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Intensivpflege: Jede dritte Pflegekraft will aussteigen | BR24

© dpa/pa

Zwei Ärzte reanimieren eine Person auf einer Trage in einem Krankenhaus (Symbolbild)

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Intensivpflege: Jede dritte Pflegekraft will aussteigen

Der Engpass bei Pflegekräften ist hinreichend bekannt. Erschreckend ist das Ergebnis einer neuesten Umfrage unter Intensivpflegekräften. Danach will jeder dritte Pflegende in den nächsten fünf Jahren aus dem Beruf aussteigen.

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Jeder dritte Intensivpflegende will in den nächsten fünf Jahren aus dem Beruf aussteigen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und dem Ärzteverband Marburger Bund. Die Untersuchung ist nach Angaben der beiden Verbände die bisher deutschlandweit größte Umfrage unter Intensivpflegekräften.

Jeder Dritte plant Reduzierung oder Ausstieg

Das Ergebnis der Umfrage ergab, dass rund 68 Prozent der Intensivpflegekräfte generell unzufrieden mit der Arbeitssituation sind. Rund 97 Prozent empfinden, dass die Arbeitsbelastung in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und sich die Arbeitsbedingungen klar verschlechtert haben. 94 Prozent gaben an, dass hauptsächlich ökonomische Interessen in den Vordergrund getreten sind. Mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) plant, den Beruf deshalb in den kommenden fünf Jahren aufzugeben, weitere 34 Prozent planen, die Arbeitszeit zu reduzieren.

"Wenn wir die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege nicht deutlich verbessern, ist die Patientenversorgung in den kommenden Jahren massiv in Gefahr. Es drohen ein Drittel der Fachkräfte in diesem Bereich verloren zu gehen." Dr. Christian Karagiannidis, designierter Präsident der DGIIN

An der Umfrage beteiligten sich 2.498 Intensivpflegekräfte.

Geburtenstarke Jahrgänge scheiden bald aus

Als Hauptgründe für die Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation nennen die Intensivpflegekräfte die enorme Arbeitsbelastung, einen hohen Zeitdruck, die zunehmende Ökonomisierung in den Kliniken und den schlechten Personalschlüssel. Derzeit liege er bei zweieinhalb bis drei Patienten pro Pflegekraft, die DGIIN fordert zwei Patienten pro Pflegekraft. Eine pflegerische Unterbesetzung führe zur Überbelastung der Pflegekräfte. Die Situation werde sich in den nächsten Jahren zuspitzen, da die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden werden. Angesichts des Personalmangels werden viele Stellen dann wahrscheinlich nicht nachbesetzt werden können.

"Diese Zahlen belegen eine dramatische Entwicklung in der Intensivpflege. Nicht nur die intensivmedizinische Versorgung ist bedroht, sondern auch die gesamte Krankenhausstruktur und damit die Existenz der Krankenhäuser – vom Kreiskrankenhaus bis zum Maximalversorger." Prof. Reimer Riessen, ehem. Präsident der DGIIN

Die Versorgung der Patienten droht sich zu verschlechtern

Bereits heute kommt es wegen des Personalmangels auf Intensivstationen häufig zu Bettensperrungen. Die Situation wird sich in Zukunft deutlich verschärfen, wenn keine wirkungsvollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Arbeitsbedingungen für Pflegende auf Intensivstationen zu verbessern, warnt die DGIIN.

Große Unzufriedenheit auch in Bayern

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) hat im Februar eine Umfrage unter ihren Mitgliedern veröffentlicht. Vor allem der zunehmende administrative Aufwand in einer Arbeitsschicht wurde in der Befragung als negativer Punkt aufgeführt.

Seit Einführung der Personaluntergrenzen zu Jahresanfang nehmen die Belastungen zu. Der Gesetzgeber verfolgt damit das Ziel, die Patientensicherheit zu erhöhen und die Pflegekräfte vor Unterbesetzung und den damit verbundenen Folgen zu schützen. Die Umfrage habe aber gezeigt, so die Vereinigung VdPB, dass sich nach den ersten Wochen lediglich eine Verbesserung für die Situation im Nachtdienst ergeben habe.

"Als erstes Fazit wird ein zusätzlicher Personalbedarf zurückgemeldet. Pflegepersonal, das aber auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. In der Folge entsteht ein Kampf um diese wertvolle Ressource, die schon jetzt bizarre Züge annimmt. Werden doch bereits jetzt Abwerbeprämien im fünfstelligen Bereich für Intensivfachpflegekräfte geboten. Zusätzlich kommen noch Prämien für die werbende Person dazu. Auch von Bleibeprämien in fünfstelliger Höhe wird berichtet." Vereinigung der Pflegenden in Bayern

Bettenschließungen an der Tagesordnung

Bereits im vergangen Jahr hat die Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin eine Online-Umfrage unter rund 440 Weiterbildungsbefugten einer Intensivstation durchgeführt. Damals ging es um Bettenschließungen auf Intensivstationen. Demnach hätten dreiviertel (76 Prozent) der Intensivstationen, die an der Umfrage teilgenommen haben, in den vergangenen Monaten Betten sperren müssen - in 22 Prozent der Fälle sogar täglich, so die DGIIN. Oftmals seien es zwei Betten (47 Prozent) gewesen. Am häufigsten dauerte die Bettensperrung ein bis vier Tage (32 Prozent).

Grundlegende Änderungen gefordert

Abhilfe soll ein neues Gesetz bringen. Zu Jahresanfang wurde durch das Bundesgesundheitsministerium in vier pflegeintensiven Krankenhausbereichen Pflegepersonaluntergrenzen eingeführt und zwar für die Kardiologie, Unfallchirurgie, Geriatrie und die Intensivmedizin. Die Untergrenzen werden als maximale Anzahl von Patienten pro Pflegekraft festgelegt. Dabei wird zwischen Tag- und Nachtschichten unterschieden. Danach sollten in der Intensivmedizin 2,5 Patienten in der Tagschicht von einer Pflegekraft betreut werden. In der Nachtschicht sind es 3,5 Patienten pro Pflegekraft.

Unabhängige Wirtschaftsrprüfer oder Buchprüfer sollen dann die Einhaltung der Untergrenzen bestätigen. Krankenhäuser, die sich nicht an die Vorgaben halten und die Grenzen unterschreiten, müssen Vergütungsabschläge hinnehmen.

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Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Zu wenig Pflegepersonal auf Intensivstationen