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Innenminister ermutigt Juden zum Tragen der Kippa | BR24

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Bayerns Innenminister Herrmann hat sich in die Debatte um das Tragen einer Kippa durch Juden in Deutschland eingeschaltet.

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Innenminister ermutigt Juden zum Tragen der Kippa

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Juden in Deutschland davor gewarnt, eine Kippa aufzusetzen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann findet das allerdings übertrieben.

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Es sind zwei Aussagen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

"Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen." Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung

Herrmann: Nicht vor Judenhass einknicken

Diesem Satz widerspricht der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er sagte am Samstag als Reaktion auf die Äußerungen Kleins:

"Jeder kann und soll seine Kippa tragen, wann und wo er möchte." Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister

Herrmann argumentiert, wer vor Judenhass einknicke, der überlasse rechtem Gedankengut das Feld. Eine Kippa zu tragen, sei Teil der Religionsfreiheit.

Seehofer ruft zu Wachsamkeit gegen Antisemitismus auf

Bundesinnenminister Horst Seehofer mahnte zu hoher Wachsamkeit und einem entschlossenen Handeln der Sicherheitsbehörden. "Es wäre nicht hinnehmbar, wenn Juden ihren Glauben in Deutschland verstecken müssten. Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung ohne Einschränkungen möglich ist", erklärte der CSU-Politiker am Samstagabend in Berlin und fügte hinzu: "Angesichts der Entwicklung antisemitischer Straftaten müssen wir besorgt und wachsam sein."

Spaenle: "Es darf keine No-go-areas für Jüdinnen und Juden geben“

Ähnlich äußerte sich auch der bayerische Antisemitismus-Beauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle.

"Es darf keine No-Go-Areas in Deutschland für Jüdinnen und Juden geben. Jüdinnen und Juden müssen wissen und darauf vertrauen dürfen, dass sie sich sicher in Deutschland und Bayern bewegen können." Ludwig Spaenle, bayerischer Antisemitismus-Beauftragter

Spaenle erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einer Kultur des Hinschauens in der deutschen Gesellschaft.

Klein beklagt Enthemmung und Verrohung

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verweist auf eine zunehmende gesellschaftliche Enthemmung und Verrohung - zu der das Internet und die sozialen Medien beigetragen hätten, aber auch die "fortgesetzten Angriffe auf unsere Erinnerungskultur". Etwa 90 Prozent der Straftaten seien einem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen, so Klein. Er fordert Schulungen für Polizisten und andere Beamte für den Umgang mit Antisemitismus.

Schon Anfang des Jahres hatte der Antisemitismus-Beauftragte davor gewarnt, dass Antisemitismus hierzulande salonfähiger geworden sei und gesagt, dass der Judenhass bis in die Mitte der Gesellschaft reiche.

Kritik an Äußerungen

Der Publizist Michel Friedman, der selbst Jude ist, sieht in Kleins Warnung vor dem Tragen der Kippa einen Offenbarungseid des Staates. Wie Herrmann verweist Michel Friedman auf Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Religionsfreiheit garantiert. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Friedman: "Anscheinend versagt der Staat, dies [die freie Ausübung der Religion, Red] allen jüdischen Bürgern im Alltag zu ermöglichen."

Straftaten gegen Juden nehmen zu - auch in Bayern

Erst vor kurzem wurde bekannt, dass antisemitische Straftaten in Deutschland stark zugenommen haben, auch in Bayern kam es zu erheblich mehr Straftaten gegen Jüdinnen und Juden. Laut Bundeskriminalamt stieg die Zahl entsprechender Straftaten 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20 Prozent auf 1.800 Fälle an. Bei 90 Prozent der Taten werden Rechtsextreme verdächtigt.

© picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Wie gefährlich ist es in Deutschland eine Kippa zu tragen?