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Die Arbeit im Homeoffice hat durch Corona stark zugenommen (Symbolbild).

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    Homeoffice wegen Corona: Wie stark steigen die Nebenkosten?

    Mehr Stromverbrauch, mehr Heizung: Wer im Homeoffice arbeitet, dem entstehen Ausgaben, die sonst im Unternehmen anfielen. Doch um wie viel steigen die Nebenkosten tatsächlich – und kann die neue Homeoffice-Pauschale ein Ausgleich sein?

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    Von
    • Tobias Brunner

    Für den einen bedeutet das Homeoffice entspanntes Arbeiten ohne nervige Pendelei, für die andere unbequemes Tippen am Küchentisch ohne persönliche Kontakte. Doch egal wie man zum Homeoffice steht, eines ist den Hunderttausenden Heimarbeitern gemein: Alle haben mehr Nebenkosten, wenn sie mehr zu Hause sind.

    Aber um wie viel genau steigen die Nebenkosten dadurch? Die Antwort darauf ist komplex. Der Versuch einer Annäherung.

    Verlässliche Daten zu Homeoffice-Nebenkosten fehlen noch

    Die verlässlichste Quelle zu dieser Frage, das sogenannte Sozio-ökonomische Panel (SOEP), liegt für die Corona-Zeit noch nicht vor. Dabei werden seit 1984 dieselben Personen und Familien nach diversen finanziellen Aspekten ihres Lebens befragt. Die Studie ist außerdem repräsentativ.

    Das Problem: Vor Januar 2021 ist nicht mit dem aktuellen SOEP zu rechnen, teilt das zuständige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit.

    Stromkosten: Laptop, Smartphone und Herd verursachen mehr Nebenkosten

    Eine Alternative sind Schätzungen, die von Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox kommen. Am einfachsten lässt sich damit der Mehrverbrauch an Strom beurteilen.

    Verivox geht davon aus, dass ein Tag im Homeoffice zusätzliche Stromkosten von maximal einem Euro verursacht. Dafür beziehen die Experten Laptop (15 Cent pro Tag), Desktop-PC (50 Cent), Smartphone (1 Cent) und Backofen oder Herd (bis zu 50 Cent) mit ein.

    Auch Check24 geht von einer ähnlichen Ausstattung aus, rechnet aber etwas kostengünstiger: ein Laptop inklusive externer Monitor, eine LED-Schreibtischlampe und ein Elektroherd mit einer halbstündigen Nutzung. Insgesamt entstünden so Mehrkosten von 30 Cent pro Tag.

    Fazit für die Stromkosten: Geht man von den üblichen 220 Arbeitstagen pro Jahr aus, würde die Rechnung damit um 66 Euro steigen. Nimmt man als Grundlage einen Euro pro Tag, lägen die Mehrkosten bei 220 Euro. Dies kann je nach Tarif, Verbrauch und Geräten aber stark variieren. Auch waren die meisten Arbeitnehmer Anfang 2020 noch nicht im Homeoffice, andere wiederum sind auch in der Zwischenzeit vereinzelt ins Büro gefahren. Das drückt die Ausgaben.

    Heizkosten: Schwierige Berechnung der zusätzlichen Nebenkosten

    Schwieriger wird es bei den Heizkosten. Zwar fällt die Berechnung von Verivox auf den ersten Blick eindeutig aus. So erhöhe sich der Heizbedarf eines Musterhaushaltes durch das Homeoffice um insgesamt rund vier Prozent, was je nach Heizsystem zu Mehrkosten von bis zu 45 Euro führe. Doch Check24 widerspricht: "Aus unserer Sicht ist das mathematisch falsch."

    Denn Verivox geht für seine Rechnung davon aus, dass die Temperatur tagsüber im Homeoffice drei Grad höher gehalten wird als sonst – und jedes Grad verbrauche etwa sechs Prozent mehr an Energie.

    Genau diese sechs Prozent stellt Check24 jedoch in Frage: Sie würden zwar zutreffen, wenn es um das Absenken der Temperatur gehe, könnten im Umkehrschluss aber nicht auf das zusätzliche Heizen angewendet werden. "Auch nach intensiver Recherche konnten wir keine Informationen finden, wie viel Prozent mehr Energie für ein Grad mehr an Raumtemperatur aufgewendet werden muss", schreibt das Vergleichsportal.

    Fazit für die Heizkosten: Ja, die Heizkosten steigen an, wenn man es auch tagsüber wärmer haben will. Doch der genaue Mehrpreis ist strittig. Der Heizspiegel kam im vergangenen Jahr für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Erdgas auf durchschnittliche Kosten von 720 Euro. Würde man bei diesem Beispiel die umstrittenen vier Prozent von Verivox anlegen, wären es knapp 29 Euro. Die tatsächlichen Mehrkosten können aber deutlich höher oder niedriger ausfallen.

    Kann die Homeoffice-Pauschale die gestiegenen Nebenkosten ausgleichen?

    Die Homeoffice-Pauschale sieht fünf Euro pro Tag an steuerlicher Entlastung vor. Allerdings ist sie mit 600 Euro gedeckelt, was rechnerisch nicht 220 Arbeitstagen entspricht, sondern nur 120.

    Möchte man trotz mathematischer Diskussionen über die Methodik einen groben Vergleich wagen, könnte man diesen 600 Euro einen Betrag von etwa 100 Euro durch Stromkosten (66 Euro) und Heizkosten (29 Euro) gegenüberstellen. Dies sieht zunächst nach einem guten Geschäft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus.

    Jedoch darf die Pendlerpauschale nicht außer Acht gelassen werden, sie fällt mit der Homeoffice-Pauschale weg. Hierbei werden 30 Cent pro Kilometer der einfachen Arbeitsstrecke berücksichtigt. Wer also 17 Kilometer in die Arbeit und noch einmal 17 zurückfährt, erhält bereits 5,10 Euro an Pendlerpauschale – und damit mehr als durch die Homeoffice-Pauschale.

    Andererseits: Steht das Auto still, nutzt es sich auch weniger ab und muss weniger getankt werden. Dabei hängt die Ersparnis sehr individuell von Fahrzeugtyp, Strecke, Spritpreis und Fahrweise ab.

    Homeoffice-Pauschale: Nicht jeder profitiert bei Steuerklärung

    Hinzu kommt: Die Homeoffice-Pauschale wird bei der Steuererklärung in die sogenannte Werbungskostenpauschale eingerechnet. Um davon zu profitieren, muss man bei den Werbungskosten mehr als 1.000 Euro geltend machen können – denn diese Summe steht jedem Steuerpflichtigen auch ohne Belege zu. Nur wer mit seinen individuellen Ausgaben diesen Betrag übersteigt, kann auch die Homeoffice-Pauschale ausschöpfen.

    Fazit für die Homeoffice-Pauschale: Die Pauschale kann helfen, die zusätzliche Belastung durch die Nebenkosten zu senken. Dafür müssen aber zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens braucht es ausreichend hohe Werbungskosten. Und zweitens muss sie sich im Vergleich zur wegfallenden Pendlerpauschale und den Einsparungen beim Auto rechnen.

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