Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Hongkong: Mit Tränengas gegen Demonstranten | BR24

© BR/Benjamin Eyssel

Seit 22 Wochenenden gehen die Bürger von Hongkong gegen ihre Regierung auf die Straße. Die geht gegen den Freiheitswillen der Menschen mit harter Hand vor. Auch heute ist es wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Hongkong: Mit Tränengas gegen Demonstranten

Seit 22 Wochenenden gehen die Bürger von Hongkong gegen ihre Regierung auf die Straße. Die geht gegen den Freiheitswillen der Menschen mit harter Hand vor. Auch heute ist es wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Per Mail sharen
Teilen

Die Ausschreitungen dieses Wochenendes gehören zu den bisher schwersten seit Juni. Nach Zusammenstößen von Polizisten und Demonstranten wurden Dutzende Menschen festgenommen.

Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein. Radikale Aktivisten warfen Brandbomben, bauten Straßensperren und attackierten Geschäfte, die mutmaßlich Beziehungen zu China unterhalten. Die Demonstranten verwüsteten laut Berichten auch das Gebäude der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und schlugen die Scheiben im Eingangsbereich ein.

Demonstranten fordern Unabhängigkeit

Viele Demonstranten trugen trotz des erst kürzlich erlassenen Vermummungsverbots Gesichtsmasken. Es wurden die britische und die amerikanische Nationalhymne gesungen, Rufe nach Unabhängigkeit wurden laut. "Menschen von Hongkong widersetzt euch!", schallte es aus der Menge. "Die Revolution unserer Zeit."

Es war das 22. Wochenende in Folge, an dem in der chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wurde. Die Proteste richten sich gegen die pro-chinesische Regierung, die Einschränkung der Demokratie und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung.

"Wahlkampf" statt nicht genehmigter Demonstrationen

Nachdem die Polizei eine ursprünglich im Victoria Park geplante Demonstration im Vorfeld nicht genehmigt hatte, versammelten sich dort Kandidaten für die Bezirksratswahl spontan zu Wahlkampfauftritten. Diese müssen nicht eigens genehmigt werden, solange die Gruppen jeweils klein bleiben. Trotzdem löste die Polizei die Versammlungen schon früh mit Tränengas auf.

Zentraler U-Bahnhof geschlossen

Die folgenden Zusammenstöße in den Straßen in der Nachbarschaft setzten auch zwei genehmigten Demonstrationen im Chater Garden und Edinburgh Place ein schnelles Ende. Die Ausschreitungen dauerten bis in den Abend. Der U-Bahnhof Hongkong Central wurde geschlossen und nicht mehr angefahren, nachdem Demonstranten nach Angaben der Verkehrsbetriebe an einem Eingang Feuer gelegt hatten. Das berichtet die "South China Morning Post".

Anführer der Demokratiebewegung von Wahl ausgeschlossen

Die Atmosphäre in Hongkong ist aufgeheizt, nachdem diese Woche der Anführer der Demokratiebewegung, Joshua Wong, als Kandidat für die Wahl der Bezirksräte disqualifiziert worden war. Ihm wurde unterstellt, mit dem Aufruf zur Selbstbestimmung Hongkongs die Unabhängigkeit zu propagieren.

Die kommunistische Führung in Peking kündigte außerdem an, eine härtere Gangart in Hongkong einzuschlagen.

Demonstrationen für freie Wahlen und Straffreiheit für Festgenommene

Ursprünglich ausgelöst hatte die Demonstrationen in der Finanzmetropole ein geplantes Gesetz, das die Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China ermöglichen sollte. Inzwischen fordern die Demonstranten auch freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2.000 Festgenommenen.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die sieben Millionen Hongkonger Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Sie fürchten aber zunehmend um ihre Freiheitsrechte - auch weil die entsprechende Maxime beschränkt ist auf 50 Jahre, also bis zum Jahr 2047.

© BR24

In Hongkong ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, radikale Aktivisten warfen Brandbomben.