Brennende Holz-Pellets
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Brüssel will den Holzverbrauch regulieren - Kritik kommt aus Bayern.

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EU-Beschluss zu Holzverbrennung: Viel Unmut in Bayern

EU-Beschluss zu Holzverbrennung: Viel Unmut in Bayern

Brüssel will die Holzverbrennung weiter als nachhaltige Energie einstufen. Gleichzeitig soll die erlaubte Menge aber gedeckelt werden. Endgültig ist die Entscheidung noch nicht. Kritik gibt es aus unterschiedlichen Gründen - aber auch Erleichterung.

Dieser Beschluss scheint kaum jemanden richtig zufriedenzustellen: EU-Abgeordnete haben am Mittwoch entschieden, die Holzverbrennung weiter als nachhaltige Energie einzustufen, aber die erlaubte Menge auf den Durchschnittsverbrauch der Jahre 2017 bis 2022 zu deckeln und die staatlichen Subventionen zu begrenzen. Das führt nun auch in Bayern zur Diskussion, wohin dieser Weg führen soll: Ist Holzverbrennung aus Sicht der EU nun wirklich nachhaltig oder doch etwa nicht? Ganz offensichtlich ein Beschluss mit Interpretationspotential.

Für Bayerns Wirtschaftsminister ein "Desaster"

Für Bayerns Energie- und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist die Straßburger Entscheidung ein "Desaster". Laut Aiwanger müsste der nachwachsende Rohstoff Holz jetzt noch besser genutzt werden. Nach einer Schätzung des bayerischen Wirtschaftsministeriums erzeugt die bayerische Holzverbrennung neun Prozent der Wärme und 0,5 Prozent des Stroms im Freistaat. In der momentanen Energiekrise sollten Aiwanger zufolge noch mehr Pelletöfen und noch mehr Hackschnitzelheizungen gebaut werden, um fossile Energieträger aus dem Markt zu drängen.

Stattdessen würden Leute "mit Holzkopf" jetzt die Bäume lieber verfaulen lassen, kritisierte der Freie-Wähler-Politiker auf BR-Anfrage. Zudem befürchtet Aiwanger einen Wegfall der staatlichen Förderungen, wenn künftig Öl- oder Gasheizungen durch Holzheizungen ausgetauscht werden.

Kaniber zeigt sich "fassungslos" über EU-Parlament

Auch Bayerns Forst- und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hält wenig von der bisherigen EU-Entscheidung, die noch im sogenannten Trilog zwischen Parlament, Kommission und Rat endgültig ausgehandelt und entschieden werden muss. Es mache sie fassungslos, dass das EU-Parlament die Nutzung von Waldholz als erneuerbare Energie im ersten Schritt einfrieren und dann nach einem kurzen Übergangszeitraum immer weiter verringern wolle.

Wer Holz als Rohstoff ausbremse, befinde sich in Sachen Energiesicherheit, Wirtschaft und Klimaschutz absolut auf dem Holzweg, sagte Kaniber. Es könne nicht sein, dass die EU Gas als nachhaltig bezeichne, aber den klimaneutralen Rohstoff Holz auf lange Sicht hin ausbremsen wolle. Trotz Übergangsfrist, sei die Entscheidung der EU eine Entscheidung gegen den Klimaschutz, bemängelte die Ministerin.

Lob von Niebler

Die CSU-Europapolitikerin Angelika Niebler hingegen begrüßte das Votum. Sie sieht wiederum den Punkt, dass Holz weiterhin als erneuerbare Energie gilt. "Waldbauern können aufatmen. Brennholz bleibt weiterhin erneuerbar. Mehrheit im Europäischen Parlament stimmt für Energie aus Waldholz", twitterte Niebler.

Waldbesitzerverband sieht dringend nötigen Waldumbau

Der Bayerische Waldbesitzerverband scheint den Beschluss zur Holzverbrennung etwas anders zu interpretieren. Aufgrund der Klimakrise müsse in Bayern etwa die Hälfte des Waldes umgebaut werden, so der Verband. Allein in Bayern stünden damit, nach einer Verbandsschätzung, 350 Millionen Festmeter Holz zur Verfügung. Dabei gehe es vor allem um Nadelhölzer. Der Bayerische Waldbesitzerverband befürchtet, dass in zehn bis 20 Jahren bei Holz die Erneuerbarkeit weg ist.

Wenn Holz aber nicht mehr als erneuerbar gelte, dann würden Holzheizungen bald nicht mehr subventioniert, warnt der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands, Josef Ziegler. Die Vorgehensweise der EU laut Ziegler: "Erst definieren und dann regulieren." Dass Holz jetzt als regulierungsbedürftig angesehen werde, sei ein "Sündenfall".

Umweltverbände warnen vor zu viel Holzverbrennung

Für Umweltverbände ist die Entscheidung des EU-Parlaments, das Verbrennen von Holz weiterhin als erneuerbare Energie zu werten, ein fatales Signal für den Umwelt- und Klimaschutz in der EU. Der Bund Naturschutz Bayern warnt vor allem davor, Holz industriell zu verbrennen. Ralf Straußberger, Waldreferent des Verbands, fürchtet einen Raubbau am Wald.

Stattdessen brauche es eine Kreislaufwirtschaft, in der das Holz in verschiedenen Schritten stofflich genutzt werde. Damit meint Straußberger die Verarbeitungsschritte vom Bauholz oder Möbelholz zur Spanplatte bzw. Faserplatte bis hin zum Verbrennen von Holz. So könnten Holz und Ressourcen gespart werden, das CO2 wäre länger im Holz gebunden.

Endgültige Entscheidung steht noch aus

Der Holzbeschluss war Teil der Novelle der Richtlinie über erneuerbare Energien (RED III), mit der die Umstellung der Energieversorgung auf Ökostrom beschleunigt werden soll. Dabei will die EU die Subventionen für Primärholz reduzieren. Erlaubt bleiben sollen Zuschüsse für die Verbrennung von Restholz, Schadholz oder Sturmschäden.

Rechtskräftig ist der Beschluss noch nicht, jetzt werden das EU-Parlament, der Rat der EU und die EU-Kommission Trilog-Gespräche aufnehmen, die voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2023 zu einem endgültigen Kompromiss über RED III führen.

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