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Integrationsbeauftragte fordert mehr Hilfe für Kinder und Frauen | BR24

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Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz, hat eine positive Bilanz zur Integration von Einwanderern gezogen. Die CDU-Politikerin fordert aber auch weitere Anstrengungen in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt.

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Integrationsbeauftragte fordert mehr Hilfe für Kinder und Frauen

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz, hat eine positive Bilanz der Integration von Einwanderern gezogen. Die CDU-Politikerin fordert aber auch weitere Anstrengungen in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt.

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"Deutschland kann Integration" und "Deutschland ist ein Einwanderungsland" – das sind die Kernbotschaften der Integrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU), bei der Vorstellung ihres Lageberichts. Sie will, dass Einwanderung als Chance gesehen wird - für Wirtschaft und Gesellschaft.

Angesichts der Tatsache, dass inzwischen jeder Vierte in Deutschland einen Migrationshintergrund habe, würden Zuschreibungen wie "Wir" und "Ihr" die Realität längst nicht mehr abbilden. Dennoch, so die CDU-Politikerin, müsse Migration weiter gestaltet und geordnet werden - z.B. beim Erlernen der deutschen Sprache.

Bildung als Schlüssel zur Integration

Hier fordert Widmann-Mautz verpflichtende Sprachtests und bessere Sprachförderung schon vor der Schule – auch wenn Bildung Ländersache ist.

"Wichtig ist, dass alle Kinder die gleichen Startchancen haben und dazu brauchen wir flächendeckend diese Tests." Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftrage der Bundesregierung

Im Anschluss an diese Tests müssten Kinder dann verpflichtend Angebote wahrnehmen, damit sie beim Schuleintritt Deutsch sprechen können.

Kinder mit Migrationshintergrund, so steht es in dem Bericht, leben sehr viel häufiger in Familien, in denen die Eltern einen geringen Bildungsstand haben, seltener erwerbstätig sind und über geringe Familieneinkommen verfügen. Dies ist bei acht Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund der Fall. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund hingegen nur bei zwei.

Diese Gruppen könnte daher besonders von frühkindlicher Bildung profitieren.

Frauen haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer

Außerdem will Widmann-Mauz Frauen mit Migrationshintergrund besser unterstützen. Sie haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer und darüber hinaus ein höheres Armutsrisiko. Und das, obwohl Frauen mit Migrationshintergrund mit 20 Prozent häufiger einen akademischen Abschluss haben, als Frauen ohne (16 Prozent).

Hochqualifizierte ausländische Frauen sind aber seltener erwerbstätig als nicht-ausländische Frauen. So liegt die Erwerbstätigenquote von deutschen Frauen im Alter von 30 bis 49 Jahre mit Fachhochschulabschluss bei 90 Prozent. Bei ausländischen Frauen mit gleicher Qualifikation liegt die Quote nur bei 65 Prozent.

Darüber hinaus haben 40,5 Prozent der Migrantinnen überhaupt keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Bei Frauen ohne Migrationshintergrund sind es 17 Prozent.

Das kann kann laut dem Lagebericht mit Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse zusammenhängen. Relevant seien aber auch die Lebenssituation im Herkunftsland vor der Einwanderung und die Rolle von zum Teil tradierten Geschlechterrollen.

Kriminalität bekämpfen

Um die Akzeptanz von Einwanderung zu erhöhen, so die Integrationsbeauftragte, müsse Kriminalität konsequent bekämpft werden. Das gelte aber auch für rechtsextremistische, antisemitische oder muslim-feindliche Straftaten.

Schwere Straftaten müssten aufenthaltsrechtliche Konsequenzen haben, so der Bericht.

Um Straftaten zu verhindern, brauche es eine effektive Prävention. Dazu gehörten neben dem Hinterfragen von gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen auch schnelle Asylverfahren, frühzeitiger Zugang zu Integrationsmaßahmen und eine geeignete Unterbringung.

Opposition kritisiert Bedeutung des Aufenthaltsrechts

Die migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Gökay Akbulut, betonte anlässlich der Veröffentlichung des Berichts die Bedeutung aufenthaltsrechtlicher Fragen beim Thema Integration: "Die rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise ein gesicherter Aufenthaltstitel, sind entscheidend für das Ankommen und die Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt sowie in der Gesellschaft."

Auch Filiz Polat, Sprecherin für Migrations- und Integrationspolitik der Grünen, kritisierte, dass zunehmend der Aufenthaltsstatus über Möglichkeit und Chance auf Teilhabe entscheide. "Statt den Zugang zu Integrationsangeboten zu vereinfachen, baut die Bundesregierung seit Jahren mehr und mehr Hürden auf." Deutschland sei noch weit entfernt von einer gelebten Einwanderungsgesellschaft, in der für alle eine aktive, sichtbare und gerechte Teilhabe möglich sei.