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Internationaler Hurentag: Verbände fordern Corona-Lockerungen | BR24

© picture alliance/dpa

Internationaler Hurentag: Verbände fordern Lockerungen

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    Internationaler Hurentag: Verbände fordern Corona-Lockerungen

    Viele Sexarbeiter/innen sind wegen der Coronakrise in existenzielle Not geraten. Wegen der Pandemie können sie ihre Dienstleistungen derzeit nicht anbieten. Jetzt fordern Verbände Hilfen für die Branche.

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    Wegen des Coronavirus dürfen Sexarbeiter/innen seit Mitte März nicht mehr arbeiten. Jetzt fordern Verbände Lockerungen für Prostitutionsstätten sowie einen unbürokratischen Soforthilfefonds zur Absicherung des Lebensunterhalts. Die Deutsche Aidshilfe hat anlässlich des "Internationalen Hurentags", einen Appell an politisch Verantwortliche in Bund, Ländern und Kommunen veröffentlicht. Diesen Appell haben zahlreiche Verbände und Beratungsstellen unterzeichnet.

    "Die Epidemie trifft die am härtesten, die ohnehin schon benachteiligt waren. Menschen, die sich vor Corona in prekären und bedrohlichen Situationen befunden haben, erleben diese nun verschärft. Bedroht ist dabei nicht zuletzt die Gesundheit der Betroffenen. In der Not ist Solidarität gefragt - unabhängig von moralischen Bewertungen", sagt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

    Verbände fordern Aufhebung des Arbeitsverbots

    Bereits in in der vergangenen Woche hatte der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen e.V. in einem öffentlichen Brief an 16 Bundestagsabgeordnete gefordert, das Prostitutionsverbot im Zuge der Corona-Pandemie aufzuheben. Der Verband der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter habe der Politik ein entsprechendes Hygienekonzept vorgelegt. Sexarbeit dürfe nicht anders behandelt werden als vergleichbare körpernahe Dienstleistungen.

    Der Zugang zu Soforthilfeprogrammen oder Sozialleistungen ist für viele Sexarbeiter/innen erschwert oder verstellt. Das kann steuer-, melde- oder aufenthaltsrechtliche Gründe haben. Selbst wenn ein Rechtsanspruch besteht, führt dies aufgrund von Diskriminierung in Behörden nicht immer zur Bewilligung. Viele Betroffene haben auch keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung.

    Abrutschen in die Illegalität

    Sexarbeiter/innen, die keine finanzielle Unterstützung erhalten, müssen Möglichkeiten suchen, um ihr Überleben zu sichern. Einige von ihnen sehen keine andere Möglichkeit, als die Prostitution weiterhin auszuüben. Sie riskieren damit Strafverfolgung und Bußgeldzahlungen, die sie weiter in finanzielle Not bringen. Außerdem entstehen durch Mittellosigkeit teilweise neue Abhängigkeitsverhältnisse.

    Bundestagsabgeordnete wollen Sexarbeit grundsätzlich verbieten

    Dem vorausgegangen war die Forderung mehrerer Bundestagsabgeordneter, Bordelle und andere Orte für Sexarbeit auch nach der Krise nicht wieder zu öffnen. Die Krise habe gezeigt, dass Frauen in der Prostitution wie Ware behandelt werden, sagten die Abgeordneten in einem Brief an die Regierungschefs der Länder. Sexarbeiterverbände übten lautstarke Kritik an dem Vorstoß und drängten auf eine zeitnahe Öffnung. In Deutschland ist Sexarbeit seit dem Jahr 2002 erlaubt.

    Hintergrund des "Internationalen Hurentags"

    Der Welthurentag geht auf die mehrtägige Besetzung einer Kirche im französischen Lyon zurück. Mit dieser Aktion wollten Frauen in der Prostitution am 2. Juni 1975 auf Diskriminierung aufmerksam machen. Vorausgegangen waren vermehrte Razzien der Polizei mit Bußgeldern, weil Sexarbeiter/innen auf der Straße auf ihre Kunden gewartet hatten.

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