BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance/dpa | Christoph Dernbach
Bildrechte: picture alliance/dpa | Christoph Dernbach

Der Generalsekretärs der US-Bischofskonferenz wurde mithilfe der Grindr-App ausspioniert.

Per Mail sharen

    Hoher US-Geistlicher mit Dating-App für Schwule ausspioniert

    Nächstenliebe sucht man im Machtkampf der US-Katholiken vergebens. Weiterer Höhepunkt der Schlammschlacht: Der Generalsekretär der US-Bischofskonferenz wurde mithilfe einer schwulen Dating-App ausspioniert. Die Ortsdaten verraten pikante Details.

    Per Mail sharen
    Von
    • Martin Jarde

    In der katholischen Kirche der USA tobt ein Machtkampf zwischen liberalen und konservativen Kräften. Nun ist der Generalsekretär der amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB), Jeffrey Burrill, überraschend zurückgetreten.

    Generalsekretär der US-Bischofskonferenz zurückgetreten

    Die USCCB sei auf "Medienberichte aufmerksam geworden (...), die ein mögliches unangemessenes Verhalten von Msgr. Burrill belegen", sagte José Gomez, Erzbischof von Los Angeles und Vorsitzender der Bischofskonferenz. In einem Schreiben vom 20. Juli an alle Bischöfe erklärte Erzbischof Gomez, er habe Burrills Rücktritt mit sofortiger Wirkung angenommen.

    Burrill, ein Priester aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, war erst im November für fünf Jahre zum Generalsekretär der USCCB gewählt worden. In dieser Position koordinierte er alle administrativen Arbeiten und Planungen der Bischofskonferenz. Bisher äußerte er sich nicht zu seinem Rücktritt und den Vorwürfen.

    User einer Dating-App für Homosexuelle

    Kurz nach der offiziellen Erklärung der Bischofskonferenz veröffentlichte das von konservativen Katholiken verantwortete Portal "The Pillar" einen Artikel, in dem über "sexuelles Fehlverhalten" von Burrill berichtet wird. Demnach war der Priester von 2018 bis 2020 auf "Grindr", einer Dating-App für Homosexuelle, unterwegs. Außerdem sei davon auszugehen, dass Burrill Schwulenclubs besucht habe, auch während er im Auftrag zur US-Bischofskonferenz unterwegs war.

    "The Pillar" hat nach eigenen Angaben einen auf dem Markt befindlichen Datensatz verwendet, wie das Internetportal katholisch.de berichtet. Aus dem lasse sich schließen, dass Burrill nahezu täglich die App verwendet habe. Der Datensatz basiere auf von der App nach Einwilligung der Nutzer gesammelten Daten. Dabei werde zwar nicht der Name der Nutzer erfasst, jedem Gerät aber eine eindeutige Identifikationsnummer zugeordnet.

    Über Ortsdaten und Zeitstempel am Handy ausspioniert

    Laut "The Pillar" ist es möglich, aus dem vorliegenden Datensatz mit Zeitpunkten versehene Ortsdaten und Nutzungsinformationen zu den einzelnen Geräten auszuwerten. Dadurch habe man auf die Identifikationsnummer des von Burrill verwendeten Geräts schließen können, indem bekannte Aufenthaltsorte des Generalsekretärs wie sein Büro und seine Wohnungen mit den zur Verfügung stehenden Daten korreliert wurden.

    Kritik: Homosexualität mit Pädophilie vermischt

    Der Chefredakteur des Jesuiten-Magazins "America", James Martin, kritisierte die Methoden des konservativen Mediums heftig. Auf Twitter schrieb er: "Katholischer Journalismus, 2021: Ausspionieren eines Priesters (genauer unter Verwendung von Daten einer ungenannten Quelle, die ihn ausspioniert hat), weil er sein Versprechen des Zölibats gebrochen hat, und dann Homosexualität mit Pädophilie unter dem Deckmantel einer journalistischen 'Untersuchung' in Verbindung gebracht..."

    Burrills Rücktritt - Wer zieht einen Nutzen daraus?

    Martin kritisiert des Weiteren, dass wohl keine "tatsächliche Untersuchung" des Falls stattgefunden habe. Somit hätten die Autoren "einfach Daten von einer skrupellosen Quelle gekauft", die möglicherweise gegen das Gesetz verstößt. Man müsse fragen: "Cui bono?" ("Wem zum Vorteil?") - wer zieht einen Nutzen daraus, so der Jesuit.

    Bereits am Montag veröffentlichte die Catholic News Agency (CNA) - der frühere Arbeitgeber der Pillar-Journalisten - einen Artikel, in dem beschrieben wird, dass Privatpersonen angeblich Überwachungstechnologien einsetzten, wie sie der Staat gegen Terroristen und Kriminelle nutzt, um Geistliche zu verfolgen, die Dating-Apps verwenden.

    CNA: Geistliche mit staatlicher Spionagesoftware verfolgt

    In der Geschichte heißt es, dass sich erstmals 2018 eine Person an kirchliche Stellen und die CNA gewandt habe. Diese Person behauptete, Zugang zu Technologien zu haben, mit denen Geistliche und andere Personen identifiziert werden könnten, die beliebte Dating-Apps wie Grindr und Tinder herunterladen, und ihren Standort mithilfe der Internetadressen ihrer Computer oder Mobilgeräte bestimmen zu können.

    Der Vorschlag der Person bestand darin, der Kirche Informationen über diese Geistlichen, die ihre Gelübde durch die Nutzung solcher Apps verletzt hätten, zur Verfügung zu stellen. Verbunden mit der Hoffnung, dass diese Geistlichen dann diszipliniert oder aus ihrem Amt entfernt würden.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.