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In Thüringen wird es kompliziert | BR24

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Reaktionen nach "historischer" Thüringen-Wahl - von bitter bis toll

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In Thüringen wird es kompliziert

Ein historischer Wahlsieg für die Linken, eine historische Niederlage für SPD und CDU. Nach der Landtagswahl in Thüringen ist vor allem eines klar: Die Regierungsbildung wird nicht einfach.

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Auch bei dieser Wahl fällt immer wieder das Wort "historisch". Für die Linke ist die Thüringer Landtagswahl historisch, weil sie zum ersten Mal stärkste Kraft in einem Bundesland wird. Der amtierende Ministerpräsident Bodo Ramelow ist beliebt - das unterschreiben laut Infratest dimap sogar 60 Prozent der CDU-Wähler. Jan Korte, Geschäftsführer der Linken im Bundestag sagt, von Ramelow könne auch die Linke auf Bundesebene lernen.

"Bodo Ramelows Erfolgsrezept liegt daran, sich wirklich um den Kleinkram der Leute zu kümmern, mitzubekommen, was bewegt die Leute eigentlich auf den Dörfern, auf dem Land." Jan Korte, Geschäftsführer der Linken im Bundestag

"Bitterer Tag für die CDU"

Dennoch wird es sehr kompliziert, denn die Koalition aus Linken, SPD und Grünen hat ihre Mehrheit verloren. Es ist von Koalitionen die Rede, die es vorher so noch nie gab. Und: historisch ist auch, dass zum ersten Mal in Thüringen die CDU nicht stärkste Kraft ist, sie rutscht sogar auf Platz drei nach der AfD. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak spricht von einem "bitteren Tag" für die CDU in Thüringen und in Deutschland.

CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer trat am Wahlabend nicht vor die Kameras. Vorwahlumfragen von Infratest dimap zeigen: Kramp-Karrenbauer entfaltet nach wie vor nicht die erhoffte Zugkraft, ihre Beliebtheitswerte sind in Thüringen nicht gestiegen.

Tiefschlag für die Große Koalition

Die Wahl in Thüringen ist auch für die Große Koalition in Berlin ein Tiefschlag - SPD und CDU kommen zusammen auf gerade einmal 30 Prozent in Thüringen. Auch das - historisch. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil meint allerdings:

"Das ist das Wahlergebnis aus Thüringen, ich sehe nicht, dass es für die Berliner Politik große Rückschlüsse gibt." Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär

Niederlage für Grüne

Nach den Landtagswahlen in Sachsen schneidet die SPD nun auch in Thüringen einstellig ab und verfestigt damit einen historischen Trend. Die Linke hat zuletzt gemeinsam mit SPD und Grünen in Thüringen regiert - nun mussten die Grünen sogar bangen, ob sie überhaupt in den Landtag kommen.

Diese Niederlage ist ungewohnt für die Grünen, denn bei allen Wahlen seit der Bundestagswahl 2017 haben sie hinzugewonnen. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, denkt, dass die Grünen gerade im ländlichen Raum klarer machen müssten, was Klimaschutz bedeute und welche Verbesserungen er bringen könnte. Grünen-Chef Robert Habeck spricht von einer "total dramatischen Situation" für "alle demokratischen Parteien", sie müssten nun Gespräche miteinander führen.

Gauland: "Höcke ist die Mitte der Partei"

Zweitstärkste Kraft in Thüringen wurde die AfD. Sie konnte ihr Ergebnis verdoppeln. An der Spitze der AfD in Thüringen: Björn Höcke, Frontmann des rechtsnationalen "Flügels". Was bedeutet das für die AfD auf Bundesebene?

"Herr Höcke rückt die Partei nicht nach rechts. Herr Höcke ist die Mitte der Partei." Alexander Gauland, AfD-Parteivorsitzender

FDP erleichtert

Als Zünglein an der Waage war die FDP in den Wahlkampf gezogen. Parteichef Lindner spricht nun von einem "tollen Erfolg", ob seine Partei allerdings bei einer historisch neuen Koalition in Thüringen dabei sein wird, ist fraglich. Lindner erteilte am Sonntagabend einer Koalition mit der Linken eine klare Absage. Der Generalsekretär der Thüringer FDP, Robert-Martin Montag, kündigte zumindest Gespräche an.