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Intensivmediziner Kluge: Situation ist besorgniserregend | BR24

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Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin UKE Hamburg kritisiert einen Mangel an Pflegepersonal auf den Intensivstationen. Die Lage sei noch "halbwegs entspannt", doch die Auslastung der Intensivbetten werde in den nächsten Tagen stark steigen.

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Intensivmediziner Kluge: Situation ist besorgniserregend

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin UKE Hamburg, Stefan Kluge, kritisiert einen Mangel an Pflegepersonal auf Intensivstationen. Die Lage sei noch "halbwegs entspannt", doch die Auslastung der Intensivbetten werde demnächst stark steigen.

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Von
  • Stefan Kreutzer

Angesichts der gestiegenen Corona-Fallzahlen in Deutschland zeigt sich der Direktor der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, besorgt über fehlendes Pflegepersonal. Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte Kluge: "Wir haben jetzt schon angefangen, Pflegepersonal zu bitten, wieder auf der Intensivstation zu arbeiten und wir machen nach und nach Bereiche auf den normalen Stationen zu oder fahren den OP runter, weil wir das Personal jetzt auf der Intensivstation brauchen."

Derzeit stünden beispielsweise in München Intensivbetten leer, die aufgrund von fehlendem Pflegepersonal nicht belegt werden können, das sei allerdings auch vor der Pandemie schon der Fall gewesen, so der Intensivmediziner.

Intensivmediziner nennt Teil-Lockdown "sinnvoll"

Die Maßnahmen der Bundesregierung begrüßt Kluge: "Alles was hilft Kontakte zu reduzieren ist sinnvoll. Man muss eines wissen, dass der Lockdown sich wahrscheinlich erst nach 14 Tagen auf die Infektionszahlen auswirkt und wiederum 14 Tage später auf die Intensivbetten."

Noch sei die Lage "halbwegs entspannt", so Kluge, "Wir betreuen in Hamburg nur 50 Patienten auf der Intensivstation. [...] Aber wir wissen, dass mit den Neuinfektionen am Tag zehn so zwei Prozent der Patienten auf die Intensivstation müssen und wir wissen, die Zahlen in den letzten Wochen waren hoch. Das heißt, diese Wellte rollt jetzt auf uns zu."

Mehr jüngere Menschen betroffen

Anders als bei der ersten Welle sind dieses Mal auch viele Jüngere betroffen, berichtet Kluge: "Wir betreuen mehrere Patienten deutlich unter 50 Jahren und teilweise ohne Vorerkrankungen." Derzeit seien in Deutschland 2.300 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt, so der Intensivmediziner weiter: "Bei der ersten Welle hatten wir 2.800 belegt." Aber in wenigen Tagen würde die Zahl der Krankenhauspatienten verglichen mit der ersten Welle übertroffen werden. "Und das ist besorgniserregend", so Kluge.

Stefan Kluge ist auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und Mitglied des Präsidiums der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

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