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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Finn Winkler

Die Pandemie hat Homeoffice für viele Beschäftigte zur Normalität gemacht. Viele genießen diese Form des Arbeitens. Allerdings ist Homeoffice auf dem Land weniger verbreitet als in Städten. Kritiker befürchten eine Spaltung der Arbeitswelt.

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Homeoffice: Schöne neue Arbeitswelt - Aber nicht für alle

Die Pandemie hat Homeoffice für viele Beschäftigte zur Normalität gemacht. Viele genießen diese Form des Arbeitens. Allerdings ist Homeoffice auf dem Land weniger verbreitet als in Städten. Kritiker befürchten eine Spaltung der Arbeitswelt.

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Veronika WagnerVeronika WagnerTom  FleckensteinTom Fleckenstein
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Rund 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten derzeit von zuhause aus. Das Potenzial für Homeoffice wäre in Deutschland laut Professor Oliver Falck vom ifo-Institut jedoch mehr als doppelt so hoch. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Homeoffice mache die Wirtschaft widerstandsfähiger, wie gerade in der Pandemie gesehen. Denn trotz sozialer Distanzierung konnte die wirtschaftliche Aktivität in vielen Bereichen hochgehalten werden. Daher sollte seiner Meinung nach Homeoffice gefördert werden, etwa durch steuerliche Anreize, die Subvention von Endgeräten und vor allem den Breitbandausbau.

Siemens als Vorreiter für flexibles Arbeiten

Auch Johanna Reihl arbeitet seit der Pandemie von zuhause aus. Sie plant seit fast zwei Jahren Windkraftanlagen für Siemens Energy von ihrem heimischen Schreibtisch aus. Mit ihrer Familie wohnt sie in der kleinen mittelfränkischen Gemeinde Kalchreuth, rund 20 Kilometer entfernt von ihrem Büro auf dem Siemens Campus in Erlangen. Sie genießt die Vorteile des Homeoffice, auch weil die tägliche Pendelei entfällt.

"Man hat mehr Zeit für sich, für die Familie, für den Haushalt. Zwischendurch kann ich mal die Waschmaschine anstellen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen. Das bleibt ja alles liegen, wenn ich im Büro bin." Johanna Reihl, Siemens-Mitarbeiterin im Homeoffice

Seit der Pandemie setzt ihr Arbeitgeber Siemens weltweit auf mobiles Arbeiten. In dem Großunternehmen, in dem die Präsenzkultur lange stark ausgeprägt war, haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Option, zwei bis drei Tage die Woche von zuhause aus zu arbeiten.

Problem: Mangelhafte digitale Infrastruktur

Auch die Diwa-Gruppe hat zu Beginn der Pandemie auf Homeoffice gesetzt. Die Firma hat in Raubling im Landkreis Rosenheim ihren Sitz. Das mittelständische Unternehmen mit 78 Mitarbeitern kümmert sich um die Umsetzung der Trinkwasserverordnung. Geschäftsführer Maximilian Mertens stieß jedoch an die Grenzen des Konzepts Homeoffice. Denn viele Diwa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wohnen in sehr ländlichen Gebieten.

"Da hat die Internetverbindung einfach nicht ausgereicht, um die Arbeit zu bringen. Videokonferenzen haben nicht funktioniert, Mitarbeiter haben berichtet, dass sie für das Öffnen von Cloud-basierten Programmen manchmal zehn Minuten gebraucht haben. Und das ist natürlich kein Umstand, in dem ich Mitarbeiter arbeiten lassen kann." Maximilian Mertens, Geschäftsführer Diwa-Gruppe

Und deshalb sind alle 78 Beschäftigten zurück im Büro. Maximilian Mertens, der seit Oktober auch Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren in Bayern ist, dem größten Verband junger Unternehmer und Führungskräfte im Freistaat, fordert die Bundes- und die Staatsregierung unter anderem auf, den Breitband-Ausbau zu beschleunigen. Sonst könnten Unternehmen im ländlichen Raum ins Abseits geraten. Die mangelhafte Infrastruktur sei ein klarer Standortnachteil. Die Bayerische Staatsregierung gibt zwar zu, dass der Breitbandausbau in Bayern vor allem im ländlichen Raum anspruchsvoll sei. Von 2014 bis 2020 habe man jedoch 1,5 Milliarden Euro in unterversorgte Gebiete investiert.

Geringere Bereitschaft für Homeoffice im ländlichen Raum

Der Anteil an Betrieben, die überhaupt Homeoffice ermöglichen, ist auf dem Land erheblich geringer als in der Stadt. Das ergibt eine aktuelle Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Demnach will zwar jedes fünfte Unternehmen mobiles Arbeiten längerfristig ausbauen. Doch zwei Drittel der Betriebe wollen es wieder auf den Stand vor der Pandemie zurückfahren. Darunter vor allem kleinere Betriebe mit weniger als 50 Angestellten.

Viele offene Fragen rund ums Konzept Homeoffice

Das Konzept Homeoffice klingt simpel, ist bei näherer Betrachtung jedoch äußerst komplex. Den Datenschutz, aber auch die Arbeitszeiten sieht die Vereinigung Mittelstand in Bayern als die heikelsten Punkte, wenn es um das Thema Homeoffice geht.

"Die Firma ist für die Einhaltung der Arbeitsschutzrichtlinie, für den Datenschutz, für die Arbeitszeitgesetzgebung verantwortlich und kann das im Grunde überhaupt nicht kontrollieren." Ingolf Brauner, Präsident der Vereinigung Mittelstand in Bayern

Die neue Bundesregierung müsse flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen, die den Unternehmen, aber auch den Arbeitnehmern mehr Freiräume lassen, die sie dann selbst verantworten, findet Brauner.

Innovationskraft der Unternehmen durch Homeoffice gefährdet

Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung fordert auch der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Professor Michael Hüther. Und warnt gleichzeitig davor, Homeoffice zu euphorisch zu betrachten. Wer innovativ bleiben wolle, der brauche die lebendige Diskussion in der Firma. Unternehmen seien Orte der Begegnung.

"Wenn wir Öffentlichkeit nicht mehr pflegen, wenn wir das, was in der Pandemie richtig war, perpetuieren, dann werden wir einen Krisenzustand zum Dauerzustand machen, das kann nicht gut gehen." Wirtschaftsprofessor Michael Hüther

Der Wirtschaftswissenschaftler und Historiker sieht beim Thema Homeoffice außerdem die Gefahr einer Spaltung der Belegschaft, nicht nur zwischen Produktion und Verwaltung, sondern auch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, mit negativen Folgen für die Unternehmensziele. Eine ganz ähnliche Sorge teilen die Gewerkschaften.

"Wenn es zwei Gruppen von Beschäftigten gibt, die einen, die stark von der Möglichkeit profitieren, Homeoffice machen zu können und eine zweite Gruppe, die diese Möglichkeit nicht hat, müssen wir verhindern, dass dort eine Spaltung entsteht." Karl Musiol, IG Metall bei Siemens Erlangen

Siemens-Mitarbeiterin Johanna Reihl wird ab Anfang Dezember wieder zwei bis drei Tage im Büro arbeiten, ansonsten zu Hause, nach Absprache mit ihrem Chef. Für die Reihls hat sich das Konzept Homeoffice bewährt. Die Familie hat durch das flexible Arbeiten an Freiheit und damit Lebensqualität gewonnen.

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