| BR24

 
 

Bild

Charlotte Knobloch
© BR

Autoren

Stefan Meining
Oliver Bendixen
© BR

Charlotte Knobloch

Die Behörden sind alarmiert – die Mitglieder der jüdischen Gemeinden schockiert. Ziel der Attacken ist immer wieder auch die Israelitische Kultusgemeinde in München und deren Präsidentin Charlotte Knobloch. Im Gespräch mit Journalisten von report München berichtet sie von einem erkennbaren Hass, der ihr immer wieder entgegenschlage. Und von Briefen und Mails, deren Absender kein Problem damit haben, mit ihren echten Namen die Hasstiraden zu unterschreiben. Mit dem Erstarken von AfD und Pegida hätten diese Übergriffe deutlich zugenommen, berichten Juden, die selbst bereits ins Visier von Neonazis und islamistischen Extremisten gerieten.

Dazu passt die Konfrontation eines Absenders mit einer Mail, die der ehemalige Manager an die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München schickte. Darin spricht der Rentner von "geldgeilen und machthungrigen Juden". Autoren von report München besuchen den Mann, konfrontieren ihn mit seinen Äußerungen. Er gibt an, gezielt Charlotte Knobloch mit seiner beleidigenden Äußerung gemeint zu haben. Dann folgen weitere herabsetzende Worte - bis zur Feststellung, Deutschland habe keine "Erbschuld" gegenüber den Juden.

Knobloch: "Entwicklung hat sich abgezeichnet"

Im Exklusiv-Interview mit "report München" beklagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, dass sich diese Entwicklung bereits seit acht Jahren abgezeichnet habe.

"Heutzutage hat man schon kein Problem mehr damit, irgendwelche schändlichen Inhalte direkt und mit Absender an die Betroffenen zu schicken." Charlotte Knobloch

Sie selbst ist immer häufiger Ziel solcher Attacken und stellt fest, dass die Absender nicht etwa vom unteren Rand unserer Gesellschaft kommen: Auch Akademiker und Geschäftsleute machen aus ihrem Judenhass keinen Hehl. Dass ihr dieser blanke Hass auch auf der Straße manchmal entgegenschlägt, deprimiert die Holocaust-Überlebende besonders.

Ein Mitglied der Gemeinde, das seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichen sehen möchte, spricht von einem Antisemitismus, den 'es so früher nicht gegeben habe': "Die Leute werden bei uns in Deutschland heute so bekehrt, dass sie Angst vor Fremden haben, vor Juden und vor einem internationalen Finanzjudentum, das ich nicht kenne."

Antisemitismus im Alltag

Polizei und Justiz zeigen mittlerweile klare Kante und leiten, wo es geht Ermittlungsverfahren ein. Anne Leiding, die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, sagt: "Die Täter, die wir dann ermitteln, stammen aus allen möglichen Schichten. Man könnte ja erwarten, dass mit einem höheren Bildungsgrad solche antisemitische Hetze nicht mehr vorkommt. Das ist leider nicht der Fall."

Antisemitismus im Alltag: Es gibt ihn wieder – auch in München:

"Wenn ich auf der Straße gehe oder wenn ich in ein Geschäft gehe, wenn ich halt das tägliche Leben praktiziere, dass ich dann manchmal spüre, wie hasserfüllt Menschen mich anschauen; und das ist das, was ich in meinen Augen als das gefährlichste sehe. Dieser offene, bitterböse Gesichtsausdruck, der in dem Moment sich abzeichnet, in dem Moment, wo man mich erkennt! Und das hat man natürlich früher nicht gespürt." Charlotte Knobloch, Präsidentin Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern