BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Hunger in den USA: Schlangen an den Food Banks vor Weihnachten | BR24

© BR

Die Corona-Krise hat die USA hart getroffen, vor allem Geringqualifizierte leiden unter dem Einbruch der Wirtschaft, verlieren ihr Einkommen. Viele haben nichts mehr zu essen - und müssen erstmals in ihrem Leben an einer Tafel anstehen.

17
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hunger in den USA: Schlangen an den Food Banks vor Weihnachten

Die Corona-Krise hat die USA hart getroffen, vor allem Geringqualifizierte leiden unter dem Einbruch der Wirtschaft, verlieren ihr Einkommen. Viele haben nichts mehr zu essen - und müssen erstmals in ihrem Leben an einer Tafel anstehen.

17
Per Mail sharen
Von
  • Jule Käppel

Eine vollgepackte Plastik-Tüte bringt José Fuente zum Lächeln. Er habe glücklicherweise Gemüse und andere Lebensmittel von "Marthas Table" bekommen und sei sehr dankbar, sagt er.

Die gemeinnützige Organisation teilt seit 40 Jahren in Washington D.C. Essen an Bedürftige aus, doch noch nie waren so viele auf diese Hilfe angewiesen. Menschen wie José, 50 Jahre alt, ein schmal gebauter Latino. Er hat als Übersetzer gearbeitet und als Gärtner - dann kam die Pandemie.

Millionen kommen zum ersten Mal zur Tafel

Die Corona-Krise habe ihn hart getroffen, so José. Er sei arbeitslos geworden und komme so oft es geht hierher. Wie José Fuente waren vier von zehn Amerikanerinnen und Amerikanern in diesem Jahr zum ersten Mal bei einer Tafel. Das hat die landesweite Organisation "Feeding America" ausgerechnet. Sie schätzt, dass 50 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten 2020 nicht genug zu essen hatten. Vor der Pandemie waren es 35 Millionen. Und: Der Hunger hat die Mittelklasse erreicht.

Viele Leute seien aus dem Wohnhaus nebenan - die runterkommen und sich Essen holen, erzählt Antoine, einer der Helfer. Es seien keine Obdachlosen, sondern einfach Menschen in Not. Mit Rucksäcken und Einkaufstrollis warten Frauen und Männer, die meisten Hispanics, fröstelnd in der Schlange bis sie dran sind. Unter einem weißen Zelt in der Einfahrt steht ein Tisch mit Bananen, Konserven, Bagel-Tüten. Zweimal Kaffee, aber der ist schnell weg.

Kein Müsli für Paulina

Auch Paulina bekommt nicht mehr, was sie wollte. Müsli sei schon aus, sagt die Anfang Zwanzigjährige Helferin Tolu unter ihrer gelben Mütze. Dafür gibt es Cracker. Die 67-jährige Latina greift zu. Sie hatte in zwei Häusern geputzt. Damit kam sie gerade so über die Runden. Sie brauche nicht mehr zu kommen, sagte man ihr dann. Es sei schwer, weil sie ihre Miete und Rechnungen bezahlen müsse.

Die Hilfe des Staates reicht nicht aus

Viele US-Amerikaner leben von einer Gehaltszahlung zur nächsten. Ohne Rücklagen erwischte sie erst die Corona- und dann die Hungerkrise. Sowohl gesundheitlich, als auch wirtschaftlich hat es schwarze und Latino-Familien am schwersten getroffen. In den Schulen konnten ihre Kinder ein günstiges Frühstück oder sogar ein kostenloses Mittagessen bekommen. Dann machten die Schulen dicht und zuhause gab es zu wenig zu essen.

Der Staat unterstützte im Frühjahr einmalig mit 1.200 Dollar. Gerade hat der US-Kongress ein zweites Hilfspaket beschlossen. Bis das Geld fließt, brauchen Millionen Menschen vor Weihnachten noch Lebensmittelspenden. Wie hier von Supermärkten, Restaurants oder Privatleuten.

Acht Milliarden Mahlzeiten werden fehlen

Es kommt Nachschub. Die zierliche Conny Zander ist mit dem Auto vorgefahren und gibt Käse- und Erdnussbutter-Sandwiches ab. Für 100 Personen. Man müsse als Gemeinschaft zusammenhalten, einander in der Not beistehen. Sie sei in der Position, helfen zu können, also tue sie es.

Die Hungerkrise in den Vereinigten Staaten wird sich bis ins nächste Jahr ziehen. Die Tafel-Organisation "Feeding America" warnt, dass in den kommenden Monaten acht Milliarden Mahlzeiten fehlen werden. José mit seiner Lebensmittel-Tüte schaut optimistisch in die Zukunft und zweifelt nicht an Amerikas Comeback. Das Land sei schließlich stark.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!