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Im Sog der Verschwörungstheorien | BR24

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Im Sog der Verschwörungstheorien: Von Mondlandung bis 9/11

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Im Sog der Verschwörungstheorien

In dieser Woche vor 50 Jahren ist Neil Armstrong auf dem Mond gelandet - aber ist er das wirklich? Bis heute halten sich die Zweifel. Solche Verschwörungstheorien verbreiten sich heute schneller als je zuvor. Und sie finden Anklang.

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Bernd Harder ist Experte für Verschwörungstheorien. Heute steht er vor einer Klasse Berufsschüler in Augsburg. Er will sie davor bewahren, in den Sog von Verschwörungstheorien zu geraten.

"Es geht immer darum, Angst zu machen. Alle Verschwörungstheoretiker wollen euch Angst machen." Bernd Harder, Experte für Verschwörungstheorien (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erklärung von Parawissenschaften e.V.)

Verbreitung über Social Media

Viele der Schülerinnen und Schüler kennen Verschwörungstheorien – von YouTube und Instagram. Die Verbreiter behaupten, die eigentliche Wahrheit zu kennen, die eine geheime Macht im Hintergrund verschleiert.

Aufklärung ist durchaus nötig, denn einige hier sind von solchen Theorien fasziniert. Beispielsweise zum Anschlag auf das World Trade Center.

So sagen Schülerinnen und Schüler: "Ich glaube, dass 9/11 ein Inside-Job war, dass es geplant war und dass es organisiert war, weil Versicherungen abgeschlossen." - "Die Sachen, die ich jetzt angesehen habe, die waren schon interessant, da fragt man sich schon so, könnte das nicht sein." - "Bei manchen Popstars, glaube ich auch, dass da Verschwörungstheorien dahinterstecken."

Die geheimen Mächte

Eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt, wie weit Verschwörungstheorien in Deutschland verbreitet sind. Fast die Hälfte der Deutschen glaubt, dass geheime Organisationen großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Für 33 Prozent sind Politiker Marionetten dahinterstehender Mächte.

Vor allem da, wo Verschwörungstheorie auf Politik trifft, wird es gefährlich, sagt die Psychologin Pia Lamberty von der Universität Mainz. Wer davon überzeugt sei, dass die Regierung Geldscheine vergifte oder Chemtrails sprüht, setze nicht mehr auf demokratische Mittel. Stattdessen lasse sich in Studien zeigen: Je mehr Menschen an Verschwörungstheorien glauben, desto eher befürworten sie Gewalt.

Und: Wer erstmal in den Sog der Theorien geraten ist, findet oft nicht mehr so schnell zurück.

"Man kann ganz gut zeigen, dass Menschen, die an eine Theorie glauben, bereit sind, an andere auch zu glauben." Pia Lamberty, Universität Mainz.

Das gilt sogar dann, wenn sich solche Theorien gegenseitig widersprechen. Menschen, die eher daran glauben, dass Lady Diana umgebracht wurde, glauben auch eher daran, dass sie noch lebe, sagt Lamberty. Am Ende sei das für manche immer noch plausibler als die offizielle Version.

Nachschub aus den USA

Dieses Gefühl, belogen zu werden, bedient auch QAnon: Ein angeblicher Insider aus dem Weißen Haus. In Kurznachrichten im Internet enthüllt er vermeintliche Fakten über eine jüdische Bankerdynastie, die Medien und Staat kontrolliert. US-Präsident Donald Trump ist angeblich der Erlöser, der gegen die Verschwörung kämpft. Die Anhänger gehen so weit, dass sie in Tweets von Trump geheime Botschaften entdecken, die er vermeintlich an sie sendet.

Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung beobachtet die Szene seit Monaten.

"QAnon ist die abstruseste Verschwörungstheorie, die ich je gesehen haben. Es macht mir Angst zu sehen, wie Menschen, entfremdet von jeder Realität, in so einer Wahnwelt leben." Miro Dittrich, Amadeu-Antonio-Stiftung.

Das Besondere: Qanon ruft seine Fans auf, gegen die Verschwörer zu kämpfen. Sie sind damit Teil des Ganzen. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins Report München findet "Q" auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Ein deutsches YouTube-Konto hat bereits mehr als 15.000 Abonnenten. Und auf einer Demonstration von Gelbwesten in Berlin trugen einige Teilnehmer kürzlich Q-Symbole. Einer der Teilnehmer hatte sogar ein großes "Q" auf die gelbe Weste gedruckt.

In den USA tauchen schon seit längerem Anhänger mit Schildern bei Veranstaltungen mit Donald Trump auf - sie halten beispielsweise Schilder in die Luft, auf denen "we are Q" steht.

Frühzeitige Aufklärung als Gegenmittel

In der Berufsschule in Augsburg kommt Verschwörungstheorie-Experte Bernd Harder zum Ende seiner Einheit. Für ihn kann die Aufklärung nicht früh genug beginnen. Denn wer erst einmal fest von Verschwörungstheorien überzeugt ist, lässt sich durch rationale Argumente nur noch selten davon abbringen.

"Ich hoffe einfach, dass die Leute sehen, dass man nichts, was irgendwo ins Internet eingestellt wird, einfach so unbesehen glauben soll." Bernd Harder, Experte für Verschwörungstheorien

Mehr zu Verschwörungstheorien heute ab 22.00 Uhr im ARD-Politmagazin Report München im Ersten.