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Immer mehr Tote: Das sind die größten Gefahren für Radfahrer | BR24

© dpa-Bildfunk/Holger Hollemann

Erinnerung an einen tödlich verunglückten Radfahrer

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    Immer mehr Tote: Das sind die größten Gefahren für Radfahrer

    Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen, dass Radfahrten immer häufiger tödlich enden. 2018 starben in Deutschland 455 Radfahrer, darunter 89 auf Elektrorädern. Das waren 15 Prozent mehr Unfälle als 2017. Das sind die größten Gefahren.

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    Der Anstieg der Unfalltoten bei Radfahrern lag nicht nur am langen Sommer: Immer mehr Radfahrer müssen mit Auto- und Lkw-Fahrern um den knappen Platz auf den Straßen kämpfen - vor allem in den Städten. 2018 wurden 4,2 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft, der zweithöchste Wert in diesem Jahrzehnt. Jedes vierte neue Fahrrad ist ein Elektrorad. Ab dem Sommer sollen auch E-Scooter hinzukommen - aus Expertensicht eine weitere Unfallquelle. In Bayern 2018 starben 77 Radfahrer im Straßenverkehr, zehn Prozent mehr im Vorjahr. Und Bayern will den Radverkehr bis 2015 verdoppeln.

    Getrennte Ampelschaltungen für Radfahrer und Autos könnten helfen

    Die meisten Unfälle zwischen Rad und Auto gibt es laut Unfallforscher Siegfried Brockmann im Kreuzungs- und Abbiegebereich. Hier kollidieren geradeausfahrende Radfahrer oft mit abbiegenden Autos oder Lkw. "Idealerweise müssten die Verkehrsströme getrennt werden, etwa durch Ampelschaltungen", sagt der Leiter des Berliner Instituts Unfallforschung der Versicherer (UDV). "Immer dann, wenn Radfahrer Grün haben, sollten Autos warten und umgekehrt."

    Lkw-Fahrer übersehen Radfahrer beim Abbiegen

    Immer wieder werden Radler von Lkw-Fahrern beim Abbiegen übersehen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Einbau von Abbiegeassistenten daher vorantreiben. Er setzt sich für eine verpflichtende Einführung dieser Systeme für neue Fahrzeuge ab 2020 ein. Außerdem gibt es ein Förderprogramm zur Nachrüstung. Nach Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) verfügen weniger als fünf Prozent der Fahrzeuge über eines der etwa 1.500 Euro teuren Systeme. Unfälle mit Lkw sind laut Brockmann allerdings nur "ein kleinerer Teil des Problems Radfahrerunfall". 2017 seien deutschlandweit 77 Radfahrer bei Unfällen mit Lkw gestorben, davon rund 30 beim Rechtsabbiegen.

    "Frustrierend und gefährlich": Infrastruktur ist größtes Sicherheitsproblem für Radler

    Mit extrabreiten und durch Poller geschützte Wege soll das Radfahren in Großstädten wie Berlin sicherer werden. Doch diese vereinzelten Projekte reichten bei weitem nicht aus, sagt Brockmann. Aus Sicht des ADFC ist die "schlechte und völlig unterdimensionierte Fahrrad-Infrastruktur" das größte Sicherheitsproblem. "Zerschlissene und schlecht einsehbare Bordsteinradwege wechseln ab mit zugeparkten, viel zu schmalen Radfahrstreifen - und die enden dann oft im Nichts oder an der nächsten Baustelle. Das ist frustrierend und gefährlich", bemängelt Sprecherin Stephanie Krone.

    Mehr Tote bei E-Bikes: Fahrer unterschätzen oft ihre Geschwindigkeit

    Immer beliebter werden Elektro-Fahrräder. Sie bescheren vor allem Senioren eine neue Mobilität, denen sonst womöglich die Puste ausginge oder die Gelenke einen Strich durch die Rechnung machen würden. "Das sind völlig neue Gruppen jenseits der 75, die wir vorher nicht hatten", so Brockmann. Die Kehrseite: "Die Beherrschung des Fahrzeugs, gerade mit der höheren Geschwindigkeit, ist in vielen Fällen nicht gegeben." Statistiken zeigen, dass es vor allem bei Pedelec-Fahrern mehr tödliche Unfälle gibt. "Eine Lösung wäre, die Geschwindigkeit der Räder an die Kraft zu koppeln, die ein Radfahrer mit seiner Muskelkraft aufbringen würde", so der Experte. Stattdessen gibt es immer mehr frisierte E-Bikes mit Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h.

    Rücksichtslose Radler sind Gefahr für andere Radler

    Rücksichtsloses Überholen oder fehlender Abstand: Auch Radfahrer werden für andere Radler zur Gefahr. Laut Brockmann gibt es hier eine große Dunkelziffer von Unfällen. "Auf einen von der Polizei registrierten Unfall kommen etwa drei weitere Radunfälle, bei denen Beteiligte mit erheblichen Verletzungen in Krankenhäuser kommen", so der Experte. Oft werde die Polizei nicht gerufen, weil keine Versicherung im Spiel sei. Stephanie Krone vom ADFC rät, vorausschauend zu fahren, Radwege nicht in Gegenrichtung zu nutzen und im Dunkeln das Licht einzuschalten. Auch Helme können schützen - Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wirbt aktuell mit einer umstrittenen Kampagne dafür. Nur acht Prozent der jungen Radfahrer tragen demnach einen Helm.

    Wenn Scheuers E-Scooter kommen, wird es noch gefährlicher

    Scheuer will darüber hinaus elektrische Tretroller (E-Scooter) zulassen. Möglichst ab dem Frühjahr sollen sie unterwegs sein und rechtlich wie Fahrräder behandelt werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h sollen sie auf Radwegen fahren - wenn es keine gibt, darf auch die Fahrbahn genutzt werden. Aus Sicht Brockmanns ein weiteres Risiko. "Ein E-Scooter-Fahrer verhält sich anders als ein Radfahrer, ist aber genauso schnell. Die Dinge sind nur sehr schwer miteinander kompatibel", so Brockmann. E-Scooter würden Schlaglöchern beispielsweise eher ausweichen als Radler.

    Die Probleme sind bekannt – die Lösungen lassen auf sich warten

    Viele Unfallschwerpunkte sind laut Brockmann zwar bekannt, werden aber nicht geändert. "Unfallkommissionen kommen in vielen Städten nicht nach, die identifizierten Stellen zu bearbeiten und entsprechend umbauen zu lassen. Oft wird auch das Geld nicht bewilligt", kritisiert der Experte. Berliner Forscher wollen die Gefahrenstellen mithilfe von Radfahrern und der App "SimRa" sichtbar machen. Sie kann erkennen, wann Radfahrer stark bremsen, beschleunigen oder einer Gefahr ausweichen müssen - also auch Beinahe-Unfälle registrieren.

    Mit Material von dpa