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Impfstoff-Produktion: Mehr Dosen - "alles andere als trivial"

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Impfstoff-Produktion: Mehr Dosen - "alles andere als trivial"

Der Ansturm auf den Corona-Impfstoff von Biontech ist groß. Die zögerliche Bestellpolitik der EU verwundere ihn, sagte Firmenchef Sahin dem "Spiegel". Die Produktion nun kurzfristig auszuweiten, sei schwierig. Es werde aber intensiv daran gearbeitet.

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  • tagesschau.de

Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Ausweitung der Herstellungskapazitäten des Corona-Impfstoffs. Die Produktion kurzfristig zu erhöhen, sei "alles andere als trivial", sagte BioNTech-Chef Ugur Sahin dem "Spiegel". "Es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten."

Biontech habe bislang "fünf Hersteller in Europa beauftragt, um die Produktion zu unterstützen", sagte die Chefmedizinerin des Unternehmens, Özlem Türeci. Über weitere Verträge werde verhandelt. "Ende Januar haben wir Klarheit, ob und wie viel wir mehr produzieren können."

Verwunderung über Einkaufspolitik der EU

Biontech begründet den derzeitigen Mangel an Impfstoff auch mit der Einkaufspolitik der EU. "Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert", sagte Sahin. Die Idee der EU und anderer Regierungen, sich einen Korb aus verschiedenen Anbietern zusammenzustellen, sei eigentlich durchaus sinnvoll, ergänzte Türeci. "Irgendwann stellte sich aber heraus: Viele können gar nicht zeitig liefern. Dann war es erst mal zu spät, woanders umfänglich nachzuordern."

Die USA hatten bereits im Juli bis zu 600 Millionen Impfdosen bei Biontech und seinem US-Partner Pfizer bestellt. Die EU sicherte sich mit ihrem Auftrag im November bis zu 300 Millionen Impfdosen - also halb so viele. "Der Prozess in Europa lief sicherlich nicht so schnell und geradlinig ab wie mit anderen Ländern", sagte Sahin. "Auch, weil die Europäische Union nicht direkt autorisiert ist, sondern die Staaten ein Mitspracherecht haben."

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wurde kurz vor Weihnachten in der EU zugelassen und wird seit einigen Tagen auch verabreicht. Weitere Zulassungen für Corona-Impfstoffe gibt es in der EU bisher nicht. Die Staatengemeinschaft hat aber bereits bei mehreren Herstellern Impfstoffdosen geordert, die sich noch in der Entwicklung befinden.

"Deutschland wird genug Impfstoff bekommen"

Derzeit entstehe "ein Loch, weil weitere zugelassene Impfstoffe fehlen und wir mit unserem Impfstoff diese Lücke füllen müssen", sagte Sahin weiter. Deutschland werde aber "genug Impfstoff bekommen". Mehrere Politiker hatten zuletzt gefordert, die Impfstoffproduktion deutlich zu beschleunigen. FDP-Chef Christian Lindner verlangte, die rechtlichen, wirtschaftlichen, politischen und technologischen Voraussetzungen für eine "Krisenproduktion" zu schaffen. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte mehr Tempo bei der Vakzin-Produktion.

In Spiel gebracht wurde auch die Idee, dass Biontech andere Hersteller zur Produktion des neuen Impfstoffes lizenzieren könne. Sahin verwies in dieser Frage auf die Komplexität bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. "Da kann man nicht einfach umschalten, so dass statt Aspirin oder Hustensaft plötzlich Impfstoff hergestellt wird. Der Prozess braucht jahrelange Expertise und eine entsprechende bauliche und technologische Ausstattung."

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Das passiert, wenn der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer nicht richtig gekühlt wird.