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Kleiner Waffenschein
© dpa-Bildfunk/Oliver Killich

Autoren

Eva Böck
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Kleiner Waffenschein

Ende Oktober dieses Jahres waren bundesweit insgesamt 599.940 Kleine Waffenscheine registriert. Ende 2017 waren es noch gut 40.000 weniger. Und vor vier Jahren gab es nicht mal halb so viele Kleine Waffenscheine wie heute.

In Bayern gibt es nach NRW die meisten "kleinen Waffenscheine"

Der Anstieg liegt laut Redaktionsnetzwerk Deutschland seit 2014 bei 130 Prozent. Die aktuellen Daten erfragte das Redaktionsnetzwerk bei den Innenministerien der 16 Bundesländer. Dem Bericht zufolge betrifft der Anstieg alle Bundesländer, auch Bayern. Der Freistaat ist nach Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit den meisten Kleinen Waffenscheinen.

Warum kaufen sich viele Privatleute Waffen?

Wer sich eine Waffe anschafft, auch wenn es "nur" eine Schreckschusspistole ist oder eine Waffe, die Reizgas abgibt, bei dem schwingt in der Regel Angst mit. Zum Beispiel vor Einbrechern, vor offener Gewalt auf der Straße oder vor Terroranschlägen. Dabei sind die realen Bedrohungen in den letzten Jahren zurückgegangen. Die aktuelle Kriminalitäts-Statistik zeigt, dass unser Land so sicher ist wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Die Kölner Silversternacht 2015/2016

Allerdings gibt es bei vielen Menschen in Deutschland eine diffuse Angst. Dabei dürften Ereignisse wie die Kölner Silvesternacht 2015/2016 eine Rolle spielen, in der es massenhaft sexuelle Übergriffe gegeben hat. Oder auch die Hetze von Radikalen, nach dem Motto: Wenn der Staat uns nicht schützt, dann müssen wir es eben selbst tun.

Polizeigewerkschaft warnt vor Gefährdung durch Waffen

Aus Sicht von Polizisten ist die Entwicklung alles andere als positiv: Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, sagt: "Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekommen." Nach Radeks Worten besteht die Gefahr, dass die Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden oder, dass sich ihre Inhaber selbst gefährden.

Schreckschusswaffen erhöhen das Gefühl der Sicherheit

Aus Sicht von Experten erhöhen zum Beispiel Schreckschusswaffen durchaus das Sicherheitsgefühl derer, die sie bei sich haben. Dass sie damit tatsächlich sicherer unterwegs sind, ist aber mehr als fraglich. Deshalb warnt auch die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic: "Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit - im Gegenteil: Sie haben das Potenzial, Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen."

Der "Kleine Waffenschein": Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen

Eingeführt wurde der Kleine Waffenschein im Jahr 2003 - im Zuge der Waffenrechtsnovelle nach dem Amoklauf von Erfurt. Wer einen solchen Schein besitzt, darf Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen verdeckt bei sich tragen, sie aber nur im Notfall einsetzen.

Einfache Sprays mit Reizgas fallen nicht darunter, sie sind schon ab 14 Jahren und ohne Schein zu haben. Den Kleinen Waffenschein gibt es erst ab 18 und nur dann, wenn man keine nennenswerten Vorstrafen hat, geistig voll zurechnungsfähig und weder alkohol- noch drogenabhängig ist.