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In Friesland wird die Mitarbeiterin eines Impfzentrums verdächtigt, tausenden Menschen statt eines Vakzins Kochsalzlösung verabreicht zu haben.

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    Impfung mit Kochsalzlösung: Möglicherweise tausende Betroffene

    Ende April wurde bekannt, dass die Mitarbeiterin eines Impfzentrums in Niedersachsen sechs Spritzen mit Kochsalzlösung statt mit einem Vakzin gefüllt hat. Doch das Ausmaß könnte größer sein: Laut Polizei sind potenziell über 8.000 Menschen betroffen.

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    Von
    • Markus Wolf
    • Julia Ley

    Ende April war publik geworden, dass eine Mitarbeiterin des Impfzentrums Roffhausen bei Schortens im niedersächsischen Landkreis Friesland mehrere Spritzen statt mit dem Biontech-Impfstoff mit wirkungsloser Kochsalzlösung gefüllt hat. Damals ging man davon aus, dass nur sechs Dosen betroffen waren, weil die Frau eine Ampulle fallengelassen hatte und nicht wollte, dass dies bemerkt wird. Doch jetzt scheint der Vorfall ein größeres Ausmaß anzunehmen.

    Fast zehntausend Impfungen im Verdacht

    Wie die Behörden mitteilten, könnten offenbar mehr Menschen betroffen sein als zunächst angenommen. "Es geht um insgesamt 8.557 Menschen, die womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten haben, obwohl sie davon ausgehen", sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) bei einer Pressekonferenz in Jever. Es betreffe 9.673 Impfungen, die im Zeitraum vom 5. März bis zum 20. April vorgenommen worden seien. Um die möglicherweise fehlenden Impfungen nachzuholen, werden die Betroffenen nun vom Landkreis Friesland angeschrieben.

    Auch werden Personen, die in diesem Zeitraum eine Spitze bekommen haben, gebeten, sich zur Terminvereinbarung telefonisch unter 0800/ 000 516 0 zu melden. Für weitere Fragen steht ein Infotelefon unter 04461 919 7000 bereit.

    Frau gab an, Missgeschick vertuschen zu wollen

    Kurz nach dem Bekanntwerden hatte die mittlerweile entlassene Krankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes eingeräumt, den Biontech-Impfstoff durch Kochsalzlösung ausgetauscht zu haben. Ihr soll zuvor beim Anmischen ein Fläschchen mit dem Vakzin heruntergefallen sein, was sie anschließend habe vertuschen wollen. Eine Kollegin hatte den Vorfall gemeldet. Danach wurde der Impfschutz von mehr als 100 Menschen, die an diesem Tag geimpft wurden, zunächst mit Antikörpertests überprüft. Nun steht laut Polizei der Verdacht weiterer Fälle im Raum.

    Politisches Motiv nicht auszuschließen

    Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Peter Beer, sagte, es müsse nach Zeugenaussagen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" davon ausgegangen werden, dass innerhalb des Zeitraumes weitere Menschen anstelle des Impfstoffes Kochsalzlösungen erhalten haben. "Wir haben den begründeten Verdacht für eine Gefahr", sagte Beer. Die Frau schweigt zu den Vorwürfen. Der Zeitraum und die genaue Zahl der Betroffenen lasse sich daher nicht weiter eingrenzen.

    Ein politisches Motiv der Frau will die Polizei nicht ausschließen. Laut Beer hat die Beschuldigte offenbar kurz vor ihrer Tätigkeit im Impfzentrum Corona-kritische Informationen über Social Media geteilt. Die Beamten ermitteln noch.

    Die Frau selbst ließ über ihre Rechtsanwälte am Dienstag mitteilen, dass es sich bei der Tat am 21. April um einen "einmaligen Vorfall" gehandelt habe. Auch eine politische Motivation wiesen die Anwälte zurück.

    Betroffene sollen sich nun erneut impfen lassen

    Für die Betroffenen habe die Impfung mit Kochsalzlösung aber keine gesundheitlichen Auswirkungen. Sie sollen sich nun nochmals impfen lassen – entweder einmal oder zweimal. Matthias Pulz, der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamts, sieht darin kein Problem. "Es ist medizinisch unbedenklich, wenn jetzt eine dritte oder vierte Impfung erfolgt." Es könne sein, dass Nebenwirkungen auftreten, die vielleicht etwas stärker sind, dennoch seien keine ungewöhnlichen zu erwarten, so der Mediziner. "Wichtig ist, dass jetzt schnell gehandelt wird, denn die Personen wollten ja den Impfschutz."

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