BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Holocaust-Ausstellung: Bilder aus der Hölle Auschwitz-Birkenau | BR24

© BR

Es gibt keine Fotos aus dem Inneren der Krematorien in Auschwitz-Birkenau – aber es gibt die Zeichnungen und Gemälde von David Olère. Die Werke des Auschwitz-Überlebenden geben den NS-Opfern ein Gesicht, sie sind derzeit im Bundestag zu sehen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Holocaust-Ausstellung: Bilder aus der Hölle Auschwitz-Birkenau

Es gibt keine Fotos aus dem Inneren der Krematorien in Auschwitz-Birkenau – aber es gibt die Zeichnungen und Gemälde von David Olère. Die Werke des Auschwitz-Überlebenden geben den NS-Opfern ein Gesicht, sie sind derzeit im Bundestag zu sehen.

Per Mail sharen

Es sind Bilder, die verstören: Ausgemergelte Körper, schreiende Menschen in der Gaskammer, Leichen, die in Verbrennungsöfen geschoben werden. Alltag im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. David Olère hat gemalt, was er dort als Häftling gesehen hat und wozu er von der SS gezwungen wurde. "Jedes Bild ein Schrei", sagt Bundestags­präsident Wolfgang Schäuble bei der Eröffnung der Ausstellung. Olère zeige die Bestialität des industriellen Massenmordes, seine Werke "konfrontieren uns damit - fast bis zur Unerträglichkeit".

Ein Augenzeuge, der eigentlich nicht überleben sollte

Die Nationalsozialisten hätten ihre Taten gern vertuscht. Kurz bevor die Rote Armee das Lager befreite, wurden die Krematorien gesprengt, die Gaskammern zerstört. Olère überlebte, obwohl er im Sonderkommando war und in den Augen der SS zu viel wusste. Die Häftlinge waren "Geheimnisträger", sagt der Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywiński. Olère sei entkommen und habe uns diese Geheimnisse mitgebracht: "Ich möchte, dass wir uns alle ein bisschen so fühlen wie die Geheimnisträger von damals."

Mahnung in Richtung AfD

Die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld, die ihr Leben der Aufklärung von NS-Verbrechen gewidmet hat, sieht das Werk Olères als Memento an, als Mahnung. Klarsfeld schlägt den Bogen zu heute. Sie mahnt, man müsse die Werte der EU verteidigen gegen all jene, die den Holocaust am liebsten als Lappalie abtun würden. Sie hoffe, dass die Ausstellung viele Besucher anziehe. Auch aus den Reihen der AfD-Abgeordneten – "dass sie den Mut aufbringen werden, sich den Werken von David Olère zu stellen und sich Gedanken über die deutsche Identität zu machen." Das nehme sie zur Kenntnis, sagt die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch. Die Eröffnung der Ausstellung habe sie als würdig und angemessen empfunden.

Den Horror spüren, das Erinnern zulassen

Verstörend, bedrückend – das sind Worte, die den Besuchern beim Betrachten der Bilder in den Sinn kommen. Der 23 Jahre alte Tim fühlt sich wieder so wie bei seinen Besuchen im KZ Dachau und in Auschwitz. Er lese viel über das Thema, in Büchern und im Internet. Er habe aber auch das Glück gehabt, mit einem Zeitzeugen sprechen zu können. Sein Großvater hat den Krieg überlebt und konnte auch darüber reden. Es sei ein schwieriges Thema, sagt Tim. Aber er finde es wichtig, wie in Deutschland an den Holocaust erinnert werde.

"Innerer Zusammenbruch"

Für den Pianisten Igor Levit, der die Eröffnung mit Werken von Bach musikalisch umrahmt hat, ist das Erinnern auch sehr wichtig. Beim Gedenken an die Auschwitz-Opfer habe er viel Empathie gesehen, Menschen, "die das Heute im Blick haben, ohne eigene politische Agenden bedienen zu müssen". Das sei aber leider nicht allen gelungen. Beim Betrachten der Bilder habe er einen "inneren Zusammenbruch" erlebt, fühle nur Schmerz und Wut - "Wut auf uns alle, die wir es zulassen, dass Menschenhass, systematische Zerstörung von Biografien normalisiert wird." Er wünsche sich eines: dass jeder, der nur einen Hauch davon heute miterlebt, sofort dazwischengehe, schneller als der Wimpernschlag.