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Nicht nur Bundespräsident Frank Walter Steinmeier demonstriert beim Wandern Kondition, hier mit Ehefrau Elke Büdenbender.

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    Im Frühtau zu Berge: Wandern als politische Geste

    Wenn Politiker die Wanderschuhe schnüren, geht es selten nur um Fitness, Freizeit oder das Bewundern von Flora und Fauna. Der Weg ist das Ziel. Wer beim Wandern Ausdauer beweist, demonstriert auch politisch Ausdauer und Durchsetzungsfähigkeit.

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    Von
    • Carola Brand

    Bundespräsident Steinmeier ist am Wochenende an der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern gewandert. Der Marsch als politische Mission hat viele Vorbilder: Der indische Politiker Mahatma Gandhi initiierte 1930 einen Salzmarsch an den Indischen Ozean, um die Vorherrschaft der Briten zu brechen.

    Wandern als politische Bewegung hat Tradition

    Mao-tse-tung, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas, festigte mit dem Langen Marsch quer durch die Volksrepublik seine Macht. Martin Luther King marschierte 1963 mit tausenden Anhängern der Bürgerrechtsbewegung nach Washington. Auch in Deutschland geht es längst nicht nur um das Naturerlebnis, wenn Politiker die Wanderstiefel schnüren.

    Wandern ist oft auch Symbolpolitik

    Kohl und Strauß taten es in den bayerischen Bergen, Angela Merkel tut es in Südtirol und Frank Walter Steinmeier nutzt jede Gelegenheit zwischen Schwarzwald und Schleswig Holstein dazu: Sie wandern. Dabei ist das scheinbar Private hoch politisch.

    "Wir haben den größeren Teil der Strecke vor uns und wir werden sie bewältigen." Frank Walter Steinmeier

    Speziell bei Bundespräsidenten scheint Wandern eine "Kernkompetenz" zu sein. Schon Theodor Heuss, selbst gern in Feld und Flur unterwegs, philosophiert 1959: Sinn des Wanderns sei nicht, das Ziel zu erreichen, sondern unterwegs zu sein. Bundespräsident Walter Scheel landet 1973 mit einer eigenen Interpretation von "Hoch auf dem gelben Wagen" einen Wanderhit. Nachfolger Karl Carstens geht noch einen Schritt weiter und verknüpft seinen Amtsantritt 1979 mit einer großen politischen Geste.

    "In der Tat wollen wir beginnen, ganz Deutschland bis zu den Alpen zu durchwandern." Karl Carstens

    Bundespräsident Karl Carstens: einmal durch ganz Deutschland

    Rund 1.000 Kilometer in fünf Amtsjahren. Der Bundespräsident nutzt Feiertage, lange Wochenenden und Urlaube für seinen weiten Marsch durch die damals noch geteilte Republik. "Sein" Volk, es wandert in Scharen mit, geht mit dem Staatsoberhaupt sogar durch die Hölle – so 1981 in Kaufbeuren. Für nicht-Ortsansässige sei gesagt: Die Höll ist ein besonders romantischer Wanderweg in der Nähe von Kaufbeuren.

    "Sie glauben ja alle gar nicht, wie schön unser Vaterland ist", schwärmte damals Carstens. "Nicht nur das Allgäu ist schön, die Lüneburger Heide und der Harz und die Rhön und die Ostseeküste sind schön. Es lohnt sich daher wirklich, auf Schusters Rappen durch unser Land zu wandern."

    Mit den Etappen wachsen die Beliebtheitswerte des anfangs umstrittenen Staatsoberhaupts - ein willkommener Effekt. Carstens, der Wanderpräsident: "Wenn das die einzige Spur wäre, die ich hinterlasse, wäre ich enttäuscht, dass ich auch diese Spur hinterlasse, freut mich."

    Wandern wirkt volksnah und vermittelt einen langen Atem

    Carstens Wanderschuhe stehen längst im Haus der Geschichte in Bonn, in seine Fußstapfen treten Politiker bis heute frei nach dem Motto: Wer volksnah wirken will, der wandert. Als Bundespräsident Horst Köhler 2005 im Urlaub am Arber die Wanderschuhe schnürt, kommt das im Bayerischen Wald gut an.

    Und auch von Kanzlerin Angela Merkel ist bekannt, dass sie sich im Urlaub in Südtirol beim Wandern entspannt. Bergsteigerlegende Reinhold Messner bescheinigt ihr, auch am Berg Biss zu haben. Die Botschaft: Beim Wandern wie in der Politik braucht es einen langen Atem.

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