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In den CDU-Machtkampf kommt Bewegung | BR24

© dpa-Bildfunk/Christophe Gateau

Friedrich Merz (CDU, l), Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU, und Jens Spahn (CDU),

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In den CDU-Machtkampf kommt Bewegung

"Kein Stress machen", hatte Noch-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer mit Blick auf ihre Nachfolge betont. Diese könnte aber nun früher geklärt werden als von ihr geplant. Zwei Kandidaten wagen sich langsam aus der Deckung.

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Annegret Kramp-Karrenbauer wollte sich eigentlich Zeit lassen, um die Führungsfrage in der CDU zu regeln. Wer ihr an der Parteispitze nachfolgt und Kanzlerkandidat wird, das sollte erst zum Jahresende feststehen. Vor allem bei der Schwesterpartei regte sich Widerstand gegen den Zeitplan, CSU-Chef Markus Söder warnte vor einer Hängepartie.

Nun kommt Bewegung in die Führungsfrage, der Personalwechsel an der CDU-Spitze könnte schneller kommen: Kramp-Karrenbauer will bereits nächste Woche Gespräche mit Interessenten für ihre Nachfolge und die Kanzlerkandidatur führen. Das bestätigte Kramp-Karrenbauer in einem Interview.

Für die Wahl eines neuen Parteivorsitzenden und die Benennung des Kanzlerkandidaten werde ein zeitnaher Sonderparteitag ins Auge gefasst, hieß es aus Parteikreisen. Die Rede ist von Mai oder Juni, es werde schon nach einer Halle dafür gesucht.

Spahn deutet Bewerbung an

© BR24

Seit Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt vom CDU-Vorsitz angekündigt hat, laufen die Spekulationen über ihre Nachfolge. Auch ihr einstiger Kontrahent, Gesundheitsminister Spahn, gilt als möglicher Kandidat und hat sich nun dazu geäußert.

Als mögliche Bewerber für Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur gelten Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dieser deutete an, dass er seinen Hut in den Ring wirft: "Ich habe immer gesagt (...), dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen", betonte der 39-Jährige in Berlin. "In welcher Konstellation das aber geschieht, darüber reden wir jetzt eben in den nächsten Tagen."

Nichts Offizielles von Merz

Die Deutsche Presseagentur meldete unter Berufung auf das Umfeld von Friedrich Merz, dieser sei entschlossen zu kandidieren, wisse die Parteibasis hinter sich und fühle sich durch aktuelle Umfragen ermutigt. Ein Sprecher von Merz sagte auf BR-Anfrage, er könne die Meldung nicht bestätigen, an Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen. Man werde das nicht kommentieren, hieß es auch von der CSU in München.

© BR

Friedrich Merz dürfte ins Rennen um die Nachfolge von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer einsteigen. Das glaubt BR-Reporter Achim Wendler. Seine Einschätzung in der Rundschau.

Söder trifft AKK womöglich am Wochenende

Von Unionsmitgliedern wird immer wieder CSU-Chef Söder als Kanzlerkandidat ins Spiel gebracht. Im BR-Interview betonte der bayerische Ministerpräsident jedoch vor wenigen Tagen erneut, dass sein Platz in München sei. Söder stellte zugleich klar, dass kein Kanzlerkandidat der Union ohne die Zustimmung der CSU gewählt werden könne.

Als möglich gilt, dass sich Kramp-Karrenbauer am Wochenende am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mit Söder trifft. Einen bestimmten Termin gebe es aber noch nicht, hieß es bei der CDU.

Schäuble warnt vor übereilten Entscheidungen

Kramp-Karrenbauer hatte am Montag ihren Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur erklärt und angekündigt, auch den CDU-Vorsitz abgeben zu wollen. Nach ihrem ursprünglichen Zeitplan sollte erst im Herbst oder Winter über Kanzlerkandidatur und künftige Parteiführung entschieden werden. "Wir müssen uns keinen Stress machen", sagte sie.

Als einer von wenigen prominenten CDU-Vertretern sprach sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in der "Zeit" dafür aus, erst Ende des Jahres über diese Personalfragen zu entscheiden. Auch der Chef der nordrhein-westfälischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Günter Krings, warnte vor zu frühen Festlegungen. "Bei der Suche nach dem nächsten CDU-Chef sollten wir uns nicht treiben lassen", sagte er der "Rheinischen Post". Dagegen warnte Sachsen-Anhalts Innenminister und CDU-Landeschef Holger Stahlknecht seine Partei davor, die Entscheidung über den Bundesvorsitz auf die lange Bank zu schieben.

CSU macht weiter Druck

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erklärte im ntv-Gespräch: "Kein Casting, keine langen Basiskonferenzen, keine monatelange Personalbeschäftigung. Wir können uns nach einem Jahr 2019, das maßgeblich mit den Personaldebatten der SPD geführt worden ist, jetzt nicht ein Jahr 2020 mit Personaldebatten der CDU beschäftigen." CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte der "Passauer Neuen Presse", die offenen Führungs- und Kursfragen seien "umgehend" zu klären. "Das kann kein Prozess von einem halben Jahr sein, das darf keine endlose Hängepartie geben. Selbstbeschäftigung wird nicht geschätzt."

Mit Material von dpa und afp.