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Investor KKR will wieder auf den deutschen Medienmarkt | BR24

© BR / Wolfram Schrag

US-Finanzinvestor KKR will die Tele München Gruppe übernehmen.

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Investor KKR will wieder auf den deutschen Medienmarkt

Der US-Finanzinvestor KKR ist in der deutschen Medienbranche kein Unbekannter. Jetzt wollen sie die Tele München Gruppe übernehmen, zu der auch der Fernsehsender Tele5 gehört. Außerdem besteht Interesse an Universum Film von RTL.

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Ein Aufschrei ging 2006 durch Deutschland, als ProSiebenSat.1 von den Finanzinvestoren Permira und KKR (Kohlberg Kravis Roberts) übernommen wurde. Der deutsche Fernsehmarkt werde den Heuschrecken zum Fraß vorgeworfen, so der Vorwurf.

"Heuschrecke" bei ProSiebenSat.1

Den Begriff der Heuschrecken hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering geprägt und damit das kurzfristige Renditedenken angeprangert. ProSiebenSat.1 war nach der Pleite des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch vom US-Investor Haim Saban übernommen worden. Diese wollte die Sendergruppe an den Axel Springer Konzern weiterverkaufen, scheiterte aber am Bundeskartellamt.

So blieben nur Permira und KKR, die das Potential des Münchner Medienunternehmens sahen. Das Geschäftsmodell der Investoren ist nämlich eigentlich ganz einfach: Sie kaufen interessante Firmen auf, sanieren sie, verkaufen sie mit Gewinn oder bringen sie an die Börse. Was dann allerdings folgte, war ein Einkauf auf Pump, der ProSiebenSat.1 kurzzeitig zu einem der größten Fernsehkonzerne Europas machte.

Mit Krediten finanzierten die Investoren den Kauf der skandinavischen Senderkette SBS. 19 freie, 20 Pay-TV Sender sowie zahlreiche Radiostationen befanden sich plötzlich unter dem Dach des Unternehmens aus Unterföhring. Drei Milliarden Euro Umsatz standen 3,5 Milliarden Euro Schulden gegenüber - und nicht jeder glaubte an die Zukunft von ProSiebenSat.1. Doch das waghalsige Unterfangen gelang. Die Werbeeinahmen legten zu, eigene Produktionen hatten Zuspruch beim Publikum, der Aktienkurs stieg. Ab 2011 ging es dann an den sogenannten Exit. Zunächst wurde SBS verkauft und 2014 zogen sich die Investoren aus dem deutschen Unternehmen zurück. Zuvor hatten sie sich noch eine kräftige Dividende mitgegeben.

Konkurrenzprodukt zu Netflix und Amazon Prime

Und nun ist der deutsche Ableger von KKR wieder zurück - und hat viel vor. Die Übernahme der Tele München Gruppe von Herbert Kloiber ist der Ausgangspunkt für eine unabhängige deutsche Inhalteplattform, wie KKR mitteilte. Das soll wohl heißen: Man will ein Konkurrenzprodukt zu Netflix und Amazon Prime aufbauen. Insofern ist es zwar überraschend, dass KKR schon eine Woche später ankündigte, auch noch Universum Film von der RTL-Gruppe zu übernehmen. Aber das Unternehmen ist auch ein Streaming-Anbieter und besitzt die Rechte an rund 3.700 Filmtiteln. Das sei ein weiterer Baustein für die große Plattform, so KKR.

Alter Bekannter: Fred Kogel

Der neue starke Mann, von KKR eingesetzt, ist im Münchner Mediengeschäft ein alter Bekannter: Fred Kogel hat schon alle Höhen, aber auch Tiefen in der Medienbranche erlebt. Nach Stationen bei ZDF, Sat.1 und Kirch Media war er zuletzt Vorstandschef bei Constantin Film. Dort wurde er Teil eines verbissenen Machtkampfes, der Kogel schließlich das Amt kostete.

In seiner neuen Funktion dürfte Kogel zunächst dafür sorgen, dass die Plattform einen Namen bekommt. Und er wird sich des Schicksals seines ehemaligen Arbeitgebers Leo Kirch erinnern. Der kaufte zu viele Unternehmen und scheiterte am Ende.

Aber die Investoren von KKR werden schon dafür sorgen, dass dies nicht passiert. Sie planen heute schon den richtigen Moment für einen Exit.