bekannte Politologe und Jurist Duhamel war zwar nicht direkt auf die Vorwürfe eingegangen, hatte aber nach deren Bekanntwerden seine Funktionen niedergelegt.

Die Familie Kouchner-Duhamel ist der Inbegriff der intellektuellen Pariser Elite. Bernard Kouchner, bekannt als Gründer von "Ärzte ohne Grenzen" ("Medecins sans Frontières"), war Minister und gern zitierter politischer Experte. Seine erste Frau Evelyne Pisier arbeitete als Politikprofessorin. Deren zweiter Mann Olivier Duhamel war ein bekannter Verfassungsexperte und Regierungsberater. Aus den Verbindungen gingen sechs Kinder hervor - eines davon ist die Buchautorin Camille Kouchner. Aus einem großen Kreis von Verwandten und Freunden bildete sich ein erfolgreicher Clan mit besten Beziehungen und großer akademischer Klasse.

Inzest als Tabuthema – Opfer fühlen sich ein Leben lang schuldig

"Inzest ist immer noch ein Tabu. Es verursacht Peinlichkeit, Unbehagen und Scham", sagte die 28-Jährige Chloé dem Sender Franceinfo. Sie ist im Alter von sechs bis acht Jahren von ihrem Großvater missbraucht worden. "Wir fühlen uns schuldig. Selbst im Nachhinein, wenn man von der Justiz als Opfer anerkannt worden ist, ist es sehr schwierig, diese Schuld loszuwerden", berichtete die junge Frau über ihren Fall.

Frankreich verlängert Verjährungsfristen für sexuelle Gewalt

Familien-Staatssekretär Adrien Taquet versicherte, dass das Thema von der Regierung ernst genommen werde. Im Jahr 2018 waren die Verjährungsfristen für sexuelle Gewalt an Minderjährigen in Frankreich verlängert wollen. Opfer haben seitdem 30 statt 20 Jahre nach ihrer Volljährigkeit Zeit, um die Tat anzuzeigen.

Deutschland: Ein bis zwei Schüler pro Klasse betroffen

Die Fallzahlen von sexueller Gewalt gegen Kinder gehen auch in Deutschland seit Jahren nicht zurück. Bei Kinderpornografie steigen sie extrem.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht für Deutschland von einer Million betroffener Kinder und Jugendlicher aus – das sind im Durchschnitt ein bis zwei Schülerinnen und Schüler pro Schulklasse.

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