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Impfstoffmangel in Indien: Die weltgrößte Impfkampagne stockt

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Impfstoffmangel in Indien: Die weltgrößte Impfkampagne stockt

Eigentlich sollten sich ab morgen alle Erwachsenen über 18 Jahre in Indien impfen lassen können. Doch dem Land geht der Impfstoff aus. Dabei wären Massenimpfungen in der derzeitigen Krise wichtiger denn je.

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Von
  • Peter Hornung

Sie sei zum Impfen gekommen, weil die Infektionszahlen so hoch seien, sagt die junge Frau im südindischen Chennai dem Nachrichtensender NDTV. Doch jetzt sei auch noch Covaxin ausgegangen, der in Indien entwickelte Impfstoff. Ziemlich schrecklich sei das. "Wir haben schon heute gesehen, dass kein Impfstoff verfügbar ist. Nur Covishield gibt es. Selbst Leuten, die für die zweite Impfung kamen, haben sie nichts geben können."

Zwei Impfstoffe stehen derzeit in Indien zur Verfügung: das indische Covaxin und der AstraZeneca-Impfstoff, der in Indien unter dem Namen Covishield in Lizenz hergestellt wird. Mit diesen Impfstoffen sollen sich ab morgen alle über 18 Jahre in Indien impfen lassen können - ungefähr 600 Millionen Menschen.

Geld ist vorhanden, Impfstoff nicht

Doch ausgerechnet jetzt scheint nicht genügend Impfstoff da zu sein, klagen mehrere indische Bundesstaaten. Sie hätten sich auf die Impfkampagne vorbereitet, so die Gesundheitsministerin des Bundesstaates Kerala, K. K. Shailaja. "Eine Mega-Kampagne, für die Tausende Ärzte und medizinisches Personal geschult worden sind. Aber es gibt keinen Impfstoff."

Ähnliches berichtet Banna Gupta, ihr Kollege aus dem Bundesstaat Jharkand: "Wir haben den Auftrag erhalten, Erwachsene über 18 Jahre zu impfen, aber wir sind nicht einmal in der Lage, die Impfstoffe zu kaufen." Das Geld dafür sei da, aber die Vakzine seien schlicht nicht verfügbar.

Im Januar hatte Indiens Impfkampagne begonnen. Es ist die größte der Welt, ein sehr ehrgeiziges Unterfangen. Zunächst wurden medizinisches Personal, Polizisten und Feuerwehrleute geimpft. Dann die über 60-Jährigen, seit April alle über 45. Mit den über 18-Jährigen, die morgen hinzukommen, hat nun rund eine Milliarde Menschen Anspruch auf eine Impfung.

Zweifel an den Versprechen der Politik

Doch die Impfstoffproduktion war zuletzt ins Stocken geraten, weil es an Rohmaterialien mangelte. Die USA hatten einen Exportstopp verhängt, der erst diese Woche aufgehoben wurde. Bis Ende März hatte Indien Impfstoffe im Rahmen der UN-Initiative Covax an ärmere Staaten geliefert - bis die Infektionszahlen in Indien explodierten.

Man solle sich nicht morgen in die Schlange stellen, so Arvind Kejriwal, Chef der Regionalregierung von Delhi. Aber in ein, zwei Tagen könne das schon anders sein. Man sei in Kontakt mit den Herstellern von Covaxin und Covishield.

Kejriwal macht Hoffnung, dass die Impfkampagne bald wieder an Fahrt aufnimmt: "Drängeln sie nicht. Jeder wird geimpft werden. Wir sind darauf vorbereitet, aber wir brauchen ihre Hilfe." In drei Monaten sollten zumindest die Menschen in Delhi geimpft sein, verspricht er. Ein Versprechen, das viele mit Skepsis sehen.

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