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Corona-Impfungen für Erzieher und Grundschullehrer rücken näher | BR24

© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Impfstoff in einem Fläschchen.

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Corona-Impfungen für Erzieher und Grundschullehrer rücken näher

Wegen der Schul- und Kitaöffnungen sollen laut Gesundheitsminister Spahn Erzieher und Grundschullehrer früher geimpft werden. Die ständige Impfkommission hält aber an ihren Empfehlungen fest. Kritik kommt auch vom CSU-Gesundheitspolitiker Nüßlein.

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Von
  • Vera Weidenbach
  • BR24 Redaktion

Für Eltern ist es eine Erleichterung, dass ihre Kinder wieder in Grundschule und Kita gehen können – zumindest teilweise. Viele Lehrer fürchten sich allerdings vor einer Ansteckung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte am Wochenende Verständnis dafür, gerade bei kleinen Kindern sei es nicht so einfach, die Abstände und Hygienekonzepte einzuhalten, sagte er bei einer Diskussionsrunde im Gesundheitsministerium. Deshalb sollten Erzieher und Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer schon früher geimpft werden.

Ein entsprechender Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für eine Änderung der Impfverordnung wurde am Montag den Bundesländern zugeleitet. Er sieht vor, dass die Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge vorgezogen werden. Dies solle eine zügige und sichere Umsetzung von Öffnungsstrategien der Länder bei Kitas und Grundschulen ermöglichen, heißt es in dem Entwurf, der Nachrichtenagenturen vorliegt.

Die Änderung der Verordnung könnte möglicherweise bereits an diesem Mittwoch in Kraft treten. Angestrebt wird, dass ab Anfang März Angehörige der Gruppe Impftermine bekommen.

Länderchefs begrüßen den Vorstoß

Einige Länderchefs, darunter die von Thüringen und Baden-Württemberg, sind für die Änderung. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, er finde es wichtig, dass Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher in die Impfstrategie eingebaut werden. Er meint aber auch: "Neben Impfen ist Testen wichtig", das müsse massiv ausgebaut werden. Ähnlich äußerte sich auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF: "Es ist ganz deutlich, welche Systemrelevanz die Kinderbetreuung hat", deshalb müsse dort früher geimpft werden. Das Testen sei die Brücke, bis genügend Impfstoff da sei, sagte Giffey. Dafür müsse das Lehrpersonal zweimal die Woche Schnelltests machen.

Widerspruch: Erst einmal empfindlichste Gruppen schützen

Nicht alle Politiker begrüßen die Änderung. Der CSU-Gesundheitspolitiker Georg Nüßlein sagte, er halte es weiterhin für richtig, erst einmal die empfindlichsten Gruppen zu schützen. Er plädierte im Morgenmagazin dafür, abzuwarten, bis genug Impfstoff zur Verfügung steht: "Letztendlich hat der Ethikrat, hat die ständige Impfkommission uns da eine Wegmarke gegeben, die halten wir jetzt mal ein, bis der Impfstoff so weit ausreicht, dass wir auch Erzieherinnen und Erzieher und Lehrer impfen können."

Stiko hält an Empfehlungen fest

Auch die Ständige Impfkommission möchte an ihren Priorisierungen nichts ändern. Der Leiter der Stiko, Thomas Mertens, erklärte, für die Einteilung sei nicht das Infektionsrisiko der Personen entscheidend, sondern das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung. Lehrerinnen und Lehrer haben zwar ein hohes Infektionsrisiko, weil sie zumeist jünger sind, ist die Gefahr für einen schweren Verlauf aber geringer.

In der Priorisierungsgruppe zwei sind bisher Personen im Alter von 75 bis 79 Jahren sowie medizinisches Personal und Menschen mit Demenz, Down Syndrom oder geistiger Behinderung. Mertens bezeichnete die Änderung der Impfverordnung als eine rein politische Entscheidung. Und er gab zu bedenken: "Jemand, der etwas zur höheren Priorisierung schreibt, sollte gleich dazu schreiben, wer denn seiner Ansicht nach geringer priorisiert werden sollte. Denn nur das Auffüllen einer Priorisierungsgruppe macht ja keinen Sinn, weil dann am Ende keiner früher geimpft werden kann."

Unklar bleibt, ob sich durch die neue Änderung Impftermine für die Menschen in der Priorisierungsgruppe zwei nach hinten verschieben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wollte sich dazu nicht konkret äußern.

© BR

Lehrkräfte und Erzieher fordern schon länger, dass sie früher geimpft werden als momentan geplant. Ob sie auch bundesweit in der Impfreihenfolge nach vorn rücken, darüber beraten die Gesundheitsminister der Länder in einer Schaltkonferenz.

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