Protestaktion von Attac gegen die IAA

Protestaktion von Attac gegen die IAA

Bildrechte: pa / dpa / Peter Kneffel
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    IAA mit und ohne KonTra: Der Deutungskampf ums Auto tobt

    IAA mit und ohne KonTra: Der Deutungskampf ums Auto tobt

    Die Internationale Automobilausstellung in München "IAA Mobility" zeigt vor allem Elektroautos, sogar E-Bikes sind zu sehen. Klimaaktivisten sehen darin nur eine Fassade und diskutieren auf einer KonTra-IAA radikale Konzepte.

    Achim Heier hat ein großes Ziel. Er will den Autoverkehr zusammenstutzen. "Wir halten es für notwendig, bis 2030 den Autoverkehr zu halbieren und den öffentlichen Verkehr zu verdoppeln", sagt der 67-Jährige. Heier ist ein sanfter Typ. Er poltert nicht, setzt seine Botschaften eher nebenbei, als sei das alles keine große Sache.

    Protest durch Diskussion

    Schon seit 20 Jahren ist Heier in der Protestbewegung aktiv, ist Mitglied bei den Globalisierungskritikern von Attac. Er sucht den Protest in der Diskussion, weshalb er einen Gegenkongress zur IAA in München auf die Beine gestellt hat.

    "KonTra-IAA" hat er das Diskussionsforum getauft, das noch bis Freitag dauert. In den Hallen des Münchner Feierwerks ist eine Bühne aufgebaut, draußen stehen Pavillons. Wegen der Corona-Vorschriften verfolgen die Meisten die Diskussionen unter freiem Himmel. "Wir wissen alle, dass die Mobilität der Zukunft anders aussehen muss", sagt Organisator Heier, "die Debatte darüber wollen wir mit unserem Kongress weiterführen und befeuern".

    KonTra-IAA mit radikalen Ideen

    Konkret geht es Vielen bei der KonTra-IAA um radikale Schritte: Rückbau der Autoindustrie, kein weiterer Straßenausbau, Umstellung auf öffentlichen Verkehr. Einer der Diskutanten bei der KonTra-IAA ist Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern. Er kritisiert, die IAA in München mache auf Klimaschutz und Elektro, doch das wahre Geschäft sei immer noch der Verbrenner. "Was bei der IAA ausgestellt wird, ist die Fassade. Was verkauft wird, ist etwas ganz anderes", mahnt der Umweltschützer: "Und deshalb ist die Autoindustrie insgesamt unglaubwürdig."

    IAA Mobility: Eine politische Messe

    Kaum eine IAA war so politisch wie diese. Es geht nicht mehr nur um schicke Autos, sondern es geht um nichts weniger als die Deutungshoheit über das Auto. Symbol individueller Freiheit? Klimakiller? Oder sogar Klimaretter? Im Kern geht es um die Mobilitätswende. Das wissen auch die Veranstalter der IAA. Deshalb heißt die IAA nicht mehr nur IAA, sondern hat den Zusatz "Mobility", also Mobilität, bekommen. Fast alle Weltpremieren sind vollelektrische Pkw, womit die IAA einen Trend widerspiegelt. Im ersten Halbjahr 2021 wurden weltweit etwa 1,7 Millionen batterieelektrische Pkw verkauft. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche einen E-Auto-Absatz von rund 3,3 Millionen Modellen.

    Aber weiterhin sind E-Autos noch klar in der Minderheit. Denn in guten Jahren verkauft die Industrie insgesamt um die 90 Millionen Fahrzeuge – vor allem Verbrenner. Doch von denen gibt es wenig zu sehen bei der IAA.

    Es geht auch ums Image

    Es geht auch ums Image der Autoindustrie. Das ist angekratzt vor allem seit dem Dieselskandal. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der deutschen Automobilwirtschaft (VDA) beteuert, sie würde gerne mit IAA-Gegnern ins Gespräch kommen: "Wir denken weiter und ich finde, auch die Gegendemonstranten sollten weiterdenken und nicht in ihren alten Feindbildern verharren." Der VDA habe ein Gesprächsangebot gemacht, viele hätten es aber nicht angenommen, sagt die VDA-Präsidentin.

    Gesprächsangebot scheitert an verhärteten Fronten

    Der VDA und die Stadt München haben selbst zu einem Mobilitätskongress während der IAA eingeladen. Doch Aktivist Heier wollte sich ganz bewusst davon abgrenzen, sagt er. Mit dem Verband deutscher Automobilwirtschaft sei kein echter Dialog über die Erfordernisse der Mobilität der Zukunft möglich, sagt der Attac-Aktivist.

    Die Autoindustrie versucht, ihr Image aufzupolieren und sucht den Dialog mit den Gegnern. Doch die Gegner sehen darin nur ein vergiftetes Geschenk. Die Fronten zwischen Autoindustrie und Klimaaktivisten bleiben auch bei der IAA in München verhärtet.

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