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Internationale Hilfskonferenz für den Libanon | BR24

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Mehrere Staaten halten heute eine internationale Videokonferenz ab, dabei sollen Hilfsgelder für den Libanon gesammelt werden. Nach der Explosion in Beirut ist die Wut auf die Führung des Landes groß: Demonstranten stürmten Regierungsgebäude.

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Internationale Hilfskonferenz für den Libanon

Auf einer internationalen Videokonferenz sollen Hilfsgelder für den Libanon gesammelt werden. Nach Demonstrationen und Ausschreitungen in Beirut ist das erste Regierungsmitglied zurückgetreten.

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Die internationale Staatengemeinschaft will Soforthilfe für den Libanon sammeln: Heute Nachmittag kommen mehrere Politiker in einer Videokonferenz zusammen, die von Frankreich und den Vereinten Nationen (UNO) organisiert wird. Daran teilnehmen sollen neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unter anderem US-Präsident Donald Trump, EU-Ratspräsident Charles Michel, der jordanische König Abdullah II. und Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi. Deutschland wird vertreten durch Außenminister Heiko Maas (SPD).

Explosion reißt 43 Meter tiefen Krater

Bei der gewaltigen Explosion am Hafen von Beirut am Dienstag wurden weite Teile der libanesischen Hauptstadt verwüstet, rund 160 Menschen getötet und fast 6.000 verletzt. Hunderttausende Menschen sind seither obdachlos, mehrere Menschen werden noch vermisst.

Die Explosion von 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat hat einen 43 Meter tiefen Krater in den Boden gerissen. Das sagte ein Sicherheitsvertreter am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf französische Experten, die derzeit den Unglücksort untersuchen.

Deutschland will mit zehn Millionen Euro helfen

Deutschlands Außenminister Maas hat ein Soforthilfepaket im Umfang von zehn Millionen Euro für den Libanon angekündigt. "Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe, und sie brauchen Anlass zur Hoffnung", sagte Maas der "Bild am Sonntag".

Frankreich hat inzwischen eine Luft- und Seebrücke eingerichtet, um den Libanon mit Hilfsgütern zu versorgen. Wie das französische Außenministerium am Samstagabend mitteilte, sollen insgesamt mehr als 18 Tonnen Medikamente und fast 700 Tonnen Lebensmittel nach Beirut gebracht werden. Momentan sind acht Hilfsflüge und zwei Schiffslieferungen geplant.

Erste französische Hilfsflüge waren schon am Mittwoch in den Libanon gestartet. Am Samstag hob eine A400M-Frachtmaschine der französischen Luftwaffe ab. Zwei weitere Maschinen sollen am Sonntag und am Montagmorgen nach Beirut fliegen.

Weiterhin Demonstrationen in Beirut

Viele Libanesen, die der politischen Elite schon seit langem Korruption und Unfähigkeit vorwerfen, machen die Regierung für die verheerende Explosion verantwortlich. Sie sehen darin einen Beleg für das Versagen der Politik. Der Libanon steckt schon seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde.

Diese Wut hat sich in der Nacht zum Sonntag in gewaltsamen Protesten in Beirut entladen. Demonstranten stürmten Regierungsgebäude und lieferten sich stundenlang Scharmützel mit Sicherheitskräften. Aus der Menge flogen Steine, Beamte reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Ein Polizist wurde getötet, mindestens 238 Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes verletzt.

Demonstranten stürmen Ministerien

Dutzende Demonstranten stürmten am Samstagabend zum Beispiel die Gebäude von Ministerien und den Sitz der Bankenvereinigung. "Rücktritt oder Aufhängen", hieß es auf einem Transparent der Protestierenden.

Auf dem Platz der Märtyrer wurden symbolische Galgenschlingen errichtet. Der 23-jährige Demonstrant Chodr Ghadir sagte, die Schlingen seien für jeden, der in den vergangenen 30 Jahren an der Macht gewesen sei. "Was passiert ist, war ein Funke, der die Menschen zurück auf die Straßen gebracht hat", sagte er mit Blick auf die Proteste.

Informationsministerin tritt zurück

Die libanesische Informationsministerin Manal Abdel Samad ist mittlerweile nicht mehr im Amt. Sie reichte am Sonntag ihren Rücktritt ein. "Nach der gewaltigen Katastrophe in Beirut erkläre ich meinen Rücktritt aus der Regierung", sagte Samal in einer kurzen Stellungnahme. "Ich bitte die Libanesen um Entschuldigung. Wir sind ihren Erwartungen nicht gerecht geworden", fügte sie hinzu.

Ministerpräsident Hassan Diab kündigte an, sein Kabinett am Montag zur Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen aufzurufen.

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Nach der Explosion soll bei einer internationalen Geberkonferenz Geld gesammelt werden. Mehrere Tausend Libanesen machen die Regierung für die Katastrophe verantwortlich und demonstrieren. Die Informationsministerin erklärte ihren Rücktritt.

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