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Im Schatten von Köln - Abschluss der Bischofskonferenz | BR24

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Bildrechte: SASCHA STEINBACH/epa pool

Drei Tage lang saßen 69 katholischen Bischöfe virtuell zusammen um unter anderem über den Missbrauchsskandal und die Rolle des Kölner Kardinals Woelki zu sprechen.

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Im Schatten von Köln - Abschluss der Bischofskonferenz

Eine Bischofskonferenz "im Schatten von Köln": Die Krise, in die Kardinal Woelki die katholische Kirche gestürzt hat, habe eine "enorme Rolle" gespielt, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing. Doch es gab auch noch andere Themen.

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Von
  • Tilmann Kleinjung
  • Martin Jarde

Es sind zwei Bilder aus der realen Welt, die von der ersten virtuellen Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Deutschland im Gedächtnis bleiben werden. Bei der Pressekonferenz zum Auftakt nahm am Dienstag eine Frau Platz auf dem Podium: Zuvor hatten die Bischöfe die Theologin Beate Gilles an die Spitze des in Bonn ansässigen Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

Kardinal Woelki stürzt katholische Kirche in die Krise

Das zweite Bild: ein Karnevalswagen aus Düsseldorf vor dem Kölner Dom. Darauf zu sehen: ein Bischof, dessen Mitra einer Penisspitze nachempfunden ist; auf dem Bischofsgewand die Aufschrift "Das Kernproblem der katholischen Kirche". Mit dem Wagen protestierte die kirchenkritische Giordano-Bruno-Stiftung bis zum Schluss der Vollversammlung am Donnerstag gegen die aus ihrer Sicht schleppende Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche.

Die Krise, in die Kardinal Rainer Maria Woelki die katholische Kirche gestürzt hat, habe natürlich eine "enorme Rolle" gespielt, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing zum Abschluss der Frühjahrstagung. "Wir geben derzeit ein skandalöses Bild ab."

Aufarbeitung von Missbrauch: "Alle Bischöfe tragen Verantwortung"

Bätzing kritisierte einmal mehr die desaströse Kommunikation im Erzbistum Köln. Gleichzeitig warnte er davor, den Fokus allein auf Köln zu richten. Alle Bischöfe trügen Verantwortung und stünden zu ihrer Zusage, Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsverbrechen zu leisten.

Auf die Frage, ob denn auch über einen kollektiven Rücktritt der Bischöfe gesprochen worden sei, sagte Georg Bätzing, nein. Wenn er zurücktrete, sei niemandem geholfen, denn er mache sich stark für die Veränderung der Kirche.

Betroffenenverbände hatten im Vorfeld der Konferenz den Bundestag aufgefordert, eine Wahrheitskommission einzurichten, die die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche begleiten soll. Er sei nicht prinzipiell gegen eine solche parlamentarische Wahrheitskommission, sagte Bätzing. Die sollte dann aber das gesamte Feld des Missbrauchs in den Blick nehmen, nicht nur die Kirche.

Bischofskonferenz hält an gemeinsamem Abendmahl als Fernziel fest

Zu dem Wunsch eines gemeinsamen Abendmahls, den viele Gläubige haben, sagte Bätzing: "Wenn ein evangelischer Christ bei einer Messe vor den Altar tritt und die Kommunion möchte, dann werde ich sie ihm geben. Und so ist das Praxis in vielen katholischen Gemeinden." Eine allgemeine Einladung zur Teilnahme an der Eucharistiefeier bedürfe allerdings noch weiterer Schritte. Der Respekt vor der Gewissensentscheidung Einzelner sei jedoch davon unabhängig schon jetzt zu respektieren.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz betonte, dass er am Fernziel einer sakramentalen Mahlgemeinschaft der christlichen Kirchen festhalte. Auf dem Weg dahin erhoffe er sich vom Ökumenischen Kirchentag im Mai weitere theologische Impulse.

Das von katholischen und protestantischen Theologen ausgearbeitete Papier "Gemeinsam am Tisch des Herrn", gegen das es Einwände aus dem Vatikan gibt, bezeichnete er als "Zwischenschritt" auf diesem Weg. Zu den Einwänden aus Rom gegen das Papier bemerkte Bätzing, die Bischofskonferenz nehme diese Hinweise ernst und wolle das theologische Gespräch über die umstrittenen Punkte fortführen.

Ablehnung jedweder Form von Sterbehilfe

Des Weiteren bekräftigten die katholischen Bischöfe erneut ihre ablehnende Haltung gegenüber jeder Form der Suizidbeihilfe. "Wir können uns nicht damit abfinden, dass dies ein Angebot in unserer Gesellschaft wird", sagte Bätzing. Die Beihilfe zum Suizid sei keine zustimmungsfähige Handlungsmöglichkeit. "Das ergibt sich unserer Überzeugung nach sowohl aus dem christlichen Glauben als auch aus einer allgemein zugänglichen Ethik", so steht es im Abschlussbericht.

Die in diesem Zusammenhang häufig angeführte Selbstbestimmung des Menschen sei nur auf der Grundlage seines Lebens möglich. "Beendet er das eigene Leben, zerstört er auch die Grundlage seiner Autonomie", heißt es. Zugleich warnen die Bischöfe vor gesellschaftlichem Druck auf Alte und Schwerstkranke, dem assistierten Suizid zuzustimmen, um anderen nicht zur Last zu fallen.

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