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Holocaust-Überlebender fordert Kampf gegen Nationalismus | BR24

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Gedenkstunde im Bundestag

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Holocaust-Überlebender fordert Kampf gegen Nationalismus

Antisemitismus ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Dagegen müsse man sich stemmen, so Bundestagspräsident Schäuble in der Gedenkstunde des Bundestages zum Holocaust. Gastredner in diesem Jahr: der Holocaust-Überlebende Saul Friedländer.

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"Der Begriff des Holocaust steht nicht im Grundgesetz, aber er hallt in dieser Verfassung nach." Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erinnert daran, dass die Gründungsväter der Bundesrepublik die Würde des Menschen als Individuum an die erste Stelle gerückt hatten. Und damit ganz bewusst, eingedenk der Verbrechen der Nationalsozialisten, den einzelnen Menschen über die Volksgemeinschaft stellten. Die Erinnerung an den Holocaust sei nicht nur Aufgabe der Zivilgesellschaft, sondern auch des Staates, so Schäuble unter großem Applaus. Antisemitismus, unter Deutschen oder Zugewanderten, sei inakzeptabel.

Saul Friedländer – Holocaust-Überlebender

Der Historiker Saul Friedländer beschreibt in einer bewegenden Rede das Schicksal seiner Familie. In Prag 1932 geboren, emigrierte er mit seinen Eltern 1939 nach Frankreich. Als auch dort die Deportationen begangen, versteckten ihn seine Eltern in einem katholischen Internat. Nach einem missglückten Fluchtversuch in die Schweiz wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort getötet. Saul Friedländer überlebte. Er mahnt im Bundestag, Antisemitismus, Fremdenhass und Nationalismus seien überall in der Welt wieder auf dem Vormarsch. Und er appelliert an Deutschland, auch in Zukunft ein starkes Bollwerk gegen diese Gefahren zu sein. Friedländer zitiert den Widerstandskämpfer Hans von Dohnanyi, der viele Juden gerettet hatte, und von den Nazis hingerichtet worden war. Auf die Frage, warum er sein Leben riskiert habe, hätte er geantwortet: "Es war der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen."

Kinder im Holocaust – lebenslanges Leid

Sowohl Schäuble als auch Friedländer erinnern an das besondere Leid der Kinder während der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1,5 Millionen Kinder wurden umgebracht. Einzige Möglichkeit zu entkommen, war sich zu verstecken oder mit fremder Identität in Familien oder Klöstern unterzutauchen, in ständiger Angst verraten zu werden. Das Leid dieser Kinder blieb lange unbeachtet. Die, die überlebten, litten oft ihr Leben lang. Viele hatten ihre ganze Familie verloren und oft nicht einmal gewusst, woher sie eigentlich kommen.