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Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts.

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Ifo-Chef Fuest: "Langfristig Gas aus Russland importieren"

Der Ukraine-Krieg belastet die durch Corona sowieso schon gebeutelte Wirtschaft. Zur Lage der deutschen Wirtschaft hat BR24 im Thema des Tages mit Clemens Fuest, dem Leiter des Münchner Ifo-Instituts gesprochen.

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Sabine StrasserSabine StrasserAntje Lemtis-JahnAntje Lemtis-JahnDominik EinzelDominik Einzel
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Die Folgen des Ukraine-Krieges belasten unsere Wirtschaft: Lieferketten sind unterbrochen und Teile aus der Vorproduktion fehlen. Hohe Energiepreise und steigende Inflation betreffen so gut wie alle Unternehmen. Einblicke zum Zustand der Wirtschaft und Ausblicke in die Zukunft gibt einer der führenden Ökonomen in Deutschland und Leiter des Ifo-Institutes, Clemens Fuest, im BR24 Thema des Tages.

Deutschland einer der größten Verlierer der Ukraine-Krise

Dadurch, dass die deutsche Wirtschaft so stark international agiert, durch Import und Export, spiele eine Störung in der Wertschöpfungskette eine sehr große Rolle. Das machte Clemens Fuest im BR24 Thema des Tages deutlich. "Außerdem sind wir sehr, sehr stark abhängig von russischem Gas, also abhängig wie kaum ein anderes großes Industrieland. Und das wird in Zukunft nicht so weitergehen können", so der Leiter des Münchner Ifo-Institutes. Zudem könnten nur wenige deutsche Unternehmen kurzfristig das Gas aus Russland ersetzen.

Ifo-Chef: "Langfristig weiter Gas aus Russland importieren"

Putin finanziell unter Druck zu setzen sei ein Argument, um den Gasimport aus Russland einzustellen, so Fuest. "Vor allem kurzfristig", fügte er hinzu, denn "langfristig ist das strategisch unklug. Nach dem Krieg sollten wir weiter Gas aus Russland importieren. Das ist günstig, und dadurch bleibt Russland abhängig von Europa."

Wir müssten aber Parallelstrukturen aufbauen, mahnte der Ökonom, zum Beispiel LNG-Terminals, sodass "wir eben nicht von Russland abhängig sind, Russland aber von uns." Strategisch sei das das beste Ergebnis. Ein Öl-Embargo habe nach seinen Worten geringere Auswirkungen auf Russland, da Öl leichter zu transportieren sei und schon jetzt viel davon nach China verkauft werde.

Globalisierung muss krisensicherer werden

Sowohl die Corona-Krise, als auch die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges zeigen auf, wie sehr die Abhängigkeit von globalen Lieferketten unsere Unternehmen beeinflussen kann. Auch wenn die Kosten nur durch geringe Lagerhaltung und große Lieferanten zu drücken seien, rät Clemens Fuest der Wirtschaft dazu, zu diversifizieren: "Das heißt, die Zukunft lautet vielleicht nicht nur einen Lieferanten in China haben, sondern auch noch einen in den USA oder in Brasilien. Dann ist man besser vor Störungen geschützt." Gleichzeitig erhöhe die internationale Arbeitsteilung massiv unseren Wohlstand, daher brauchten wir eine besser gegen Krisen abgesicherte Globalisierung.

Fuest: "Halte nichts von flächendeckenden Steuersenkungen"

Auf der einen Seite hebt die Globalisierung den Wohlstand, auf der anderen Seite belastet die Inflation insbesondere die ärmeren Teile der Bevölkerung. Von den Maßnahmen der Ampelkoalition um die Bevölkerung zu entlasten, ist der Ökonom aber nicht in allen Punkten überzeugt. So halte er Maßnahmen wie den Heizkostenzuschuss, der gezielt ärmere Haushalte unterstützt, für richtig. Jedoch halte er "nichts von flächendeckenden Steuersenkungen, wie etwa einer Benzinsteuersenkung (...) das ist das falsche Signal, (...), eine Fehlsteuerung."

Insgesamt zeigt sich Fuest aber zuversichtlich: "Wir müssen unser Energiesystem anpassen, vielleicht wird es etwas schwieriger, Handel zu betreiben. Aber ich würde immer noch sagen, das sind Herausforderungen, die wir bewältigen können!"

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