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Hunderte Corona-Opfer: Ein schlimmer Tag für Italien | BR24

© pa/dpa/Carlo Cozzoli

Sterbezimmer des Ponte San Pietro Hospitals in in der Provinz Bergamo am 18. März 2020.

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    Hunderte Corona-Opfer: Ein schlimmer Tag für Italien

    Mehr als 600 Tote binnen eines Tages: So lautet die verheerende Corona-Bilanz in Italien. Augenzeugen sprechen von "schockierenden Szenen". Das Land verhängte neue Ausgangssperren - auch Sport im Park ist nun verboten.

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    • tagesschau.de

    Kein Land der Welt zählt mehr Corona-Tote als Italien. Tag für Tag melden die Krankenhäuser Hunderte neue Opfer - 627 waren es innerhalb von 24 Stunden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer der Virus-Pandemie insgesamt auf über 4000, mehr als 47.000 Menschen sind infiziert.

    Besonders dramatisch ist die Lage in Bergamo. Dort sind Tausende erkrankt. "Die Menschen sterben allein, ohne dass jemand kommen kann, um Abschied zu nehmen", schildert ein Krankenhausseelsorger in der Zeitung "La Stampa". Er habe den Zweiten Weltkrieg miterlebt, bei einem Einsatz im Amazonasgebiet habe er sich mit Lepra und Malaria auseinandersetzen müssen; "aber ich habe noch nie solch schockierende Szenen erlebt wie jetzt", so der Priester.

    Auch Sport in Parks verboten

    Im Kampf gegen das Virus verschärft Italien nun die Ausgangssperren. So verbietet die Regierung den Bürgern jetzt landesweit, in Parks und andere Grünanlagen zu gehen. Sport darf nur in unmittelbarer Nähe zur Wohnstätte betrieben werden. Das geht aus einem Erlass des Gesundheitsministers Roberto Speranza hervor. Einige Städte wie Rom hatten schon vorher viele Parks geschlossen.

    Die Ausgangssperre gilt für die 60 Millionen Bürger des Landes schon seit zehn Tagen. Darin ist das Verbot enthalten, die Wohnung zu verlassen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, etwa wegen einer dringenden Arbeit oder zum Einkaufen.

    Im Zuge der Ausgangssperren in Italien hat die Polizei inzwischen rund 1,5 Millionen Personenkontrollen durchgeführt. Dabei gab es mehr als 62.400 Anzeigen wegen unterschiedlicher Verstöße gegen die behördliche Anordnung, wie das Innenministerium mitteilte.

    Internationale Anteilnahme

    Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die Corona-Zahlen aus Italien "fürchterlich". Er verband dies im Onlinedienst Twitter mit dem Aufruf an alle, die Krise ernst zu nehmen. "Bleiben Sie zu Hause, wenn es irgendwie geht", schrieb er.

    Auch EU-Ratschef Charles Michel nahm Anteil an dem Schicksal des Landes: "Wir beobachten mit Emotion und Respekt die Vorreiterrolle der italienischen Behörden bei der Bewältigung der Krise, mit zeitnahen, umfassenden und sozial bedeutenden Maßnahmen, um die Ausbreitung der Infektion zu begrenzen", heißt es in einem Brief von Michel an Präsident Sergio Mattarella. Italiens Antwort auf die Krise sei ein Vorbild für viele andere Länder. "Wie man es aus allen Ecken Ihres wundervollen Landes widerhallen hört: Alles wird gut."

    Angst vor Rezession

    Wegen der Coronavirus-Pandemie steht Italien vor einer Rezession. Der Internationale Währungsfonds sagte dem chronisch wachstumsschwachen Land in diesem Jahr ein Minus von 0,6 Prozent voraus. Das Finanzministerium in Rom ist Insidern zufolge deutlich pessimistischer. Hier wird damit gerechnet, dass die Wirtschaftsleistung sogar um rund drei Prozent schrumpft.

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