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Hubert Burdas Gespür fürs Digitale | BR24

© BR / Ulf Seefeldt

Hubert Burda ist einer der bedeutendsten Verleger in Europa. Schon frühzeitig hat er erkannt, dass sich der Zeitschriften- und Zeitungsmarkt verändern wird, und aufs Digitale gesetzt. Am Sonntag wird er 80.

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Hubert Burdas Gespür fürs Digitale

Hubert Burda ist einer der bedeutendsten Verleger in Europa. Schon frühzeitig hat er erkannt, dass sich der Zeitschriften- und Zeitungsmarkt verändern wird, und aufs Digitale gesetzt. Am Sonntag wird er 80.

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Hubert Burda hat das digitale Zeitalter gerochen. Wie kein anderer Verlag hat Burda - weit vor Springer und Bertelsmann - auf digitale Produkte gesetzt. Selbst im Silicon Valley zollt man dem “Publisher from Germany” großen Respekt. Dass er im Laufe seiner beruflichen Karriere auch mehrere Male gescheitert ist, hat ihm eher geholfen.

Erster Berufswunsch: Künstler

Am Anfang sieht es gar nicht danach aus, als würde Hubert Burda, jüngster von drei Söhnen, in das Verlagsgeschäft einsteigen. Er beschäftigt sich lieber mit Picasso und Cézanne. Vater Franz ist alles andere als begeistert vom Berufswunsch des Sohnes, Künstler zu werden. Dennoch reicht es zu einem Kompromiss. Hubert darf in München Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie studieren und soll nach der Promotion in den Verlag zurückkehren.

Mit 25 kommt er dann auch zurück und darf sein Wunsch-Projekt realisieren: eine Männerzeitschrift unter dem Titel “M”. Die Zeitschrift ist ein Flop. 12 Millionen Mark setzt der junge Burda damals in den Sand. Mutter Aenne Burda kommentierte sein Gesellenstück mit den Worten: "Der Vater hat deine Zeitschrift in die Hände gekriegt. Jetzt isst er nichts mehr. Du bist schuld, wenn er stirbt!"

Vom Chefredakteur zum Alleingesellschafter

Wenige Jahre später gibt es für Burda eine neue Chance. Er soll die damals noch in Offenburg (Baden) erscheinende Zeitschrift "Bunte" übernehmen, die zuvor sein Vater als Chefredakteur geleitet hatte. Er bringt die Zeitschrift aus dem etwas verschlafenen Schwarzwald nach München und macht aus dem "Klatschblättle" ein modernes People-Magazin.

Nach dem Tod des Vaters 1986 steigt er 10 Jahre später zum Alleingesellschafter und Chef des Medienunternehmens auf.

Schwerer Schicksalsschlag: Tod des Sohnes

Privat erlebt er mit dem Tod seines Sohnes Felix einen Schicksalsschlag. Der Sohn aus erster Ehe stirbt 2001 an Darmkrebs. Mit seiner früheren Frau Christa Maar gründete Burda daraufhin eine Stiftung unter dem Namen des Sohnes für den Kampf gegen diese Krankheit.

Burda springt früh auf den digitalen Zug auf

Früh erkannt Burda, dass mit neuen Online-Angeboten aus den USA plötzlich neue Medienkräfte auf den Markt drücken, die den Ballast des einstigen Verlagsgeschäft nicht mit sich tragen müssen. AOL und Compuserve sind damals die ersten Vorboten einer neuen Medienordnung, die den Print-Markt nur wenige Jahre später in schwere Fahrwasser bringen sollten.

Burda beteiligt sich bereits Mitte der 1990er-Jahre an dem Luxemburger Online-Unternehmen "Europa Online". Er spürt den neuen Wind und misst dem Internet eine Bedeutung zu, die von anderen Verlagen in Deutschland lange unterschätzt wurden. Er führt als einer der ersten in Deutschland das Desktop-Publishing ein - die Produktion einer Zeitschrift am Computer.

"Focus" macht die 90er zum Jahrzehnt Burdas

Die 90er-Jahre sind Hubert Burdas Jahrzehnt. Gemeinsam mit Helmut Markwort startet er das Magazin "Focus" und macht das Blatt innerhalb kurzer Zeit zu einem großen Erfolg. Vor allem seinem St. Moritz-Nachbarn Rudolf Augstein, Gründervater und Herausgeber des SPIEGEL, beweist Burda, dass er in einer Liga mit dem Nachrichten-Magazin aus Hamburg spielen kann.

Alt und neu: Gelungener Spagat

Es ist der unentwegten Neugier von Burda zu verdanken, dass sein Verlagsimperium einerseits dem angestammten Zeitschriftengeschäft treu geblieben ist und andererseits sein sicheres Standbein im wichtigen Digitalgeschäft aufgebaut hat.

Dass Google Feind des traditionellen Verlagsgeschäfts ist, erkennt Burda rechtzeitig und nennt das Friedensangebot der Datenkrake aus dem Silicon Valley zurecht "Lousy Pennies".

Burda fokussiert sich im Digitalgeschäft auf die sogenannten Medienmarken und das Rubrikengeschäft. Er kauft die Job-Plattform Xing, das Reisenetzwerk HolidayCheck und das Ärzteempfehlungsportal Jameda.

Burda: 600 Medienangebote und 12.000 Mitarbeiter

2,66 Milliarden Euro Umsatz hat die Hubert Burda Media Holding mit Sitz im baden-württembergischen Offenung und in München nach eigenen Angaben gemacht. Der Konzern kommt auf mehr als 12.000 Mitarbeitende und verfügt über gut 600 verschiedene Medienangebote in Europa und der Welt. Auch wenn seine jährliche Digital-Konferenz DLD nicht immer schwarze Zahlen schreibt.

Die Münchner Tech-Konferenz, die behutsam und klug von seiner Schulfreundin Steffi Czerny geleitet wird, ist selbst für die Elite aus dem Silicon Valley zur wichtigsten Anlaufstation in Europa geworden. Hier treffen sich immer im Januar eines jeden Jahres Innovatoren aus Politik, Kultur, Medien und Gesellschaft.

Nachfolge geregelt

Und auch die Frage der Nachfolge hat der kluge baden-württembergisch-bayrische Medien-Manager geregelt: Seine Kinder Jacob und Elisabeth halten zusammen rund 75 Prozent des Unternehmens.

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